Bundesweit einzigartig: Neumarkt will Bauern für nachhaltiges Wirtschaften Geld bezahlen

Von Dagmar Fuhrmann · 17. November 2024 um 11:00

Die Stadt Neumarkt ist deutschlandweit die erste Gemeinde, die Landwirten nachhaltiges Wirtschaften honorieren will. Was hat es mit diesem Pilotprojekt auf sich?

Das erfuhren interessierte Landwirte in der neuen Hochschule. Begleitet wird das Projekt von Professor Jan Niessen, Dozent für den Studiengang Management in der Ökobranche.

Noch befindet sich das Projekt im Aufbau. Ralf Mützel, Leiter des Neumarkter Amts für Nachhaltigkeit, sagte, man habe sich Gedanken gemacht, den Anspruch der Nachhaltigkeit nicht nur auf bebaute Flächen zu beschränken, sondern auch auf landwirtschaftliche Flächen und Landwirte darin zu stärken. „Die Stadt Neumarkt ist bereit, hierfür als Keimzelle zu dienen“, sagte Mützel. Landwirte, die ihren Betrieb innerhalb der Gemarkung Neumarkt haben, wird nun ein Angebot gemacht, mit dem Ziel, die Leistungen am Ende zu honorieren.

Am Anfang steht die Erfassung des Nachhaltigkeitsgrades eines Betriebes. Spezialist hierfür ist Christian Hiß, er ist Geschäftsführer der Regionalwert Leistungen GmbH. „Wir bewerten die nachhaltige Leistung statt der Wirkung“, sagte er. Denn es sei unmöglich, den Wert eines Rotkehlchens oder eines Schmetterlings zu bemessen. Landwirte, die am Pilot teilnehmen wollen, müssen die Daten ihres Betriebs online erfassen. Die Stadt Neumarkt übernimmt die Kosten von 300 Euro, die die Teilnahme kosten würde.

Woher kommt das Geld für das Projekt?

Im nächsten Schritt soll geklärt werden, woher die Vergütung der Leistungen kommen soll. Infrage kommen laut Hiß der Einsatz von öffentlichen und privatwirtschaftlichen Mittel und letztlich eine eventuelle Umverteilung der Agrar-Subventionen. Um diese Fragen zu klären, wird es in den nächsten Monaten Workshops geben.

Eine Vorreiterrolle in der Vergütung von nachhaltigem Wirtschaften hat die Neumarkter Lammsbräu seit einigen Jahren inne. Sie arbeitet mit dem Bewertungstool der Regionalwert Leistungen GmbH. Geschäftsführer Johannes Ehrnsperger berichtete von seiner Motivation und seinen Erfahrungen. Es reiche nicht aus, die nachhaltigen Leistungen der Landwirte für eine enkeltaugliche Welt mit einem Schulterklopfen zu belohne, sondern es gehe auch um Geld.

Landwirte, die durch ihre Leistungen das Grundwasser schützen, ersparten alleine im Landkreis Neumarkt 8,71 Millionen Euro Kosten für Wasseraufbereitung.

Die 180 Landwirte, die die Lammsbräu beliefern, beteiligen sich an Bodenprojekten. Sie müssen zwei Voraussetzungen erfüllen: Der Boden muss das ganze Jahr grün sein und er muss die maximale Vielfalt und Biodiversität aufweisen.

Neumarkt als Hotspot für die Entlohnung von Nachhaltigkeit

Gemeinsam habe man in Workshops einen Weg gefunden, einerseits Anreize für Landwirte zum nachhaltigen Handeln zu schaffen, andererseits aber das Unternehmen nicht zu überfordern. Durch dieses Vorgehen würden kleinbäuerliche Betriebe gestärkt. „Es wäre toll, wenn Neumarkt ein Hotspot der Entlohnung von Nachhaltigkeit wird.“

Die anschließende Fragerunde ergab, dass es noch „keine perfekten Antworten gibt, wir wollen ein Pionierprojekt machen“, sagte Professor Niessen. Derzeit beschränkt sich das Projekt auf das Stadtgebiet Neumarkt. Interessierte Landwirte wenden sich an das Ralf Mützel vom Amt für Nachhaltigkeit bei der Stadt, Telefon (0 91 81) 255-26 08, Mail an ralf.muetzel@neumarkt.de.

Johannes Ernsperger, Ralf Mützel und Jan Niessen (v.l.) besprechen mit Eric Waibel und Christian Hiß von der Regionalwert Leistungen Einzelheiten des Projekts. Foto: Dagmar Fuhrmann