Ans Juwel wird angebaut: Architekten stellen die Erweiterung der Kreisklinik Wörth vor

Über den Wert der Kreisklinik in Wörth (Landkreis Regensburg) – gerne als „Juwel“ bezeichnet – besteht unter den Kreisräten weitestgehend Einigkeit. Auch, dass das Krankenhaus „erheblich überlastet“ ist, wie Architekt Andreas Eckl in der jüngsten Kreistagssitzung betonte, herrscht Konsens. Entsprechend breit ist die Zustimmung zu den Erweiterungsplänen, die Eckl und Architektin Angelika Greßmann dem Gremium im Detail vorstellten. Mancher runzelte nur ob der veranschlagten Kosten die Stirn.
Möglich sei die Erweiterung der Klinik durch den Zukauf einer angrenzenden Hangkante geworden. Diese Topographie macht recht viele vorbereitende Arbeiten nötig. „Die Maßnahme ist, was die Ausführung betrifft, relativ komplex“, betonte der Regensburger Architekt. Zudem müssen zwei bestehende Wohnhäuser sowie ein Logistikgebäude der Klinik abgerissen werden.
Komplexe Gemengelage am Standort
Der Abbruch könne nur Schritt für Schritt erledigt werden, erläuterte Greßmann, was ihn zeitintensiv mache. Außerdem verlaufen unter der Erde eine Vielzahl an Leitungen, die aufwendig umverlegt werden müssen. Aktuell befinde man sich bei der Detailplanung der Baugrube. Bis Ende des Jahres werden die Planungen fortgeführt werden, 2027 und womöglich noch 2028 sollen vorbereitende Maßnahmen und Abrissarbeiten erfolgen und von 2028 bis 2031 soll die Erweiterung gebaut werden.
Mehr als ein Prozentpunkt Kreisumlage für 25 Jahre
Im Krankenhausprogramm 2028 des Freistaats ist die Maßnahme an der Kreisklinik Wörth mit einer Förderung in Höhe von 36 Millionen Euro eingebucht. Nach aktuellem Stand rechnet das Landratsamt für die Norderweiterung der Kreisklinik mit Kosten von „gut 90 Millionen Euro“. 54 Millionen Euro müsste der Landkreis folglich selbst beisteuern. Da die finanzielle Lage angespannt ist und die Rücklagen aufgebraucht sind, muss dies komplett über Fördergelder und Darlehen gelingen. In der Währung des Kreistags bedeutet das: ein bis 1,5 Prozentpunkte Kreisumlage jährlich über 25 Jahre, wie Landrätin Tanja Schweiger umrechnete.
Neue Notaufnahme wird Herzstück des Anbaus
Eckl erläuterte die Stockwerkseinteilung des fünfgeschossigen Anbaus. In den beiden Untergeschossen werden Räume für den Arztdienst und die Verwaltung, Personalumkleiden und Logistikflächen untergebracht. Dort schließt sich ein ungestörter Logistikhof mit eigener Zufahrt über die Sandmüllerwiese an. „Das entzerrt die Zufahrtssituation sehr gut“, sagte Eckl. Das Herzstück der Kreisklinik werde die neue Notaufnahme, die auf knapp 400 Quadratmetern im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus Platz findet. „Das führt zu einer echten Entspannung“, sagt Eckl. „Wir sind besonders zufrieden mit der Zentralisierung der Arbeitsbereiche.“ Die Behandlungsräume sind sternförmig angelegt, die Verkehrswege werden voneinander getrennt.
Bettenzahl soll dann im zweiten Bauabschnitt steigen
Der erste Stock bleibt zunächst ein nicht ausgebautes Geschoss, die Struktur für eine sinnvolle Nutzungserweiterung wird aber vorbereitet. „Wir machen aufgrund der Kostensituation drei Bauabschnitte. Ist ja einer schon teuer genug“, sagte Schweiger. Eine weitere Aufstockung der Kapazitäten sei konkret mitgedacht. Im zweiten Bauabschnitt soll die Zahl der Planbetten in einem neuen Bettentrakt erhöht werden.
Optik der Klinik ist noch Zukunftsmusik
Im zweiten Obergeschoss wird die Lüftungszentrale der Klinik untergebracht. Auf dem Dach können, wie am Bestandsgebäude bereits geschehen, PV-Module angebracht werden. Auf dem Erweiterungsbau müsse man jedoch dafür den Abschluss möglicher künftiger Aufstockungen abwarten. „Ich will heute noch nicht über die Gestaltung reden, das ist einer der nächsten Schritte“, schloss Eckl seine Vorstellung der Planung des ersten Erweiterungsbauabschnitts.
Da ist nichts nice-to-have drinnen. Das ist alles notwendig für die Patientenversorgung.Andreas Eckl, Architekt
Mit Verweis auf den Neubau der Klinik Harlaching in München, die gut 250 Millionen gekostet habe, aber auch 550 Betten biete, hinterfragte Grünen-Kreisrat Josef Stadler die veranschlagten 80 Millionen Euro für die Erweiterung der Kreisklinik in Wörth. Eckl und Greßmann verwiesen einmal mehr auf die komplexen Anforderungen vor Ort und betonten eine kostensparende Herangehensweise. Das Raumprogramm ist abgestimmt mit der Regierung, erläuterte Greßmann. „Wir planen punktgenau. Jede Überschreitung müsste man selbst bezahlen.“ Kollege Eckl bekräftigte: „Da ist nichts nice-to-have drinnen. Das ist alles notwendig für die Patientenversorgung.“ Zudem prüfe die Regierung vor einer Förderzusage stets die Wirtschaftlichkeit der vorgelegten Planung, versicherte Greßmann.
Einzige Gegenstimme zu Plänen kommt aus Wörth
Ausgerechnet der Wörther Kreisrat Josef Stadler blieb bei seiner ablehnenden Haltung. Alle anderen anwesenden Kreisräte stimmten der Durchführung der Maßnahme wie vorgestellt zu und ermächtigte Schweiger, Architekten und Planer zu beauftragen sowie Bauaufträge und Nachträge zu erteilen. SPD-Kreisrat Sebastian Koch kritisierte einmal mehr, dass die Landrätin freie Hand bekomme im weiteren Verlauf der Umsetzung. Seiner Zustimmung zum Ausbau des Juwels Kreisklinik Wörth tat dies jedoch keinen Abbruch.