Kollegen von angeklagtem Pfleger in Regensburg von Fotos „extrem schockiert“

Von André Baumgarten · 29. April 2026 um 18:10

51-Jähriger wegen Misshandlung von Bewohnern einer Regensburger Pflegeeinrichtung vor Gericht. Frühere Kollegen des Mannes belasten ihn im Prozess schwer – vor allem zu zwei Vorfällen, wo ein Behinderter zum Schweigen gebracht worden sein soll.

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Fotos von den Verletzungen einer damals 30-Jährigen lassen Kollegen und Verantwortliche einer Regensburger Behinderteneinrichtung bis heute nicht los. „Als ich die das erste Mal gesehen habe, war ich extrem schockiert“, sagte ein Zeuge gestern. Der Vorfall im April 2022, von dem er spricht, ist einer von fünf, die einem 51-Jährigen zur Last gelegt werden. Der Ex-Pfleger steht wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen vor Gericht, bestreitet aber alles. Auch eine zweite Kollegin belastet ihn nun schwer.

Binnen gut sechs Monaten soll der Angeklagte 2021 und 2022 vier Bewohner brutal misshandelt haben. Laut Anklage erlitten die Geschädigten Hämatome, Schwellungen und sogar einen Knochenbruch als sichtbare Zeichen der Gewalt. Einem damals 23-Jährigen soll bei zwei Gelegenheiten ein Stofftier mehrfach teils tief in den Mund geschoben worden sein, um ihn ruhigzustellen. Beide Male sollen andere Betreuungskräfte anwesend gewesen sein.

Von Kollegen für seine fachliche Kompetenz gelobt

Verdachtsmomente, weil etwas Auffälliges zwar „plausibel, aber schon mit Stirnrunzeln“ war, wie es ein Zeuge formulierte, gab es offenbar bereits vor der sofortigen Freistellung des Mannes im April vor vier Jahren. Das geschah nach den massiven Verletzungen der 30-jährigen Frau. „Die Fotos machen immer noch sehr viel mit mir“, erklärte der Wohnbereichsleiter im Zeugenstand. Wahrgenommen habe er den Angeklagten „nur bedingt positiv“. Lob habe es von Kollegen für seine Kompetenz gegeben, ihm sei der 51-Jährige aufgefallen als jemand, der „viel schimpft und meckert“.

An die Gespräche mit zwei Mitarbeiterinnen, die offenbar selbst Augenzeugen geworden waren, erinnerte sich der Zeuge gut. Was ihm die Frauen kurz nach dem letzten der fünf angeklagten Vorfälle schilderten, deckte sich mit dem, was sie bei Ermittlern und auch vor Gericht aussagten. Beide hatten sich erst später offenbart, als der Pfleger bereits weg war. Das hatte für sie Konsequenzen – sie wurden dafür abgemahnt.

Die beiden Frauen überlegten wohl, einen anonymen Brief zu schreiben. Weil sie fürchteten, selbst in Schwierigkeiten oder in den Fokus der Kripo zu geraten, sagte eine 48-Jährige gestern aus. Sie habe gesehen, wie der Angeklagte einem schreienden Bewohner ein Stofftier in den Mund schob, es beim zweiten Mal dann „noch fester reingesteckt“ habe. Darüber hätte sie mit der zweiten Kollegin, die das auch erlebte, gesprochen, wie sie ganz offen einräumte.

Angeklagter befragt selbst Zeugen und erklärt sich

Der 51-Jährige äußerte dazu in einer Erklärung, dass es für ihn nicht zusammen passe, dass Details aus diesen Gesprächen bei den Zeuginnen nicht präsent waren. Der Mann scheint sich in der Rolle zu gefallen, wie die Juristen im Gerichtssaal Fragen an Zeugen stellen zu dürfen, und nutzt das intensiv. Schnell driftet er aber in Erklärungsversuche oder Bewertungen ab, was ihm Ermahnungen vom Vorsitzenden Richter Dr. Guth einbringt, der ihn damit nie lange gewähren lässt.

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Erstmals wurde bekannt, dass schon im September 2021 erste Verdachtsmomente aufkamen, als ein Arzt Anzeige erstattete, wie der frühere Leiter der Einrichtung aussagte. Vermutungen, dass der Angeklagte „etwas damit zu tun haben könnte“, habe es gegeben. Das Arbeitsverhältnis mit ihm sei formell im Herbst aufgelöst worden.

Der Prozess gegen den Mann läuft weiter. Ein Urteil in dem Fall soll es erst im Juni geben.