Mit frischem Blick: Susanne Bergbauer und Peter Müller ziehen erstmals in Kötztinger Stadtrat ein

Von David Salimi · 22. April 2026 um 05:00

Sie sind zwei der neuen Gesichter im künftigen Kötztinger Stadtrat: Susanne Bergbauer und Peter Müller werden ab Mai den Stadtteil Wettzell im Gremium vertreten – und bringen dabei nicht nur frischen Wind, sondern auch unterschiedliche Lebenswege und Perspektiven mit.

Der Weg in die Kommunalpolitik war für beide kein lange geplanter. Susanne Bergbauer berichtet, sie sei zunächst von außen auf eine Kandidatur angesprochen worden. „Ich wurde von Franz Hackl darauf aufmerksam gemacht, mich für die Liste aufstellen lassen zu können“, sagt die 43-Jährige. Als dann feststand, dass sie auf Listenplatz eins kandidieren sollte, habe sie zunächst gezögert. Als dreifache Mutter und Berufstätige sei die Entscheidung kein Selbstläufer gewesen. Sie arbeitet im kaufmännischen Bereich beim Bauunternehmen Streicher in Deggendorf. Zuvor hat sie in Passau Lehramt studiert. Sie kennt daher die Herausforderungen eines eng getakteten Alltags.

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Dass sie sich letztlich doch für den Schritt zur Kandidatur entschied, führt sie vor allem auf den Rückhalt im privaten Umfeld zurück. „Vor allem mein Mann hat mich darin bestärkt, diesen Schritt zu gehen“, erzählt sie. Ihre Grundhaltung: „Wenn man sich selbst nicht engagiert, darf man sich hinterher auch nicht beschweren.“

Zwischen Familie, Beruf und Mandat

Auch Peter Müller kam eher über den Anstoß von außen zur Kandidatur. Ihm sei daran gelegen, dass sein Stadtteil weiterhin im Stadtrat vertreten ist. „Mir war vor allem wichtig, dass Wettzell weiter eine Stimme im Stadtrat hat“, sagt der 49-Jährige. Müller ist Ingenieur und arbeitet im Vertrieb der in Deggendorf ansässigen Firma congatec, ein international tätiger Anbieter von Elektronikbauteilen. Dadurch ist Müller beruflich häufig im Ausland unterwegs. Mit einem Studium der Elektrotechnik und späterer Ausrichtung auf kaufmännische Aufgaben bringt er eine Mischung aus technischem und wirtschaftlichem Blick mit. Dass nun gleich zwei Vertreter aus Wettzell ins Gremium einziehen, sei alles andere als selbstverständlich gewesen. Umso größer ist die Freude darüber – bei ihm ebenso wie bei Bergbauer.

Beide eint die Situation, sich künftig zwischen Familie, Beruf und Mandat aufteilen zu müssen. Bergbauer mit drei Kindern, Müller als zweifacher Vater – sie wissen um die Herausforderung, gehen sie aber mit Zuversicht an. Zugleich machen sie deutlich, dass sie in die neue Aufgabe mit Bedacht starten wollen. Schnellschüsse werde es nicht geben. Vielmehr gehe es zunächst darum, Strukturen kennenzulernen, Themen zu durchdringen und sich einzuarbeiten.

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Inhaltlich zeichnen sich dennoch erste Schwerpunkte ab. Bergbauer richtet ihren Blick vor allem auf die jüngere Generation. Der Erhalt und Ausbau von Spielplätzen, aber auch Treffpunkte für Jugendliche nennt sie als mögliche Ansatzpunkte. Während die Vereinsstrukturen in den Dörfern außerhalb für eine gute Vernetzung der jungen Leute sorgten, sieht sie im Stadtgebiet noch Entwicklungspotenzial. Dort könnte sich Bergbauer vorstellen, dass ein Treffpunkt speziell für Heranwachsende sinnvoll sein könnte. Ein Gedanke, der auch Peter Müller vorschwebt: Ein generationenübergreifender Treffpunkt – etwa in Form eines Gemeindehauses – könne auch für andere Stadtteile ein Modell sein. Gleichzeitig betont er, dass Wettzell mit seinem noch verbliebenen Gasthaus bereits gut aufgestellt sei. Ebenso ein Thema, das beide im Blick haben: die Sicherheit der Fußgänger in der Wettzeller Ortsdurchfahrt, die teils von Verkehrsteilnehmern zu schnell befahren wird.

Wir sind als Stadträte für Bad Kötzting und nicht nur für Wettzell gewählt worden.Peter Müller, künftiger Stadtrat der Wettzeller Liste

Deutlich wird im Gespräch jedoch auch: Beide wollen sich nicht auf die Rolle reiner Stadtteilvertreter beschränken. „Wir sind als Stadträte für Bad Kötzting und nicht nur für Wettzell gewählt worden“, stellt Müller klar. Entsprechend verstehen sie ihr Mandat als Auftrag für die gesamte Stadt.

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Gleichzeitig verliert Bergbauer die Entwicklung ihres Heimatortes nicht aus dem Blick. Sie wünscht sich ein engeres Zusammenwachsen von Wettzell und Bad Kötzting. Derzeit habe sie den Eindruck, dass sich manche Wettzeller nicht als Teil der Bad Kötztinger Stadtgemeinschaft verstehen. „Dabei könnte man mit Sicherheit mehr erreichen, wenn man sich nicht so sehr voneinander abtrennen würde“, sagt sie. Ein wichtiger Baustein dafür sei auch die Unterstützung der örtlichen Vereine – gerade mit Blick auf anstehende Großereignisse, wie etwa das Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Pirka im Juli, das die Wettzeller als Patenverein begleiten.

Ein weiteres Thema bringt Müller ins Spiel: die Digitalisierung. Er bezeichnet sie als sein Steckenpferd und sieht insbesondere beim Mobilfunk noch Verbesserungsbedarf. Ziel müsse es sein, bestehende Lücken zu schließen und gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. „Mir ist es wichtig, in diesem Bereich Gleichheit herzustellen“, betont er, weist aber darauf hin, dass der Ausbau nicht immer einfach umzusetzen sei.

Mit Bedacht in die neue Rolle finden

Trotz dieser inhaltlichen Ansätze überwiegt bei beiden die Haltung, sich zunächst Schritt für Schritt in die neue Rolle hineinzufinden. „Es gibt vieles an Hintergrundwissen, das wir uns noch beschaffen müssen“, sagt Müller. Bergbauer sieht das ähnlich und setzt auf Lernbereitschaft und Pragmatismus: „Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Ihren eigenen Zugang beschreibt sie so: „Ich gehe da optimistisch ran, aber eben unbedarft.“

Ich hoffe, dass wir mit allen gut zusammen arbeiten.Susanne Bergbaier, künftige Stadträtin der Wettzeller Liste

Auch im künftigen Miteinander im Stadtrat setzen beide auf Zusammenarbeit statt Abgrenzung. Erste Kontakte zu anderen Mitgliedern des neuen Gremiums gibt es bereits. Wichtig sei ihnen ein konstruktiver Austausch über Fraktionsgrenzen hinweg – trotz der gemeinsamen Fraktion mit UWG und CSU. Oder, wie es Bergbauer knapp formuliert: „Ich hoffe, dass wir mit allen gut zusammen arbeiten.“