Zu viele Trinker: Alkohol ist bei der Suchtberatung Neumarkt das größte Problem

„So kann es nicht weitergehen“: So oder ähnlich äußern sich viele Klientinnen und Klienten, die Unterstützung bei der Suchtberatung der Diakonie in Neumarkt suchen. Der Suchtberatung sind daher vor allem zwei Sachen wichtig: über das Thema aufzuklären und Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen.
„Abhängigkeit ist ein Thema, das zahlreiche Menschen direkt oder indi-rekt betrifft. Etwa zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland laut Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen unter einer Abhängigkeitserkrankung,“ sagt Nadine Braun von der Suchtberatung Neumarkt.
Abhängigkeit entwickelt sich über längeren Zeitraum
Doch woran erkannt man überhaupt eine Abhängigkeit? „Häufig entwickelt sich die Erkrankung schleichend und über einen längeren Zeitraum hinweg“, so Braun: „Nach und nach wird das Verlangen nach einer Substanz oder einem bestimmten Verhalten immer stärker und bestimmt zunehmend das Leben.“ Wichtige Beziehungen, Aufgaben oder Interessen würden immer mehr in den Hintergrund treten und würden vernachlässigt.
Betroffene verlieren häufig die Kontrolle, können nicht mehr steuern, wann oder wie viel sie konsumieren und konsumieren auch dann weiter, wenn negative Folgen eintreten oder drohen. Dabei kann sich laut Braun eine Abhängigkeitserkrankung entweder auf bestimmte Substanzen wie Alkohol oder Drogen beziehen, aber auch auf ein Verhalten wie etwa Glücksspiel oder die Nutzung von sozialen Medien oder Internet.
60 Prozent der Ratsuchenden trinken zu viel
In der Beratungsstelle in Neumarkt liegt der Schwerpunkt der Beratungen auf dem Thema Alkohol – im Jahr 2025 waren etwa 60 Prozent der Ratsuchenden wegen einem Alkoholproblems in Beratung. Alkoholabhängigkeit war entweder die alleinige Diagnose oder spielte neben anderen Substanzen wie beispielsweise Cannabis eine Rolle.
Aber auch die Angehörigenarbeit hat laut Braun einen hohen Stellenwert in der Arbeit. „Häufig leidet das Umfeld meist ebenso stark oder sogar stärker unter dem Konsum wie die Betroffenen.“ Daher sei es wichtig, auch für Angehörige – beispielsweise Eltern oder Partnerinnen und Partner – ein entsprechendes Angebot vorzuhalten.
Dabei orientieren sich die Berater zunächst an den Anliegen und Zielen der ratsuchenden Menschen. „Wir arbeiten zieloffen. Manche wünschen sich eine Unterstützung dabei, den Konsum ganz einzustellen. Andere möchten den Konsum reduzieren oder weniger schädlich konsumieren.“ Häufig gehe es auch darum, über Hilfsangebote wie etwa Entgiftungsmöglichkeiten in der Region oder ambulante und stationäre Therapieformen zu informieren. Hier sieht sich die Suchtberatung als Schnittstelle zu anderen Institutionen.
Grundsätzlich lohne es sich immer, den eigenen Konsum oder das eigene Verhalten zu hinterfragen. „Für manche Menschen ist auch die anstehende Fastenzeit Anlass, Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen.“ Wer feststelle, dass ihm eine Veränderung schwer falle, sei bei der Suchtberatung an der richtigen Stelle.
Die Beratung findet nach Terminabsprache meist persönlich statt, ist aber auch telefonisch möglich. Außerdem bietet die Suchtberatung unter www.suchtberatung.digital ein Angebot für Menschen, die gern online beraten werden möchten. „Wer will, kann komplett anonym beraten werden“, so Braun.
Sucht bei Kindern
• Alkohol: Die Zahl von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, sinkt – im Jahr 2024 waren es drei, wie Kliniksprecher Oliver Schwindl auf Nachfrage sagt. Insgesamt gab es im Jahr 2024 157 Menschen allen Alters, die eine Alkoholvergiftung hatten – „in der Spitze hatten wir 315“. Bei Kindern und Jugendlichen bewege sich die Zahl seit vielen Jahren im einstelligen Bereich und gehe drastisch zurück, so Schwindl.
• Abhängigkeit: Jedoch bedeutet das nach Ansicht von Experten nicht, dass es keine großen Probleme gibt – vor allem hinsichtlich anderer Suchtgefahren. Psychologen und Menschen in der Jugendarbeit fordern daher schon lange eine Suchtberatungsstelle für Jugendliche in Neumarkt, ein Vorhaben das über viele Jahre immer wieder hinten angestellt worden sei.