Letztes Interview mit Franz Löffler als Chamer Landrat: Fragen, für die es an der Zeit war

Von Johannes Schiedermeier · 24. April 2026 um 05:00

Es sind diese Momente des Abschieds, in denen auch eine Zeitung die Gelegenheit nutzt, Fragen zu stellen, die nie gestellt worden sind. Weil es nicht gepasst hat, weil keine Zeit war... Franz Löffler hat in einem letzten Interview als Chamer Landrat diese Möglichkeit eingeräumt.

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Wie hält man das aus, Landrat zu sein mit 120 Prozent Vollgas, sieben Tage die Woche, oft mehr als zwölf Stunden lang? „Weil du es musst und weil ich so geprägt worden bin“, sagt Löffler. Er ist auf einem Bauernhof mit Viehhaltung aufgewachsen. „Da bist du Arbeit gewohnt – ständig und verlässlich. Ich habe gelernt, das nicht als Last zu empfinden, sondern als Lebensinhalt. So habe ich auch den politischen Alltag verstanden.“

War das eine geplante Landrats-Karriere?

Ja, gibt er zu, das hat auch Bremsspuren hinterlassen: „Der Mensch ist keine Maschine und insbesondere die mangelnde Bewegung macht einem auf Dauer zu schaffen, ständig im Auto zu sein, auf Sitzungen und im Büro.“

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War das eine geplante Landrats-Karriere? Löffler lacht. Nein, sicher nicht, sagt er. Man glaubt es kaum, aber auch er hat einmal klein angefangen: 1977, als Mitarbeiter in der Stadtverwaltung seiner Heimatstadt Waldmünchen, als Dieter Aumüller dort Bürgermeister war. Allerdings war ihm das politische Interesse in die Wiege gelegt, in einer Familie, in der gesellschaftspolitische Themen regelmäßig diskutiert wurden. Ehrenamt hat er früh kennengelernt bei der Feuerwehr, in der Pfarrjugend und auch beim Trenckverein.

Schattenseiten und Gestaltungsmöglichkeiten

Ab 1984 war er als Verwaltungs-Mitarbeiter bei den Stadtratssitzungen dabei. „Da kriegt man schnell die Schattenseiten mit und die Kritik, aber auch die Gestaltungsmöglichkeiten“, erinnert er sich.

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Irgendwann kommt dann ein entscheidender Punkt, als ihn der CSU-Ortsvorsitzende Wilhelm Kaiser fragt: „Wäre Politik was für Dich?“ Zu früh für eine Kandidatur, hat Löffler damals entschieden, um später, mit 40 Jahren, dann erfolgreich 2002 als Bürgermeister für Waldmünchen anzutreten.

Das Krankenhaus-Problem

2008 wird er ohne Gegenkandidat mit 96 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Damals ist er seit 2003 schon Bezirksrat und 2008 – noch zwei Jahre vor seiner Wahl als Landrat – wird er Bezirkstagspräsident. Überraschend, weil der amtierende Landrat Theo Zellner das Amt des Sparkassenpräsidenten übernimmt. „Da war nichts geplant“, sagt Löffler. Man muss nur sicher sein, dass man zu diesem Zeitpunkt auch bereit ist, fügt er an.

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Löffler hat früh die Krankenhaus-Schließungsdebatten in Rötz, Falkenstein und Neukirchen b. Hl. Blut mitbekommen und die Schließungen von Furth und Waldmünchen selbst miterlebt. Deswegen ahnt er, was auf ihn zukommt, als die Standorte Cham, Roding und Bad Kötzting debattiert werden. 2011 wird klar: Drei Standorte samt Kirchturmpolitik haben keine Zukunft. 2012 nimmt der Landkreis nach harten Debatten Sana mit ins Boot. Die einzig richtige Entscheidung, sagt Löffler heute. „Wir sind unserer Verantwortung gerecht geworden und haben uns mit einem Anteil von 25,1 Prozent ein Mitspracherecht in Strukturfragen bewahrt.“

Und dann kommt Corona

Dann kommt Corona. „Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber vieles“, sagt Löffler. In dieser Zeit entpuppt er sich als gediegener Netzwerker. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis, wenn sogar Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Markus Söder in Cham anrufen? „Netzwerke sind nur trägfähig, wenn sie auf Argumente gründen und erarbeitet sind. Das ist keine Einbahnstraße“, sagt der Landrat.

Kliniken, Corona, Katastrophenschutz, Energiepolitik... Wie schläft man da als Landrat, wenn es ständig um Verantwortung in derartigen Dimensionen geht? Löffler zuckt mit den Schultern: „Man hat gar nicht die Zeit, sich groß mit diesen Überlegungen zu befassen. Das ist keine Tagesordnung, die man sich aussuchen kann. Das kommt. Diesen Aufgaben muss man sich mit einer gewissen Grund-Demut stellen und versuchen, die Dinge zu bewältigen.“ Die Herangehensweise ist meist recht bodenständig. Man muss sich halt fragen, wer bei einem Stromausfall unbedingt versorgt werden muss und das dann sicherstellen, sagt Löffler.

Ist das eingepreist, dass Mitarbeiter und politische Gegner auch mal auf der Strecke bleiben, wenn es ans Eingemachte geht? Der Landrat lehnt sich im Stuhl zurück: „Man legt es ja nicht darauf an, jemanden zu überfahren. Und ich kann es gut akzeptieren, wenn jemand informiert ist und hart debattiert. Aber am Ende des Tages muss halt eine Entscheidung her. Man darf aber die Menschlichkeit dabei nicht verlieren.“

„Man muss sich bewusst sein, dass sowas endet“

Wie geht man damit um, wenn einem nach so vielen Jahren in der politischen Führung die Bedeutungslosigkeit droht? Kriechen schon die Kritiker aus den Löchern, die vorher nichts zu sagen wagten? Der Landrat zuckt die Schultern: „Man muss sich bewusst sein, dass sowas endet. Und bisher sind mir solche Beobachtungen erspart geblieben.“

Was überwiegt am Ende? Wehmut oder Freude? Der Landrat sagt, dass er sich mit der Entscheidung schwer tut: „Am Ende ist die Lebensfreude entscheidend. Aber es bleibt Neuland. Letztlich eröffnet so ein Abschluss aber immer Perspektiven und der Blick wird sich weiten auf neue Dinge. Darauf muss man sich einlassen.“