Kreisklinik in Wörth: Trotz Millionendefizit gibt es viel Lob

Lob für ein Millionendefizit – gibt es das? Ja, das gibt es. Wenn es sich um ein Krankenhaus handelt. Wenn das Defizit deutlich geringer ausfällt als befürchtet. Und wenn die Rahmenbedingungen keine schwarzen Zahlen zulassen. In Wörth ist all das der Fall. In Summe steht für 2025 ein Minus von 2,6 Millionen Euro bei den Betriebskosten. „Eine ganz großartige Leistung“, sagte Landrätin Tanja Schweiger im Krankenhausausschuss dazu.
Um ehrlich zu sein, lobte Schweiger damit natürlich nicht das Defizit, das der Landkreis ausgleichen muss. Vielmehr galt das Lob Klinikdirektor Martin Rederer und den Mitarbeitern an der Kreisklinik. Sie haben es geschafft, das eigentlich jenseits der Drei-Millionen-Marke erwartete Minus deutlich nach unten zu drücken. „Das ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig“, betonte die Landrätin.
Einmaliger Zuschlag bringt gut 900 000 Euro
Der Klinikdirektor machte dafür vor allem eine weitere Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in vielen Bereichen verantwortlich. Zumindest in Teilen spielt auch noch ein einmaliger Zuschlag aus dem Haushaltsbegleitgesetz eine Rolle. Seit November letzten Jahres bekommt die Kreisklinik demnach zwölf Monate lang einmalig einen Aufschlag von 3,25 Prozent auf jeden Euro Umsatz. Rederer geht davon aus, dass das für die Kreisklinik gut 900 000 Euro Mehreinnahmen bedeutet.
Zu Lasten der Kliniken wirkt sich demgegenüber ein Kabinettsbeschluss vom vergangenen Dezember aus, der das Ziel hatte, die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen zu stabilisieren. Demnach werden den Krankenhäusern bundesweit heuer einmalig rund 1, Milliarden Euro entzogen. Auf die Kreisklinik entfallen hier rund 640 000 Euro. Zudem sind es die Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre sowie die hohen Sach- und Energiekosten, die das Wörther Krankenhaus weiter belasten werden, berichtete der Krankenhausdirektor.
2025 registrierte das Krankenhaus 36.000 Patienten
Er rechnet damit, dass die Kreisklinik auch heuer nicht an einem kräftigen Defizit vorbeikommt. Auf 2,1 Millionen Euro ist im Wirtschaftsplan für 2026 das Minus taxiert. Demnach stehen Einnahmen von 61,6 Millionen Euro Ausgaben von 63,7 Millionen Euro gegenüber. Rederer geht auch heuer auch von insgesamt 36.000 ambulanten und stationären Patienten aus. Man plant also mit dem gleichen Volumen wie 2025.
Insgesamt geht der Klinikdirektor davon aus, dass die Umsätze heuer höher ausfallen werden. Ein entscheidendes Kriterium ist hier der sogenannte Case Mix, ein Bewertungs- und Vergleichswert für den Patienten-Mix. Der Punktewert, den eine Klinik hier erreicht, ist Berechnungsgrundlage für das Krankenhausbudget. 6150 Punkte visiert die Kreisklinik heuer an. Rederer berichtete, dass er auf umfangreiches Controlling setzt, um einen möglichst hohen Punktwert zu erreichen. „Transparenz ist enorm wichtig. Wir müssen immer wissen, wo wir stehen“, erläuterte er.
Weniger Umsatz durch Hybrid-System bei Operationen?
Gespannt blickt Rederer auf die 2024 eingeführte einheitliche Vergütung von ausgewählten operativen Eingriffen, die sowohl von Kliniken als auch von Vertragsärzten abgerechnet werden können. Egal ob der Patient ambulant operiert wird oder eine Nacht stationär bleibt, wird eine pauschale Vergütung gezahlt. Damit sollen unnötige stationäre Klinikaufenthalte reduziert werden.
„Das entzieht dem Krankenhaus Umsätze“, sagte der Klinikdirektor. Seinen Angaben zufolge fielen sie bei den bisher betroffenen Operationen im Jahr 2025 um ein Drittel geringer aus als bei rein stationären Aufenthalten. Wie sich dieses Hybrid-System auf die Kliniken künftig auswirkt, muss sich allerdings erst zeigen. Denn die Vergütungen als auch die Auswahl an operativen Eingriffen werden stetig angepasst.
Freistaat fördert Bauprojekt mit 36 Millionen Euro
Eines ist nicht nur für den Wörther Klinikdirektor klar: Millionendefizite beim Betrieb der Kreisklinik können kein Dauerzustand sein. Schließlich waren sie es auch in der Vergangenheit nicht. Rederer blickt hier auf eine Dekade zurück, in der lange Zeit die schwarze Null gestanden ist. „Wir müssen die Kosten reduzieren und die Erlöse steigern“, sagt er. Genau dafür sei die Krankenhausreform letztlich da.
Dass die Arbeit der Kreisklinik auf Landesebene anerkannt wird, zeigt die positive Empfehlung des Bayerischen Ministerrats zum ersten Bauabschnitt der geplanten Norderweiterung der Klinik. Aus dem Krankenhausbauprogramm für 2028 kann der Landkreis mit einer Förderung in Höhe von gut 36 Millionen Euro rechnen. Nördlich der Kreisklinik sollen neben einem neuen Bettentrakt Diensträume und Funktionsbereiche erweitert sowie eine neue Notaufnahme gebaut werden.
Klinikdirektor sieht einen „riesigen Meilenstein“
Klinikdirektor Rederer wertete die Aufnahme in das Bauprogramm als „ganz klares Signal und riesigen Meilenstein“ für die Wörther Kreisklinik. Und es kommt wohl auch einer langfristigen Bestandsgarantie gleich, weil der Ministerrat nur Standorte in die Förderprogramme aufgenommen hat, deren Bedeutung für die akutstationäre Versorgung langfristig anerkannt ist.
„Mit der Norderweiterung schaffen wir die strukturellen Voraussetzungen, um eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung für die Menschen im Landkreis sicherzustellen“, betonte die Landrätin. In einer der nächsten Sitzungen wird der Kreistag den formellen Maßnahmenbeschluss fassen. Die nächsten Planungsschritte werden noch heuer vorangetrieben. Der Neubau selbst ist von 2028 bis 2030 geplant.
Christoph Gößl wird neuer Ärztlicher Direktor
Alle drei Jahre wechselt die Position des Ärztlichen Direktors an der Wörther Kreisklinik zwischen den Hauptabteilungen des Krankenhauses. Turnusmäßig erfolgt dieser Wechsel nun zum 1. Mai. Derzeit fungiert noch Dr. Stefan Hundt als Ärztlicher Direktor, zudem ist er Chefarzt in der Anästhesie. Er ist bereits seit 21 Jahren an der Kreisklinik. Seine Stellvertreter sind Dr. Wolfgang Sieber und Dr. Fritz Ottlinger.

Neuer Ärztlicher Direktor ist ab 1. Mai Dr. Christoph Gößl. Er ist zudem Chefarzt der Inneren Medizin und seit 18 Jahren an der Kreisklinik. Bei der Vorstellung im Krankenhausausschuss bezeichnete er es als große Ehre, diese Aufgabe zu übernehmen. Er verwies darauf, dass die Ärzteschaft eng mit der Kreisklinik verwachsen sei. Seine Stellvertreter sind Dr. Stefan Hundt sowie Dr. Bernhard Bothschafter, Chefarzt der Chirurgie und seit 13 Jahren an der Klinik .