Biogas im Landkreis Schwandorf: Wie geht es für die Betriebe weiter?

Von Vanessa Ebert · 4. Mai 2026 um 05:00

Aktuell investiert Josef Hammer aus Wiefelsdorf im Landkreis Schwandorf kräftig in seine Biogasanlage. Leistungsoptimiert und noch flexibler soll diese werden. Dabei stand vor rund einem Jahr wegen ungewissen staatlichen Förderungen noch infrage, ob der Betrieb eine Zukunft hat. Ähnlich wie dem Landwirt damals geht es heute vielen seiner Kollegen.

Video ansehen

Aufhören oder Weitermachen? Vor dieser Frage stehen derzeit viele Betreiber von Biogasanlagen. Unternehmer, die ihre Anlagen vor rund 20 Jahren in Betrieb genommen haben, hoffen auf eine Anschlussförderung, doch die Chancen darauf sind schwer kalkulierbar. Grund für die ungewisse Lage sind die auslaufenden, staatlich garantierten Vergütungen für die Einspeisung der Energie nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Denn zu den Preisen, die auf dem Strommarkt gehandelt werden, trägt sich eine Biogasanlage finanziell oft nicht mehr.

Im Mai 2025 war Josef Hammer in genau dieser Lage. Damals kamen Mitglieder des Fachverbands Biogas der Regionalgruppe Oberpfalz und die CSU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf zum Austausch auf seinem Hof zusammen. Zu diesem Zeitpunkt war Hammer der Zuschlag für eine Anschlussförderung noch nicht sicher. „Wir erwarten, dass das Volumen, das ausgeschrieben wird, um alle Biogasanlagen weiterzubetreiben, zu gering ist“, so war seine Sorge vor rund einem Jahr. „Wir würden gern investieren, doch ohne Planungssicherheit ist das schwierig“, so brachte er die Bredouille auf den Punkt.

Stromlücken flexibel füllen

Heute empfängt Hammer die MZ deutlich entspannter. Auf dem Gelände seiner Biogasanlage sind Bauarbeiten angelaufen. Der neue, rund 16 Meter hohe Wärmespeicher steht bereits. Insgesamt investiert der Landwirt eine große Summe, um die Anlage noch flexibler am Strommarkt betreiben zu können. Diese könne bald von null bis 2771 Kilowatt Strom pro Stunde produzieren und werde je nach Bedarf höchstflexibel und automatisiert geregelt.

Damit fülle man die Stromlücken, wenn die Photovoltaik- und Windkraftanlagen witterungsbedingt nicht lieferten. Im Moment wird in Wiefelsdorf Biogas für rund acht Stunden gespeichert. Doch Ende des Jahres, wenn die Baumaßnahmen plangemäß abgeschlossen sind, sollen daraus bis zu 50 Stunden werden, um es zeitversetzt zu verstromen. „Biogas ist gespeicherte, erneuerbare Energie und damit die Versicherung für unser Stromsystem“, erklärt der Unternehmer.

Hammer ist erleichtert, dass es weitergeht. „Für uns ist es gut ausgegangen“, sagt er. Doch andere Betriebe, die sich in den nächsten Jahren um eine Anschlussförderung bemühen müssen, stünden erneut vor großen Unsicherheiten, sagt er.

Erste Investitionen sind auf Hammers Anlage bereits sichtbar geworden: Ein neuer Wärmespeicher steht schon. - Foto: Vanessa Ebert

Vor dieser Situation warnt auch Markus Bäuml in seiner Funktion als Regionalreferent des Regionalbüros Süd-Ost des Fachverbands Biogas. Zweimal im Jahr – jeweils im April und Oktober – finden Ausschreibungen für Biomasseanlagen statt. Die Situation, in der auch Landwirt Hammer vor rund einem Jahr gesteckt habe, sei mit dem Biogaspaket für einen Teil gelöst worden, erklärt Bäuml.

Für uns ist es gut ausgegangen, doch andere Betriebe stehen erneut vor großen Unsicherheiten.Josef Hammer, Landwirt und Biogasanlagenbetreiber

Damit hatte der Bund das Ausschreibungsvolumen für die Jahre 2025 und 2026 deutlich erhöht und die Anschlussförderung von zehn auf zwölf Jahre verlängert. „Das Ausschreibungsvolumen war dementsprechend ausreichend groß“, sagt Bäuml. Rund 85 Prozent der Betriebe, die an der Ausschreibung teilgenommen haben, seien zum Zug gekommen. Das stelle einen akzeptablen Wert dar.

Förderungen sind ungewiss

Auch für die Ausschreibung im kommenden Oktober stehe genügend Volumen zur Verfügung. Für den Verbandssprecher ist die Kuh damit aber längst nicht vom Eis. Denn: „Betriebe, die 2027 eine Anschlussförderung beantragen möchten, hängen wieder in der Luft“, erklärt er.

Zum Jahresende läuft das bisherige EEG 2023 aus und soll durch das EEG 2027 weitergeführt werden. Der Entwurf dazu wird von den Verbänden in Kürze erwartet. Jedoch ist bereits Ende Februar 2026 ein Arbeitsentwurf geleakt worden, also an die Öffentlichkeit durchgesickert. Wie verschiedene Medien berichtet hatten, soll in diesem Papier von einem Ausschreibungsvolumen die Rede sein, das bei einer Leistung von 500 Megawatt pro Jahr liegt. Ein zweiter Leak im April ging ebenfalls in diese Richtung.

Den Entwurf vom Februar bezeichnete der Fachverband Biogas in einem Positionspapier als „völlig unzureichend“. „Für eine sichere Versorgung und damit bestehende Biogasanlagen weiter wirtschaftlich betrieben werden können, brauchen wir 2500 MW“, macht Bäuml die Differenzen deutlich.

Die Energie aus Biomasse ist regional, gut speicherbar und rund um die Uhr verfügbar.Markus Bäuml, Regionalreferent Fachverband Biogas

Dabei gäbe es in mehrerlei Hinsicht Bedarf an Biogas, wie der Fachreferent erklärt. Neben der Klimafreundlichkeit sei auch die Versorgungssicherheit zu bedenken, wie Bäuml erklärt. Das sei vor allem auch im Hinblick auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten aktueller denn je. „Die Energie aus Biomasse ist regional, gut speicherbar und somit rund um die Uhr verfügbar“, so der Verbandssprecher.

Wichtige Rolle im Energiemix

Biogasanlagen würden immer flexibler und dadurch im Energiemix eine zunehmend wichtigere Rolle für das Stromnetz spielen. Bäuml sieht auch Potenziale im Hinblick auf die Schlüsseltechnologie Power-to-Gas: Bei der Biogasaufbereitung entsteht CO2, das für die Methanisierung des Wasserstoffs genutzt werden kann, um die Effizienz zu steigern. Doch für solche Entwicklungen seien Investitionen notwendig, die Betreiber von Biogasanlagen jedoch nur bei Planungssicherheit tätigen würden, so der Fachreferent.

Am Montag, 4. Mai, laden Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk zum ersten süddeutschen Biogasgipfel nach Ulm ein. Dort wird es um die Zukunft der Biogasbetriebe und ihre Rolle bei der Energiewende gehen.