Stadt Neumarkt präsentiert KI-generierte Animation einer veränderten Marktstraße

Von Wolfgang Endlein · 11. September 2025 um 15:15

Es ist wie ein Bild in einem Wimmelbuch für Kinder: Es gibt viel zu entdecken in dem KI-generierten Bild von der Marktstraße, das die Stadt Neumarkt zum Auftakt der Nachhaltigkeitswochen als Realutopie präsentiert hat. Eins zu eins wird die Marktstraße sicher nie so aussehen – und doch erhofft sich die Stadt von der Animation wichtige Impulse für die eigene, nachhaltige Entwicklung.

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Im Laufe eines Lebens lernt man: Vorstellen kann man sich Vieles, aber umsetzbar ist nur ein Bruchteil. Das sollte einem aber nicht davon abhalten, die Vorstellungskraft zu nutzen. Es gehe darum, das eigene Denken zu weiten und Potenziale zu sehen, erklärte Ralf Mützel vom Amt für Nachhaltigkeit bei der Präsentation am Mittwoch im Bürgerzentrum in Pölling.

Die Stadt Neumarkt hat deswegen auf Basis von Ideen von Bürgern und mit Hilfe von Experten sowie KI eine bildgewordene Realutopie entworfen. Der Unterschied zur reinen Utopie: Es sind reale Ansätze beinhaltet, die es heute zum Teil schon gibt.

Das sieht man dem Bild auf den ersten Blick nicht unbedingt an: Es ist ziemlich voll in der Marktstraße. Kleine rote E-Busse fahren durch. Keine Autos. Es sind auch keine Parkplätze zu sehen. Vielmehr laufen viele Menschen dort kreuz und quer, wo bislang vor allem der motorisierte Verkehr dominiert. Sogar ein Rollstuhlfahrer fährt dort, wo Kopfsteinpflaster das bislang verhindert.

Wunsch nach mehr Grün und Schatten in Neumarkts Marktstraße

Statt Grau nimmt die Farbe Grün viel Raum ein. In Form von Bäumen, Grünflächen, einem begrünten Kreisverkehr und mit Pflanzen behangenen Fassaden. Auf den Dächern sind PV-Anlagen. Ein großes Schachbrett steht vor dem Rathaus, daneben spielt jemand auf einem Piano. Aus einem Brunnen sprudeln Wasserfontänen. Sonnensegel spenden Schatten über Bänken. Überhaupt sind viele Sitzgelegenheiten zu sehen. Schilder an Gebäuden weisen auf einen Hochschul-Club, ein Zukunftshaus, ein Gründerzentrum und einen „sozialen Tisch“ hin.

„Nicht alles kann oder soll eins zu eins umgesetzt werden“, betont Mützel. Das Bild vereinfache die Komplexität der Herausforderungen zum Teil und werde daher der Realität nicht vollkommen gerecht. Beispielsweise blende es Eigentumsverhältnisse aus und die sich auf Feldern sehr nahe der Stadt drehenden Windräder, würden dort wohl niemals entstehen können.

Dennoch: Vieles in der Grafik ist nicht so weit von den Ansätzen entfernt, die bereits in Neumarkt zu sehen sind. Man denke nur an den begehbaren Brunnen, der im Sommer vor dem Rathaus stand. Oder die mobilen Pflanztröge, die Rasenflächen und Sonnensegel in der Marktstraße. Das Feedback dafür ist mehrheitlich positiv.

Neumarkt erarbeitet eine neue Nachhaltigkeitsstrategie für die kommenden Jahre

Der Wunsch nach mehr Grün, Schatten, Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und nachhaltiger Mobilität drückt sich auch in der Animation aus, die auf den Anregungen von Neumarktern in einem Workshop im Herbst 2024 basiert.

Zustimmung für die Ausrichtung der Realutopie gab es ebenso in einer Feedback-Runde im Anschluss an die Präsentation. Neben weiteren Vorschlägen und Lob kam jedoch auch Kritik, die aber meist indirekte Zustimmung war. Denn die Kritiker forderten zumeist, noch mutiger zu sein in den einzelnen Maßnahmen. Mützel betonte, dass der Denkprozess, der durch die Animation angestoßen werden solle, sich nicht auf die Marktstraße beschränke. Es solle für ganz Neumarkt gedacht werden. Das gesammelte Feedback will die Stadt aufbereiten.

Die Realutopie als Video ist nur ein kleiner Stein im großen Mosaik, das die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt ist. Im Herbst stellt Mützel dem Stadtrat eine Bilanz des in den vergangenen Jahren Erreichten vor. Zudem arbeitet die Verwaltung an einer neuen Strategie für die kommenden Jahre.