Spezialitäten-Brennerei Liebl in Bad Kötzting: An Pfingsten soll es im Neubau losgehen

Ein anderes Wort für „Dimension“? Ausdehnung, Format oder auch Größe. Wörter, die einem in den Sinn kommen, hat man einen Baustellen-Rundgang mit Gerhard Liebl gemacht. An der Wettzeller Straße baut Liebl gerade neue Räume für seine Brennerei – sein Unternehmen tritt damit in eine neue Dimension ein.
Nehmen wir mal das Wort „Größe“: Statt wie bislang an drei Betriebsstätten zu arbeiten – Verkauf in der Jahnstraße, Produktion in der Pfingstreiterstraße, Lagerung in der Wettzeller Straße –, finden bald alle Unternehmensbereiche der Brennerei Liebl Platz im Neubau (siehe Infokasten). Die Ladenfläche wird dreieinhalbmal so groß, die Brennerei dreimal so groß wie jetzt. „Der jetzige Laden ist nicht mehr zeitgemäß, außerdem eng und verschachtelt“, sagt Liebl.
Neu konzipierte Führungen
In der Jahnstraße finden momentan der Verkauf und die Verkostungen statt – auch solche, die Liebl nach seinen Führungen durch die Produktion in der Pfingstreiterstraße anbietet. Das wird im Neubau entzerrt, die Führungen werden neu konzipiert.
Wer die neue Brennerei Liebl besucht, soll eine Palette an Möglichkeiten bekommen: Der Kunde kann einkaufen; sich ohne Führung ein Bild von der Produktion machen; im Café etwas essen oder trinken („Natürlich nicht nur Schnaps; wir bieten alles, damit genussaffine Leute eine gute Zeit bei uns haben.“); und er kann Führungen (online) buchen, die aus unterschiedlichen Modulen bestehen – mit mehr oder weniger Destillaten zum Probieren, mit oder ohne Brotzeit...
Transparent und helle Räume
Transparenz – das ist Gerhard Liebl wichtig. Schon vom Parkplatz aus kann der Kunde dank der vielen hohen Fenster den Destillateuren bei der Arbeit zusehen. Die Mitarbeiter wiederum können in hellen, lichtdurchfluteten Räumen arbeiten. Ein sieben Meter hohes Panoramafenster, das sich über zwei Stockwerke zieht, gibt den Blick auf den Kaitersberg und „unsere schöne Heimat“ frei. Die Fenster im Verkostungsraum im 1. Stock sowie im Veranstaltungsraum im 2. Stock gehen in die gleiche Richtung. Dass die exponierte Lage des Neubaus „einfach einzigartig“ sei, hatte schon Bürgermeister Markus Hofmann beim Richtfest im Juli 2024 attestiert.
Seine Heimat hat Liebl nicht nur von den Fenstern und der Dachterrasse aus im Blick. „Ich will, dass die Wertschöpfung so viel wie möglich in der Region bleibt.“ Wo es ging, hat er für den Bau heimische Firmen beauftragt. Das soll sich später beim Angebot seiner Speisen im Tagescafé fortsetzen. Die Kuchen werden von einer eigens eingestellten Konditorin gebacken. Das Personal wird von momentan 28 auf 40 Personen aufgestockt (Bedienungen werden noch gesucht). „Alle unsere hochwertigen Genussmittel kommen aus dem bayerisch-sprachigen Raum.“ Als Jäger ist Gerhard Liebl „wildaffin“. Als Besonderheit wird es jeden Donnerstag frischen Hirsch-Leberkäse und freitags ein bayerisches Weißwurstfrühstück mit Weißbier und Hirsch-Weißwurst geben. Sieben Tage die Woche wird die neue Brennerei Liebl geöffnet sein – zum ersten Mal an Pfingsten. Liebl plant ein „Soft-Opening“, weil „womöglich nicht alles fertig ist“. Der Laden in der Jahnstraße wird an Pfingsten zum letzten Mal in Betrieb sein. „Bis dahin haben wir aber noch einen zackig-knackigen Zeitplan.“
Das Gebäude im Überblick
Unter einem Dach: In dem Neubau der Brennerei Liebl auf dem 10 000 Quadratmeter großen Grundstück an der Wettzeller Straße finden alle Bereiche Platz: Verkauf, Vertrieb, Produktion und Lagerung der Schnäpse.
Erdgeschoss: Hier befinden sich die Verkaufsräume und eine Weinlounge/ein Tagescafé, wo es Kaffee, Kuchen, Brotzeiten, frisch gezapftes Bier, Wein und Sekt gibt.
1. Stock: Hier ist Platz für die Büroräume, die Empore mit Heimkino sowie den Tasting Room (Verkostungsraum) – letzterer mit Panoramafenster gen Kaitersberg und einem Tisch als Herzstück in der Mitte, 6,30 Meter lang, 1,50 Meter breit und aus einem einzigen Baumstamm (Esche) gefertigt.
2. Stock: Veranstaltungsraum (mit Panoramafenster wieder Richtung Kaitersberg) mit Zugang zur 240 Quadratmeter großen Dachterrasse; der Raum kann angemietet werden. Eine Küchenzeile bietet auswärtigen Caterern Platz, ihre Speisen warmzuhalten und anzurichten. Die Getränke für Veranstaltungen kommen von Liebl selbst.
Auf dem Dach: Zwei Drittel der Energie, die verbraucht werden, kommen künftig aus Wärmerückgewinnung. Auf den fünf Dächern (vier Produktionshallen, ein Eventgebäude) wird jeweils die südöstliche Dachseite komplett mit Photovoltaik bestückt.
Weitere Gebäude: Im Neubau befinden sich auch die Abfüllerei, ein Gärraum, die Destillerie, ein Raum für Obstsortierung und Einmaischen, Lager- und Technik-Räume. Das neue Gebäude wurde an das Holzfass-Lager („Whisky-Halle“), angebaut, das 2014 errichtet, nun saniert wurde und weiter als Fass-Lager genutzt wird.



