Wilder Wein für die Klostergasse: Stadt Neumarkt startet mit einem Pilotprojekt

Von Eva Gaupp · 4. Mai 2026 um 15:00

Am Rathaus II wird es bald grün. Und wild. Zumindest ein bisschen. Denn dort soll künftig Wilder Wein an der Fassade emporwachsen. Das Pilotprojekt der Stadt Neumarkt steht zum einen im Zusammenhang mit einer Aufwertung der Klostergasse und soll zum anderen Bürgern zeigen, wie Fassadenbegrünung unkompliziert gelingen kann.

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Nachdem die Stadt Neumarkt ein Förderprogramm für mehr Grün in der Stadt aufgelegt hat, „will sie mit gutem Beispiel vorangehen“, erklärt Lutz Worthmann vom Umweltamt. Vor einigen Monaten hatte Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn das Bild einer „Realutopie“ für die Stadt präsentiert, auf der sehr viel mehr Grün zu sehen war als jetzt.

Mit den mobilen Pflanztrögen und den Rasenflächen in der Marktstraße hat die Verwaltung bereits einen ersten Schritt gemacht. Die Fassadenbegrünung des Rathauses II an der Ecke Marktstraße/Klostergasse ist der nächste. Auch wenn es eine Idee ist, die angesichts von Klimawandel und Klimaanpassung häufig diskutiert wird – ganz so einfach ist die Umsetzung mitten in der Stadt nicht, wie Worthmann erklärt.

Neumarkter Bauhof hat zwei Meter lange Pflanzen beschafft

Zuerst gilt es, das passende Gebäude zu finden: Das Rathaus II befindet sich im Besitz der Stadt, es gibt nicht zu viele Schilder, Beschriftungen und Einbauten, die das Pflanzenwachstum stören. Trotzdem muss die Pflanze in der Lage sein, etwa sieben Meter hoch zu klettern. „Eine Clematis scheidet deshalb beispielsweise aus, sie hat eine zu geringe Wuchshöhe.“ Giftige Pflanzen kämen ebenfalls nicht infrage. Zudem wollte die Stadt eine Kletterpflanze, die schnell wächst. Deshalb fiel die Wahl auf den recht unkomplizierten Wilden Wein.

Der Bauhof habe die erforderlichen Pflanzen bereits besorgt. „Sie messen schon gut zwei Meter, so wird das Grün für die Bürger bald erlebbar“, sagt Lutz Worthmann. Damit dieser mit seinen sogenannten Haftscheiben sich nicht an der Fassade festhält, sondern gezielt an den ausgewählten Stellen emporklettert, hat sich die Stadt für eine Sorte entschieden, die sich mit Winden an gespannten Seilen entlanghangelt. Die werden zunächst nur vertikal mit Hilfe von Ankern an vier Stellen der Fassade befestigt.

Am Rathaus II soll der Wein erst einmal nur in die Höhe wachsen, Querverbindungen wie auf diesem Bild sind vorerst nicht vorgesehen. sind vorerst nicht geplant. Im Herbst färben sich die Blätter tiefrot. - Foto: Waltraud Grubitzsch, dpa

„Querverbindungen sind erst mal nicht vorgesehen“, sagt Worthmann und zeigt die vier Stellen zwischen den Lichtschächten, an denen der Bodenbelag ähnlich wie beim Setzen von Stadtbäumen geöffnet wird, um den Wein zu pflanzen. Unsichtbare Unterflurkonstruktionen werden dafür sorgen, dass es zwischen dem weichen Pflanzsubstrat und der übrigen verdichteten Klostergasse nicht zu Verschiebungen kommt. „Die Gasse soll ja auch künftig schwere Fahrzeuge aushalten.“ Darüber hinaus ist vorgesehen, zwischen den Lichtschächten unter den Fensteröffnungen Stauden zu setzen.

Denkmalbehörden haben der Stadt Neumarkt grünes Licht gegeben

Weil überall im Untergrund der Altstadt historische Spuren zu finden sind, musste die Stadt im Vorfeld die Genehmigung der Denkmalbehörden einholen – auch wenn für den Wein nur rund 80 Zentimeter tief gegraben werden muss. Auch der Brandschutz muss bei der Fassadenbegrünung beachtet werden, führt Worthmann weiter aus: Das sei jedoch bei einer lebenden Pflanze kein Problem.

Es gibt zwei wichtige Gründe, weshalb die Stadt Neumarkt bei ihrem Klimaanpassungsmanager Philip Köhler das Förderprogramm für mehr Grün in Auftrag gegeben hat: Erstens trägt jeder Baum, jeder Strauch und jede Grünfläche dazu bei, CO2 zu speichern, die Luftfeuchtigkeit zu verbessern und an heißen Tagen die Temperatur zu senken.

In Neumarkt klettert der Wilde Wein nicht direkt an der Hauswand empor, sondern an Seilen. - Foto: Andrea Warnecke, dpa

Zweitens profitieren von einer Fassadenbegrünung ganz direkt auch die Bewohner. „Die Kletterpflanzen wirken wie eine Klimaanlage“, sagt Lutz Worthmann. Das Sonnenlicht treffe nicht überall auf die Hauswand und könne das Haus nicht so sehr aufheizen. Immergrüne Pflanzen wie Efeu wirkten im Winter zudem wie eine Dämmung.

Wann der Wilde Wein in die Klostergasse zieht, steht noch nicht genau fest. Der Zeitpunkt soll darauf abgestimmt werden, wann die mobilen Pflanztröge, die Rasenfläche und die auf den Boden gemalten Kinderspiele realisiert werden. „Aber das kommt schon in den nächsten Wochen“, verspricht Lutz Worthmann.