„Die Blaue Couch“ im Radio: Neumarkter Rechtsanwalt nimmt auf brisantem Möbel Platz

Unser Kolumnist Geedo Paprotta ist am Dienstag, 18. November, im Radio auf Bayern 1 zu hören. Der Neumarkter Rechtsanwalt nimmt auf der „Blauen Couch“ zum Interview mit Thorsten Otto Platz. Zu sehen ist das Sitzmöbel dann also nicht. Doch um Fotos von einer blauen Couch, ging es auch schon vor Gericht.
Am Dienstagabend, 18. November, sitze ich auf der „Blauen Couch“. Sie heben gerade verwundert die Augenbrauen und denken sich: „Wen interessiert‘s? Ich liege abends auf der weißen Couch, schaue fern und esse Pizza.“ Ein gravierender Unterschied besteht allerdings darin, dass ich nicht allein bin. Thorsten Otto sitzt daneben, Sie wissen schon, der Moderator von „Die Blaue Couch“ auf Bayern 1. Ich befürchte, er hat keine Pizza dabei, ziemlich sicher aber ein Mikrofon.
Das wird er mir ins Gesicht halten und mir Fragen zu meiner Kolumne „Paprottas Paragrafen“ stellen. Auch zu meinem Buch „300 Urteile über Deutschland – Vom alltäglichen Wahnsinn in deutschen Gerichten“. Sicher wird er nachfragen, was Anwälte so treiben, wenn sie sich nicht gerade streiten.
Die blaue Couch und ihre Farbspiele
Apropos Couch: Das Oberlandesgericht in Köln wurde klageweise genötigt, die Frage zu beantworten, ob so eine „blaue Couch“ in Wahrheit nicht einfach nur eine rote Couch, quasi in grün, ist? Hinter diesem verwirrend farbenfrohen Couchgeflüster steckte der Fotokünstler Horst Wackerbarth. Jahrelang hatte der eine rote Couch an extrem ungewöhnlichen Orten platziert – auf Autobahnen zum Beispiel, in der Wüste oder auf Hochhausdächern.
Darauf hat er alle möglichen Leute gesetzt. Anders als Thorsten Otto aber hat er sie nicht interviewt, sondern nur fotografiert. Die Stadtwerke Bonn fanden das großartig, haben allerdings nicht etwa seine beeindruckenden Bilder gekauft, sondern einfach eine blaue Couch genommen, selbige ebenfalls an ungewöhnlichen Orten (in Bonn) drapiert und irgendwelche Leute draufgesetzt. Das Ergebnis erschien als Werbekampagne auf riesigen Plakatwänden in unserer Ex-Hauptstadt.
Fotokünstler sieht seine Idee geklaut
„Moment mal“, begehrte der Künstler auf. Eine Couch als Bühne des Menschseins, das sei doch wohl seine Idee! Geklaut! Doch die rote Couch scheiterte im Feldzug gegen ihre blaue Raubkopie an schwarzen Roben – sowohl das Landgericht als auch das Oberlandesgericht Köln wiesen die Klage auf Unterlassung des faulen Couchzaubers nebst Schadenersatz ab.
Warum? Es gebe kein „Ideenmonopol“ darauf, eine Wohnzimmercouch an ungewöhnlichen Orten aufzustellen und es sei auch nicht unüblich in der Kunstszene, dass originelle Ideen abgekupfert werden. Ich muss Thorsten Otto mal fragen, wie er eigentlich auf seine blaue Couch gekommen ist? Die blaue Couch in Bonn durfte jedenfalls bleiben. (Az. 6 U 140/11). Ebenso hartnäckig wie Thorsten Otto bei seinen Gästen nachfragt, kämpfte auch der Sofakünstler um die Exklusivrechte an seiner Idee. Die Stadtwerke Bonn waren nach ihrem Couchjustizerfolg nämlich geradezu übermütig geworden.
Die Sau auf der Couch – das war zu viel
„Die Sau muss von der Couch!“, so ähnlich forderte der Künstler Wackerbarth deshalb verzweifelt die Richter am Landgericht erneut auf. Die Stadtwerke hatten eine neue Plakatkampagne gestartet, auf der ein Borstenvieh sich auf der bereits hinlänglich bekannten blauen Couch räkelte und Neujahrsgrüße hinausgrunzte.
Einen verblüffend ähnlichen Schnappschuss von einem Rüsseltier hatte auch Wackerbarth einmal auf seiner roten Couch gemacht. Und dieses Mal folgten ihm die Richter: „Sau auf Couch“ – das erreiche, so das Gericht ehrfürchtig, „die Schöpfungshöhe eines Lichtbildwerks“. Echte Kunst also und damit urheberrechtlich vor Nachahmung geschützt (Az. 14 O 613/12).
Anders als Wackerbarth das Schwein, wird Thorsten Otto mich hoffentlich erst dann von seiner Couch schubsen, wenn ich auch seine letzte Frage beantwortet habe. Am Dienstag, den 18. November, ab 19 Uhr auf Bayern 1.