Mit Polizei-Foto und Klarinette: Kelheims neuer Landrat startet – auch mit klaren Ansagen

Zwei Gemälde bringt er mit, ein besonderes Foto und seine Klarinette. Am Montag bezieht mit Christian Nerb (FW) ein neuer Kelheimer Landrat sein Büro. Dass er an seinen Wahlversprechen gemessen wird, weiß er. Und will baldmöglichst liefern.
Seine bisherige Amtsstube als Bürgermeister in Saal a. d. Donau hat Nerb noch ausmalen lassen. „Ich will alles sauber übergeben“, lacht der 65-Jährige. Am Donnerstag hatte er dort seinen letzten Arbeitstag, danach gab’s ein „Abschiedsglaserl“. Eine Woche zuvor hatte er mit der Rathausbelegschaft in einem Wirtshaus in Reißing den Ausstand gegeben. „Die Mitarbeiter haben einen rund einstündigen Film gedreht über meine Zeit. Das hat mich sehr beeindruckt und gefreut.“
Zwölf Jahre als Rathauschef liegen hinter ihm – nun beginnt nach einem klaren Stichwahl-Sieg seine Zeit als Landrat. „Ich gehe es mit Freude an, habe aber auch Respekt“, sagt Nerb. Sein Büro im Landratsamt will er mit zwei Gemälden dekorieren. „Eines zeigt Tag- und Nachtgleiche und steht für Kraft und Stärke, das andere einen Elefanten mit einem abgebrochenen Stoßzahn und soll bedeuten: Nach Rückschlägen geht es weiter.“ Auch ein Foto aus seiner Zeit als Polizeibeamter soll einen Platz finden. „Da steckt viel Erinnerung drin.“
Das „gemütliche“ Einrichten wird der FW-Politiker in den Feierabend legen. „Für mich geht’s los mit Gesprächen mit Sachgebietsleitern und Mitte der Woche werde ich mich der Belegschaft vorstellen.“ Ob es eine Übergabe des scheidenden Landrats Martin Neumeyer geben werde, sei offen. „Aber es läuft alles sehr korrekt.“
Wer seine Stellvertreter sind, ist noch ungeklärt
Am 11. Mai steht die konstituierende Sitzung des Kreistags an. Der neue Amtschef führt Gespräche mit den Fraktionen, auch wegen der Frage der Landrats-Stellvertreter. „Konkretes kann ich noch nicht verkünden. Gefühlt sind wir auf einem guten Weg.“ Doch Nerb lässt auch durchklingen, dass es angesichts von zehn Parteien im Kreistag künftig schwierig werde, Mehrheiten zu finden. „Ich werde mich aber nicht verbiegen, um etwas durchzubringen. Wenn es keine Mehrheit gibt, dann eben nicht.“
Bei den brennenden Themen will Nerb gleich anpacken. Zum Krankenhaus Mainburg gab es eine Unterredung mit der Ilmtalklinik Pfaffenhofen und der neuen Bürgermeisterin Karoline Fritz-Ertlmaier. „Wie angekündigt, wollen wir mehrere Abteilungen und die Notfallversorgung in die Klinik bekommen.“ Abhängig sei das auch von der Krankenhausreform, räumt er ein. „Ich werde mich in jedem Fall reinhängen und das Bestmögliche rausholen.“

Auch bei der Lehrschwimmhalle in Mainburg soll es zügig vorangehen. „Vieles ist vorbereitet“, sieht er eine gute Basis. Trotz der Planungen für einen Neubau will Nerb nochmals eine mögliche Sanierung prüfen. „Wenn es schneller und günstiger geht, könnte diese Variante auf den Tisch kommen.“ Dazu soll das Gutachten der Stadt geprüft und abgeglichen werden.
Sehr deutlich wird der neue Landrat bei der Kaiser-Therme in Bad Abbach. Eine Schließung werde es mit ihm nicht geben. „Sollte die Investorensuche nicht erfolgreich sein, kann sich der Zweckverband als Träger nicht einfach verabschieden“, erklärt Nerb. Der beschlossene Ausstieg sei dann zu revidieren. „Ein Aus der Therme wäre für die Region verheerend.“
Kaiser-Therme: Nerb pocht auf einen Weiterbetrieb
Scheitere der Verkauf, stelle sich für ihn auch die Frage, „ob der Landkreis die zugesicherten 1,75 Millionen Euro an Bad Abbach zahlt“. Wie mehrfach berichtet, soll das Geld als Strukturausgleich fließen; der Bezirk Niederbayern schießt 5,25 Millionen Euro zu. Entsprechende Beschlüsse wurden in den jeweiligen Gremien gefasst. Nerb hält eine Sanierung des Kurbads für finanzierbar, vielleicht kostengünstiger als für die kolportierten 50 Millionen Euro.
Eile geboten sei bei der Rückkehr in den RVV, kündigt der 65-Jährige zum Thema Nahverkehr an. „Wir müssen bis Juli den Wiedereinstieg beschließen, um wieder dabei zu sein.“ Auch eine Ausweitung des Geltungsbereich schwebt ihm mittelfristig vor.
Im Herbst will Nerb mit vierteljährlichen Info-Veranstaltungen für Bürger starten. „Schon als Bürgermeister bin ich gerne rausgegangen und habe den Menschen vor Ort die Dinge erklärt. Das ist mein Stil.“
Ab und an werden zu diesem Stil auch neue Töne aus dem Landratsamt dringen. Nerb hat in jungen Jahren die Berufsschule für Musik besucht. „Eigentlich wollte ich dann auf ein Konservatorium.“ Aber es wurde die Polizei. Sein Hauptinstrument, die Klarinette, spielt er bis heute. „Zwischen Dienstschluss und Abendterminen wird man mich vielleicht aus dem Büro hören“, schmunzelt Christian Nerb.
Polizist und Politiker
Vita: Christian Nerb, geboren am 15. Dezember 1960, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Von 1979 bis 2014 war er Polizeibeamter, zuvor besuchte er die Berufsfachschule für Musik.
Politik: Nerbs Vater war in Gemeinderat und Kreistag, er selbst stieg 1990 ein. Nach 24 Jahren als Gemeinderat wurde er 2014 Bürgermeister in Saal a. d. Donau. Seit 2020 war er Kreisrat.
Freizeit: Als Polizist hielt er sich mit regelmäßigem Laufen fit. Heute entspannt er gerne beim Nording Walking im Wald. Ab und an greift er zur Klarinette, auch das Saxophon beherrscht er.