Ein Jahr am neuen Standort: Gerhard Liebl von der Erlebnisbrennerei in Bad Kötzting zieht Bilanz

Ein Donnerstagvormittag im „Brennorama“ an der Wettzeller Straße: Im Café im zweiten Obergeschoss herrscht reger Betrieb, auf der Dachterrasse sitzen Gäste bei Kaffee und Frühstück, drinnen klirren Tassen, es wird gelacht und geredet. Mittendrin: Gerhard Liebl. Der Unternehmer begrüßt ankommende Besucher mit einem kurzen freundlichen Wort, verabschiedet andere im Vorbeigehen – und wirkt dabei sichtlich zufrieden.
Kurz vor dem ersten Geburtstag seines neuen Standorts blickt der Inhaber der Spezialitätenbrennerei Liebl zurück – und nach vorne. „Wir sind heute ganz anders für unsere Kunden da“, sagt er. Was zunächst wie ein nüchterner Satz klingt, beschreibt in Wahrheit einen grundlegenden Wandel.
Denn der Weg zum rund 10 000 Quadratmeter großen „Brennorama“ war lang – und alles andere als geradlinig. Über nahezu ein Jahrzehnt hinweg zog sich die Planung, ehe die Vision schließlich Realität wurde. Liebl spricht offen darüber, dass der Schritt notwendig gewesen sei. „Wir wollten uns generell neu aufstellen“, sagt er. Die frühere Aufteilung auf mehrere kleinere Standorte nahe der Innenstadt habe nicht mehr zur Entwicklung des Unternehmens gepasst.
Wir sind heute ganz anders für unsere Kunden da.Gerhard Liebl, Inhaber der Erlebnis- und Spezialitätenbrennerei in Bad Kötzting
Heute ist alles gebündelt: Produktion, Verarbeitung, Verkauf – und als neue Säule die Gastronomie. Eine Verbindung, die für Liebl mehr ist als nur ein erweitertes Angebot. „Die Gastronomie befruchtet den Shop wie die Brennerei – und umgekehrt“, beschreibt er das Zusammenspiel. Tatsächlich scheint dieses Konzept aufzugehen: Vor allem an den Wochenenden seien die Plätze im Café – sowohl im Eingangsbereich als auch auf der Dachterrasse – „immer voll“.
Besonders das Frühstücksangebot werde stark nachgefragt, berichtet Liebl. Dass sich die Gäste nicht mehr nur zum Einkaufen auf den Weg machen, sondern gezielt Zeit mitbringen, sei eine der entscheidenden Veränderungen. „Die Menschen kommen inzwischen nicht mehr nur zum Einkaufen, sondern auch zum Verweilen“, sagt er. Aus einem reinen Verkaufsort ist ein Treffpunkt geworden – eine Art Bühne für Genuss, auf der sich Produktion und Erlebnis begegnen.
Anzahl des Personal hat sich nahezu verdoppelt
Mit der Erweiterung wuchs auch das Team. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich nach Angaben Liebls etwa verdoppelt, ein Großteil davon arbeitet in der Gastronomie. Trotz des in der Branche allgegenwärtigen Personalmangels habe es keine größeren Probleme gegeben, Personal zu finden. „Durch unsere Öffnungszeiten können die Angestellten vergleichsweise früh Feierabend machen“, erklärt er einen möglichen Grund. Zudem habe viele gereizt, von Anfang an Teil des neuen Projekts zu sein.
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Dass der neue Standort außerhalb der Kernstadt funktioniert, sei anfangs keineswegs selbstverständlich gewesen. „Wir sind für den Standort hier oben belächelt worden“, erinnert sich Liebl. Heute jedoch wisse man die Lage zu schätzen – nicht zuletzt wegen des freien Blicks von der Dachterrasse auf den Kaitersberg und an klaren Tagen bis hin zum Cerchov. Die Resonanz gebe ihm recht, sagt er. Und sie komme nicht nur von Touristen: „Unter der Woche sind gut 90 Prozent Einheimische hier – ob aus Bad Kötzting, Cham, Viechtach oder Straubing.“
Dieser Blick auf die Region ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. Heimat spielt für Liebl eine zentrale Rolle – sowohl bei der Auswahl der Produkte als auch bei der Umsetzung des Projekts. Die Speisekarte setzt auf regionale Zutaten, viele davon werden mit den eigenen Spirituosen veredelt. Auch beim Bau setzte der Unternehmer bewusst auf Anbieter aus der Region.





Parallel dazu blieb ein Stück Unternehmensgeschichte erhalten. Das Stammhaus in der Jahnstraße dient derzeit als Lager, perspektivisch könnten die früheren Verkaufsräume mit einem neuen Konzept wieder für Kunden geöffnet werden.
Dass der neue Standort heute so reibungslos funktioniert, ist auch Ergebnis früherer Entscheidungen. Bereits 2014 hatte Liebl an der Wettzeller Straße ein Whiskylager errichtet, das inzwischen in den Gesamtkomplex integriert ist. Der Bau der neuen Anlage brachte dennoch besondere Anforderungen mit sich – vor allem im Bereich Brand- und Explosionsschutz. Entsprechend ist die Technik heute aufwendig: Sensoren, Absauganlagen und Sicherheitsvorkehrungen gehören zum Standard.
Blick hinter die Kulissen der Brennerei schafft Verständnis
Unverändert geblieben ist hingegen ein Kernelement des Unternehmens: der Einblick in die Produktion. Führungen und Verkostungen sind fester Bestandteil des Angebots. „Der Kunde ist wissbegierig“, sagt Liebl. Wer hinter die Kulissen blicke, verstehe nicht nur die Herstellung, sondern auch die Preisgestaltung besser. Transparenz, die Vertrauen schafft – und den Erlebnischarakter unterstreicht.
Denn trotz aller Zufriedenheit sieht Liebl keinen Grund, sich auszuruhen. „Wir haben eine hohe Wertschöpfung“, sagt er – und meint damit nicht nur den Verkauf vor Ort. Die Brennerei beliefert seit Jahren einen breiten Kundenstamm, vom Landgasthof bis zum Michelin-Hotel, quer durch Deutschland und darüber hinaus. Der Onlinehandel reicht bis nach China und Japan.
Gleichzeitig beobachtet der Unternehmer Veränderungen im Konsumverhalten. Alkohol habe es zunehmend schwer, vor allem bei jüngeren Menschen. Die Reaktion darauf ist pragmatisch: Das Sortiment wird angepasst, Produkte mit geringerem Alkoholgehalt gewinnen an Bedeutung.
Auch im „Brennorama“ selbst wird weiter an neuen Ideen gearbeitet. Ein Beispiel ist das neue Format „Sundowner“: Ab Juni öffnet die Dachterrasse einmal im Monat auch abends. „Wir wollen auch denen die Möglichkeit geben, zu uns zu kommen, die tagsüber keine Zeit haben“, erklärt Liebl. Es ist ein weiterer Baustein in einem Konzept, das sich ständig weiterentwickelt.
Bevor der Blick jedoch zu weit in die Zukunft geht, steht zunächst ein Meilenstein an: Am 7. Juni feiert die Erlebnisbrennerei ihren ersten Geburtstag am neuen Standort. Ein Jahr „Brennorama“ – und ein Projekt, das sich vom ambitionierten Vorhaben zu einem Ort entwickelt hat, an dem sich vieles bündelt: Handwerk, Genuss und ein Stück gelebte Heimat.
Geburtstagsfest am 7. Juni mit Programm
Termin: Zum ersten Geburtstag des „Brennorama“ lädt die Spezialitätenbrennerei Liebl am Samstag, 7. Juni, zu einem ganztägigen Fest ein.
Programm: Den Auftakt bildet ein Weißwurstfrühstück auf der Dachterrasse. Im Laufe des Tages erwartet die Besucher eine Genussmeile mit Probierständen regionaler Partner aus den Bereichen Schokolade, Käse, Wurst und Wild. Ab Mittag werden Grillspezialitäten wie Hirschburger und Hirschbratwürste angeboten. Ergänzt wird das Programm durch zwei Tastings in den Bereichen Edelbrand und Whisky (nur mit vorheriger Anmeldung). Auch eine eigens kreierte Geburtstagstorte darf an diesem Tag nicht fehlen.