Zahlen zum Alkoholkonsum in der Gesellschaft: Wer trinkt mehr, wer weniger?

Von Niklas Schneider · 9. Januar 2026 um 22:00

Deutschland trinkt immer weniger Alkohol, zählt aber mit zehn Litern pro Kopf und Jahr nach wie vor zu den weltweiten Spitzenreitern. Während der Konsum bei manchen Bevölkerungsgruppen drastisch gesunken ist, greifen andere sogar häufiger zum Glas.

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Wir müssen von dieser Vorstellung weg, dass ein bisschen Alkohol okay ist“, appelliert Dr. Jörg Wolstein, Professor für Pathopsychologie an der Universität Bamberg sowie wissenschaftlicher Leiter von „HaLT-in-Bayern“, einem Programm der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen zur Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen.

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Denn die seit jeher als risikoarm eingestuften Grenzwerte von 12 Gramm (Frauen) und 24 Gramm (Männer) reinem Alkohol pro Tag basieren auf alten Empfehlungen; inzwischen betont zum Beispiel das Wissenschaftliche Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), dass Alkohol bereits ab dem ersten Tropfen schädlich sei, zum Beispiel, weil er krebserregend ist und abhängig macht. Einer Untersuchung aus dem Jahr 2024 zufolge sind gut vier Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren alkoholabhängig. „Dieser Wert hat sich über die Jahre nicht so sehr verändert“, ergänzt Wolstein.

Trends können einen Denkprozess anstoßen

Kampagnen wie der „Dry January“ stiften daher willkommene Zuversicht – zumindest auf den ersten Blick. In seiner heutigen Form Mitte der 2010er Jahre entstanden, verbreitet sich dieser Trend aus Großbritannien seitdem primär über soziale Medien in anderen Ländern Westeuropas. Ganz der Übersetzung „trockener Januar“ entsprechend, besteht die Idee darin, den feuchtfröhlichen Festtagen einen Monat vollständiger Alkoholabstinenz zum Jahresbeginn folgen zu lassen.

„Wenn man wenig bis mäßig viel trinkt und sich vorgenommen hat, ganz aufzuhören, dann ist das eine gute Gelegenheit“, findet Professor Wolstein. Erst recht, wenn dadurch ein Denkprozess angestoßen wird. „Gerade Leute, denen es schwerfällt, darüber nachzudenken, haben einen guten Grund, darüber nachzudenken.“ Bei größeren Schwierigkeiten sollte aber auf jeden Fall eine professionelle Therapie erstes Mittel der Wahl sein.

Abstand zwischen Männern und Frauen schrumpft zunehmend

Laut Untersuchungen aus dem Vereinigten Königreich zum „Dry January“ gibt es zwar Anzeichen für positive Langzeiteffekte, die jedoch vor dem Hintergrund der teilnehmenden Personen betrachtet werden müssen. „Das ist eine ganz bestimmte, nämlich moderat trinkende Zielgruppe. Und ich weiß ja nicht, ob da ohnehin eher die Motivierten mitmachen“, ordnet Jörg Wolstein ein. Deutlich umfassender sind hingegen die Zahlen zum Alkoholkonsum der Bundesrepublik. So gaben bei einer repräsentativen Befragung etwa 68 Prozent aller Erwachsenen bis 64 Jahre an, in den letzten 30 Tagen Alkohol zu sich genommen zu haben.

Dabei schrumpft der Abstand zwischen Männern und Frauen zunehmend. „Im mittleren Erwachsenenalter ist es tatsächlich so, dass Frauen mehr trinken als früher“, berichtet Jörg Wolstein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Unter anderem findet auch in diesem Bereich eine Art Emanzipation statt. „Es gibt eine Konvergenz der Geschlechter. Das Verhalten gleicht sich an“, so der Professor. „Bei Zigaretten wissen wir das schon lange. Lungenkrebs hat bei Frauen in den letzten 20 Jahren zugenommen, weil sie mehr rauchen als zuvor.“

Jugendliche als neue Vorbilder für Erwachsene

Insgesamt ist der Alkoholkonsum hierzulande aber rückläufig. Bei einer Bevölkerungsgruppe fällt das besonders auf. Jugendliche sind die neuen Vorbilder, wenn es um Alkohol geht. „Ihr Konsum hat sich während der Coronapandemie halbiert, weil sie nur selten allein trinken“, erläutert Jörg Wolstein. „Überraschenderweise sind die Zahlen danach nicht mehr deutlich angestiegen.“ Das betreffe sowohl die Zahl der Einweisungen infolge von Rauschtrinken, als auch, etwas weniger ausprägt, den allgemeinen Konsum.

„Selbst bei HaLT, wo wir ohnehin schon mit Jugendlichen arbeiten, die eventuell Probleme haben, hat es deutlich abgenommen“, bekräftigt Wolstein. „Eine Herausforderung, um die wir uns kümmern müssen, bleibt der Alkohol trotzdem.“ Interessant: Vor allem Jugendliche, die sich fürs Klima engagieren, trinken wenig. „Wenn man sich um die Gesundheit des Planeten sorgt, macht man sich auch eher Sorgen um die eigene“, liefert Professor Wolstein einen Erklärungsansatz.

Dr. Jörg Wolstein ist Professor für Pathopsychologie und forscht unter anderem zu den Auswirkungen von Alkohol im Jugendalter. - Foto: Uni Bamberg