Neumarkter Lammsbräu will kleine Höfe besser fördern – Wird das Bier jetzt teurer?

Von Peter Romir · 7. Juli 2024 um 15:00

Wenn ein Landwirt sich besonders für die Umwelt einsetzt, etwa indem er Ackerwildkräuter stehen lässt, tat er das bisher meist auf eigene Kosten. Die Lammsbräu will das ändern – und startet ein neuartiges Bezahlungsmodell, das Nachhaltigkeit belohnen soll.

Die über 180 Landwirte in der Region, welche die Brauerei mit Rohstoffen wie Hopfen oder Zuckerrüben versorgen, können sich deshalb ab dem nächsten Jahr über ein zusätzliches Einkommen freuen: Ein Prozent ihres jährlichen Umsatzes (zuletzt 31,7 Millionen Euro) will die Lammsbräu zukünftig an besonders nachhaltig arbeitende Höfe ausschütten: „Wir sind damit das erste Unternehmen in Deutschland, das solche Leistungen nicht nur mit einem Schulterklopfen, sondern auch mit Geld belohnt“, sagt Lammsbräu-Inhaber Johannes Ehrnsperger.

Der Wert einer Hecke

Dabei will die Brauerei nicht pauschal vorgehen, sondern ganz individuelle Leistungen honorieren. Doch wie misst man Nachhaltigkeit? Welchen Geldwert haben eine Hecke am Ackerrand oder ein Abschnitt mit Wildkräutern? Um diese Frage zu beantworten, greift die Brauerei auf das System „Regionalwert“ zurück, das der Freiburger Biobauer Christian Hiss entwickelt hat. Dabei werden über 500 Kennzeichen für nachhaltige Landwirtschaft verarbeitet und zu einer Gesamtwertung zusammengefasst.

Online-Test zur Nachhaltigkeit

In der Praxis bedeutet das, dass die Landwirte ein umfangreiches Online-Formular ausfüllen müssen, damit der Nachhaltigkeits-Wert berechnet werden kann. „Das erste mal hat es schon etwas gedauert – aber die meisten Zahlen hat man ohnehin parat“, erinnert sich Karl Stephan von der Erzeugergemeinschaft Ökologische Braustoffe (EZÖB), in der die Lammsbräu-Zulieferer zusammengeschlossen sind. Sein Biohof war einer von 27 Betrieben, die das System zwei Jahre lang testeten. Sein Fazit fällt uneingeschränkt positiv aus: „Dadurch werden Dinge entlohnt, die bisher von der Allgemeinheit nicht beachtet wurden.“ Auch ihm selbst wurde durch die Auflistung erst in aller Deutlichkeit klar „was ich alles leiste – und was es wert ist.“

Kleine Bauernhöfe besser fördern

Ein weiterer zentraler Punkt war für ihn als Vorsitzenden der EZÖB, dass die kleinen Betriebe, die nur geringe Mengen, aber gute Qualität liefern, keine Nachteile haben. Auch hier habe sich das Bewertungssystem bewährt: Gerade für die kleinen Anbieter habe es zum Teil eine Verdoppelung des Rohstoff-Preises gegeben, freut sich Stephan. Wer seinen Nachhaltigkeitswert steigert, soll in Zukunft weitere Boni bekommen. Einen finanziellen Nachteil hat dagegen keiner der beteiligten Landwirte: Die Nachhaltigkeits-Prämie kommt zusätzlich zum normalen Warenpreis hinzu. Strafen für schlechtes Ranking gibt es nicht.

Steigt der Bierpreis in Neumarkt?

Doch was bedeutet es für die Kunden, wenn Lammsbräu künftig seinen Zulieferern mehr zahlt? Wird das Bier demnächst teurer werden? „Wir werden es nicht an die Kunden weitergeben, sondern das erst mal selber schlucken“, sagt Ehrnsperger. Damit sieht er sich durchaus in der Tradition seiner Familie, die bereits in den 80er Jahren zu den Pionieren des ökologischen Anbaus gehörte: „So eine Umstellung ist immer mit Risiko verbunden. Aber ich bin der festen Überzeugung, das wir mit den Methoden, die uns als Gesellschaft in die ganzen Krisen hineinmanövriert haben, nicht wieder herauskommen.“

Vom Acker bis ins Glas

Stattdessen setzt er darauf, dass die Menschen zunehmend ein Bewusstsein für den „wahren Wert“ von Lebensmitteln entwickeln. Er hofft auf eine „Wertschätzungsgemeinschaft vom Acker bis zum Glas“, bei der sich allmählich ein Bewusstsein herausbildet, dass nachhaltige Produkte auch einen Mehrwert haben und dass die Menschen in Zukunft deshalb auch bereit sein werden, angemessene Preise dafür zu zahlen: „Jeder kann tagtäglich an der Kasse eine Wahl treffen, wie die Welt sein soll.“