„Patienten als Leidtragende“: Kliniken aus der Region Regensburg warnen vor Milliarden-Einsparungen

Krankenhausvertreter aus Stadt und Land Regensburg warnen vor dem Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken: Die Leidtragenden seien am Ende die Patienten. „Man gaukelt den Bürgern vor, dass dadurch keine Versorgungsengpässe entstehen“, sagt Prof. Dr. Sylvia Pemmerl vom Caritas-Krankenhaus St. Josef.
Sieht die Politik Krankenhäuser als „Schmarotzer“? Was im ersten Moment hart klingt, ist ein Eindruck, der sich bei Prof. Dr. Sylvia Pemmerl, Geschäftsleitung und medizinisch-ärztliche Direktorin im Caritas-Krankenhaus St. Josef, verfestigt. Vor allem wegen des jüngsten Sparpakets, das Gesundheitsministerin Nina Warken vorgelegt hat. Das Bundesministerium für Gesundheit begründet die Maßnahmen mit der Notwendigkeit, das Gesundheitssystem wirtschaftlicher aufzustellen. Darunter: Einsparungen bei den Kliniken, die bundesweit rund 1,8 Milliarden Euro bringen sollen.
„Im Endeffekt werden wir als diejenigen gesehen, die Geld kosten: Die unnötige Operationen durchführen, keine Qualität bringen und noch Luft hätten, um Potenzial zu schöpfen“, erklärt sie. „Dabei steht die Qualität in allen Häusern hier in der Region an erster Stelle.“
Besuch bei Bundespolitik in Berlin – doch der Frust bleibt
Um auf die Situation der Krankenhäuser aufmerksam zu machen, die durch die geplanten Einsparungen ausbluten könnten – laut Pemmerl sei offenbar das Ziel, „Krankenhäuser zum Sterben zu bringen“ –, haben die beiden Caritas-Krankenhäuser St. Josef und St. Maria in Donaustauf gemeinsam mit dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg und der Kreisklinik Wörth gestern zu einem Gespräch in St. Josef eingeladen.
Hintergrund ist auch ein von MdB Peter Aumer (CSU) organisiertes Treffen der Regensburger Krankenhäuser in Berlin mit Tino Sorge, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, sowie weiteren Vertretern der Bundespolitik gewesen. „Dass wir diese Gelegenheit bekommen haben, war toll“, sagt Pemmerl. „Aber unser Frust ist damit nicht aufgewogen. Wir wollen intensiv dafür werben, diesen Wahnsinn an dieser Stelle zu begrenzen.“
Matthias Swaczyna, Geschäftsführer von St. Maria, Martin Rederer, Krankenhausdirektor der Kreisklinik Wörth, sowie Nicolas Kelly, Geschäftsführer des Krankenhausverbunds der Barmherzigen Brüder, und Sabine Beiser, Geschäftsführerin des Krankenhauses Barmherzige Brüder, pflichteten ihr im Gespräch mit unserer Zeitung bei.
Demografischer Wandel: Ältere und kränkere Patienten
Mit dem „Wahnsinn“ meint die Krankenhaus-Chefin unter anderem die Planungen im Sparpaket, das Pflegebudget zu deckeln und Vergütungen anzupassen. „Wir haben den Pflegeberuf akademisiert. Hier arbeiten Bachelor- und Masterabsolventen sowie hoch qualifizierte Kräfte mit einer dreijährigen generalistischen Ausbildung“, sagt Beiser. „Gleichzeitig haben wir Servicekräfte aufgebaut, um die Pflege von nicht unmittelbar pflegerischen Aufgaben zu entlasten – etwa Essen auszuteilen oder Patienten zu begleiten, wenn sie packen und abgeholt werden. Jetzt soll das plötzlich nicht mehr refinanziert werden.“

Auch die Streichung der Refinanzierung von Tarifsteigerungen könnte fatale Auswirkungen auf die Personalentwicklung haben. „Gleichzeitig stehen wir vor dem demografischen Wandel“, sagt Rederer. „Die Patienten werden immer älter und immer kränker. Das kommt alles auf uns zu.“
Noch eine Prüfung hier, noch einmal eine Auflage da – das macht etwas mit den Organisationen und den Menschen, die darin arbeiten.Sabine Beiser, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg
Auch die Themen Prüfung und Bürokratie treiben die Krankenhausbetreiber um. Dass der Medizinische Dienst Rechnungen prüft, sei richtig und nachvollziehbar. Wenn dies jedoch überhandnehme, wachse auch das Misstrauen, das den Häusern entgegengebracht werde. „Noch eine Prüfung hier, noch einmal eine Auflage da – das macht etwas mit den Organisationen und den Menschen, die darin arbeiten“, so Beiser.
Wirken sich Milliarden-Sparpläne auf Regensburger Bauprojekte aus?
Auf die Baupläne der Kliniken wirken sich die politischen Sparmaßnahmen in gewisser Weise ebenfalls aus. Für die Erweiterung der Kreisklinik in Wörth hat der Freistaat eine 36-Millionen-Euro-Förderung zugesagt. Damit besteht für das Vorhaben Planungs- und Finanzierungssicherheit. Der Landkreis trägt die restlichen Kosten, wohl rund 54 Millionen Euro.
Bei den kirchlichen Trägern – das Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg plant den Neubau der Klinik St. Hedwig am Standort Prüfeninger Straße, St. Josef eine groß angelegte Generalsanierung – sorgt die Entwicklung im Gesundheitswesen für „maximale Unentspannung“, wie Pemmerl sagt. „Die Generalsanierung wird weiter vorangetrieben, weil sie unsere Überlebensbasis ist. Wir müssen die Infrastruktur so bauen, dass sie für die Patientenversorgung von morgen zur Verfügung steht.“ Beiser ergänzt: „Auch bei uns ist der Neubau notwendig und medizinisch sinnvoll. Aber ich sage ehrlich, dass wir schon einmal entspannter geplant haben.“
Krankenhausvertreter sehen am Ende Patienten als Leidtragende
Eine Abkehr von den geplanten Einsparungen brauche es am Ende vor allem für die Patienten, sind sich die Krankenhausvertreter einig. „Man gaukelt den Bürgern vor, dass dadurch keine Versorgungsengpässe entstehen“, sagt Pemmerl. „Am Ende laufen wir aber sehenden Auges in ein Desaster, das der Patient ausbaden muss.“