Aus für Biogas? Auch Betriebe in der Region Schwandorf kämpfen

Von Vanessa Ebert · 27. Mai 2025 um 05:00

„Die Hütte brennt“, so brachten es die Betreiber von Biogasanlagen aus der Region auf den Punkt. Markus Bäuml hatte am Montag in seiner Funktion als Regionalreferent Süd-Ost des Fachverbands Biogas e.V. die Vertreter der Regionalgruppe Oberpfalz und die CSU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf zum Austausch geladen. Auf dem Gelände der Biogasanlage von Josef Hammer in Wiefelsdorf brachte er das Anliegen des Verbandes auf den Punkt: „Wir wollen zeigen, was wir leisten können, aber auch, wo der Schuh drückt“, erklärte er.

Wo das ist, das machte Gastgeber Hammer in seinen Begrüßungsworten deutlich. Wie viele andere Betreiber, die ihre Anlage vor rund 20 Jahren in Betrieb genommen haben, hat der Landwirt jetzt mit großen Unsicherheiten zu kämpfen.

Grund dafür sind die auslaufenden, staatlich garantierten Vergütungen für die Einspeisung erneuerbarer Energie (EEG-Vergütung). Gleichzeitig sind die Chancen auf eine Anschlussförderung inzwischen geringer.

Bürokratie macht es schwer

Für viele, auch für den Landwirt aus Wiefelsdorf, stellt sich jetzt die Frage: Aufhören oder Weitermachen? Denn bisher hat Hammer noch keinen Zuschlag für eine Anschlussvergütung erhalten. „Das Volumen, das bisher ausgeschrieben wird, um alle Biogasanlagen weiterzubetreiben, ist zu gering“, sagte er.

Dabei würde er gern eine größere Summe investieren, um die Anlage noch flexibler am Strommarkt betreiben zu können. Die Anlage könne von null bis 1250 Kilowatt Strom pro Stunde produzieren und werde je nach Bedarf flexibel geregelt. Damit fülle man die Stromlücken, wenn die Photovoltaik- und Windkraftanlagen witterungsbedingt nicht lieferten.

In Zukunft bis zu 50 Stunden speichern

Derzeit wird in Wiefelsdorf Biogas für rund acht Stunden gespeichert. In Zukunft, so das Ziel, sollen es einmal bis zu 50 Stunden werden. Bis das Realität wird, seien jedoch viele Hürden zu überwinden. „Die Bürokratie ist dabei ein großer Hemmschuh“, kritisierte Hammer.

Betreiber von Anlagen wie dieser von Josef Hammer stehen derzeit vor großen Unsicherheiten.

„Allein die Nachhaltigkeitsverordnung ist ein Bürokratiemonster“, so teilte Hammer seine Erfahrungen aus der Praxis. Die Verordnung überwacht die Herkunft der zur Nutzung in Biogasanlagen vorgesehenen Biomasse, die nach dem EEG vergütet werden soll. Zuspruch kam aus den Reihen der anderen Betreiber. Auch sie würden unter einer „überbordenden Bürokratie“ leiden. Das betreffe auch den Bau und die Erweiterung von Biogasanlagen sowie zum Beispiel die sogenannte Störfallverordnung.

Bereits verfügbare Ressourcen nutzen

Bäuml kritisierte auch die Pläne der Bundesregierung, die kürzlich von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgestellt wurden. Demnach soll der Ausbau von Gaskraftwerken zügig vorangehen. Geplant sei eine Ausschreibung von mindestens 20 Gigawatt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. „Die Biogasanlagenbetreiber sind bereit, einen Großteil davon mit Biogas abzudecken“, ist sich Bäuml sicher. Anstatt fossil betriebene Großkraftwerke zu bauen, sollten die erneuerbaren und bereits verfügbaren Alternativen genutzt werden, so Bäuml.

Lücke mit klimaneutraler Energie füllen

Biogas und Biomethan seien im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie besser speicherbar und würden das ganze Jahr über unabhängig vom Wetter für die Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden können. „Diese Lücke füllen wir mit klimaneutraler Energie“, stellten die Vertreter der Anlagenbetreiber heraus.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss das Biomassepaket entsprechend nachjustiert werden, so sind sich die Betreiber einig. „Hier drängt die Zeit“, machte Bäuml deutlich. „Sie alle brauchen dringend Planungssicherheit“, erklärte Martina Englhardt-Kopf an die Anlagenbetreiber gewandt. „Wir brauchen einen Energie-Mix, in dem Biogas eine wichtige Rolle spielt“, ist die Politikerin überzeugt. Dafür wolle sie sich in Berlin einsetzten, wenn das Biomassepaket in Kürze angepasst wird.

Zukunft für kleine Anlagen

Drei Punkte sind dem Verband dabei besonders wichtig. Wie Bäuml erklärte, müsse es mehr betriebswirtschaftliche Freiheit geben, was das künftige Anlagenkonzept betreffe. Der Verband schlägt ein neues Vergütungssystem vor, das es den Betrieben erlauben soll, die vergütungsfähige Strommenge flexibler zu nutzen (Strommengenmodell). Zum anderen sollen auch die Rahmenbedingungen in den Biomasse-Ausschreibungen verbessert werden. Bäuml spricht hier zum Beispiel von einem deutlich höherem Ausschreibungsvolumen, insbesondere ab 2027. Netzbetreiber sollen außerdem verpflichtet werden, eine flexiblen Netzanschlussvereinbarung anzubieten.

Außerdem fordert der Verband bessere Bedingungen für Kleinanlagen. Mit einem Zuschlag für ökologisch, wertvolle Substrate sollten positive Effekte für das Ökosystem honoriert werden.