Früher trank er mehrere Flaschen Wein am Tag, heute will er Alkoholkranken helfen

Bier, Wein, dazu Schmerztabletten: Jahrelang versuchte Michael A., seine Probleme in Alkohol zu ertränken. Ohne Hilfe wäre er aus diesem Teufelskreis wohl nie herausgekommen. Wie er den Weg aus der Sucht geschafft hat und wie er jetzt anderen im Kloster Plankstetten (Landkreis Neumarkt) helfen will.
Michael A. will anonym bleiben. Deshalb hat die Redaktion den Namen des Mannes geändert, der seine Geschichte offenbart. Als Jugendlicher dachte er: „Mich erwischt es nicht.“ Er hatte schließlich das abschreckende Beispiel seines alkoholkranken Vaters vor Augen. Auch Michaels Opa war süchtig, ebenso der Bruder des Vaters. „Dass es mich dann doch erwischt hat, ist nicht untypisch“, sagt Michael A..
Auch wenn seine Familie vorgeschädigt war, deutete aus seiner Sicht als Jugendlicher nichts darauf hin, dass auch er abhängig werden würde. „Ich habe als Jugendlicher zwar schon getrunken, aber auch nicht mehr als die anderen aus dem Dorf.“ Seinen Leistungen in der Schule und im Sport tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Michael A. war erfolgreich im Sport und schrieb ein gutes Abitur. Danach ging er mit seiner heutigen Frau zum Studieren nach München.
Tagsüber nahm er Tabletten, abends trank Michael A.
Und dort wurde sein Alkoholkonsum aus seiner Sicht erstmals problematisch. Um sich vermeintlich die Angst vor Prüfungen zu nehmen, trank er. Mal zwei, drei Flaschen Bier am Tag. Mal zwei, drei Gläser Weißwein. „Das war meist am Abend, weil ich den Konsum vor meiner Frau verheimlichen wollte.“ Abends trank er, tagsüber nahm er Beruhigungs- und Schmerzmittel.
Seine Prüfungen meisterte er dennoch sehr gut, schloss sogar als Landesbester seins Jahrgangs ab. Doch als er danach in das Berufsleben startete und der Druck weiter zunahm, stieg auch sein Alkoholkonsum. Nahezu täglich habe er in dieser Phase getrunken. Oft vernichtete er eine Flasche Wein am Abend, gelegentlich artete sein Konsum am Wochenende komplett aus.
„Ich dachte mir, wenn ich diese Phase im Job überstanden habe, dann kümmere ich mich um mein Alkoholproblem“, sagte sich Michael A. damals. Heute weiß er: Das Problem ohne Unterstützung in den Griff zu bekommen, ist schier unmöglich.
Ich hatte Angst, meine Frau und meine Arbeit zu verlieren.Michael A. (Name geändert)
Also holte er sich auf Anraten seiner Familie professionelle Hilfe. Seine Verwandtschaft hatte zu diesem Zeitpunkt zwar bemerkt, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt. „Doch sie wussten nicht, dass ich ein Alkoholproblem hatte.“ Der ersten Person, der Michael A. sein Problem anvertraut hatte, war seine Psychotherapeutin. Doch ihren Vorschlag, seine Sucht der Familie zu gestehen, konnte er nicht akzeptieren. „Ich hatte Angst, meine Frau und meine Arbeit zu verlieren. “
Alkoholkranker hatte 2017 einen Nervenzusammenbruch
Seine Liebste sowie seine Kollegen erfuhren von Michaels Problem im Frühjahr 2017, als er in der Arbeit einen Nervenzusammenbruch hatte. „Das war der Tiefpunkt meines Lebens – aber auch der Start in ein neues, viel schöneres Leben.“ Psychiatrie, Reha, Psychotherapie: Der Weg war lang und hart. „Aber durch eine Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker habe ich gesehen: Es gibt einen Weg aus der Sucht.“
Selbsthilfegruppe Anonyme Alkoholiker in Plankstetten
Und genau deshalb will er seine Erfahrungen in einer neuen Selbsthilfegruppe mit anderen teilen. Ab Mittwoch, 6. Mai, findet wöchentlich (siehe blauer Kasten) ein Treffen der Anonymen Alkoholiker im Kloster Plankstetten statt. Unter der Leitung von Michael A. können sich Betroffene (auch anderer Süchte) dort kostenlos austauschen. Einzige Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer mit dem Trinken aufhören wollen oder dauerhaft nüchtern bleiben wollen – so wie Michael A. selbst.
Seit fast neuen Jahren lebt er mittlerweile abstinent. Er hat Methoden (unter anderem Beten und Meditieren) gefunden, mit seiner Krankheit umzugehen. „Ein Alkoholregal im Supermarkt hat für mich mittlerweile jede Anziehungskraft verloren. Es ist so, als würde ich an einem Regal mit Tierfutter vorbeigehen“, sagt Michael A., der mit seiner Frau nun zwei Kinder hat und glücklich in seinem gelernten Beruf arbeitet.
Anlaufstellen für Suchtkranke im Landkreis Neumarkt
• Suchtberatung: Unter anderem die Diakonie NAH bietet in Neumarkt eine Suchtberatung an. Ebenso können sich Betroffene an das Landratsamt Neumarkt wenden, wenn sie Fragen über Prävention und Suchtberatung haben. Die Kontaktdaten sind auf der Homepage des Landkreises Neumarkt zu finden.
• Selbsthilfegruppen: Neben den beratenden Stellen gibt es auch zahlreiche Selbsthilfegruppen für Suchtkranke, aber auch für deren Angehörige und Freunde, etwa Al-Anon. Diese Gruppe trifft sich wie die Anonymen Alkoholiker und der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe im Bürgerzentrum in Pölling.
• Anlaufstelle: In Plankstetten gibt es ab Mittwoch, 6. Mai, eine Selbsthilfegruppe für Suchtkranke im Kloster. Die Anonymen Alkoholiker treffen sich jeden Mittwoch von 19 bis 20 Uhr. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Zugang erfolgt über die Rezeption. Weitere Infos per Mail unter aa.plankstetten@gmail.com.