Alkohol, Cannabis & Co.: Wie Neumarkt Jugendliche über Sucht und Prävention informiert

Wie wirken Alkohol und Mischkonsum wirklich auf Jugendliche? Leon und Charlotte testen es live auf der Suchtmeile im Neuen Markt in Neumarkt.
„Da hat man keine Lust mehr zu laufen“, stellte der vierzehnjährige Leon fest, als er mit einer Brille, die Alkoholkonsum in der Nacht simuliert, den Parcours des Gesundheitsamtes absolvierte. Dieser war Bestandteil der Suchtmeile am Neuen Markt.
Unter dem Motto „Hinschauen statt Wegsehen“ wurde an sechs Infoständen nicht nur praxisnah vermittelt, welche Auswirkungen Alkoholkonsum haben kann, sondern auch die Arbeit und das Angebot für Betroffene sowie deren Angehörige vorgestellt.
PSAG Neumarkt organisiert die Suchtmeile im Neuen Markt
Doch zurück zu Leon: Nicht nur das Laufen auf dem Parcours war eine Herausforderung, auch konnte er nicht mehr abschätzen, in welchem Abstand die Hütchen für den Slalom aufgestellt waren. Auch seine elfjährige Schwester Charlotte, die mit einer Brille zum Genuss von Alkopops ausgestattet wurde, bezeichnete die Situation als „komisch“.
Durchgeführt wurde die Veranstaltung vom Suchtarbeitskreis der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Neumarkt. Dabei war auch Susanne Schmid, Trainerin in der Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumierenden (FreD) von der Psychologischen Beratungsstelle der Caritas für Eltern, Kinder und Jugendliche in Neumarkt. „Wir sehen die Auswirkungen in den Familien, in den Schulen und am Arbeitsplatz“, sagt Schmid.
Neues Beratungsprogramm für Jugendliche
Besonders alarmierend sei der zunehmende Mischkonsum von Alkohol, Cannabis und chemischen Drogen bei Jugendlichen – oft unterschätzt, manchmal sogar verharmlost. Gerade das Programm FreD, das es zwar europaweit schon gebe, jetzt aber erst in Neumarkt, sei eine Anlaufstelle für Jugendliche unter 18 Jahren „auf Augenhöhe“. Fachkräfte der örtlichen Beratungsstellen wie der Suchtberatung der Diakonie NAH, der Psychologischen Beratungsstelle der Caritas für Eltern, Kinder und Jugendliche, das Gesundheitsamt, die Streetworkerinnen, die FreD-Trainerin, der Freundeskreis sowie die Anonymen Alkoholiker waren vor Ort und standen zum Gespräch zur Verfügung.
Sie sind davon überzeugt: „Sucht betrifft uns alle – doch gemeinsam lassen sich Wege finden, um vorzubeugen, zu helfen und Hoffnung zu geben.“ Die Infostände wurden von Eltern wie Jugendlichen gleichermaßen besucht; vor allem die Erwachsenen nutzten die Flyer, um sich umfassend zu informieren.