Michael Multerer hat nach Niederlage im Kampf um Landratsamt Cham Blick nach vorne gerichtet

Das Bürgermeisteramt aufgegeben, weil er Landrat werden wollte, dann die Wahl verloren: Michael Multerer (CSU) wurde politisch gesehen in kurzer Zeit von 100 auf fast null gebremst. Brutal, könnte man meinen, doch der 57-Jährige gewinnt der neuen Situation immer mehr positive Aspekte ab. Zudem hinterlässt er einen Rathaussessel, von dem aus er Arnschwang in eine wirtschaftlich blendende Zukunft geführt hat.
Keine Spur von Bitterkeit am Telefon. Im Gegenteil, Michael Multerer klingt heiter und entspannt. „Natürlich“, sagt er, „war das erst einmal eine Enttäuschung.“
Neue Freunde gefunden und Ballast abgeworfen
Er freue sich nicht, dass er ein Leben lang in eine Richtung gearbeitet habe und es jetzt weitgehend mit der politischen Karriere vorbei ist. 18 Jahre war er Bürgermeister, davor schon zwölf Jahre im Gemeinderat. Er war Bürgermeistersprecher im Landkreis, geblieben ist ein Sitz im Kreistag. Dort belegte er mit 53 628 Stimmen Platz zwei hinter Dr. Gerhard Hopp. Sein persönliches Fazit mit Blick auf die turbulente Zeit: „Der Wahlkampf war trotzdem wieder eine Lebenserfahrung. Ich habe neue Freunde gefunden und kann andere Bekannte jetzt anders einschätzen.“
Jetzt muss er, wie er sagt, erst einmal alles neu organisieren. Sein Versicherungsbüro in Furth im Wald läuft ja weiter. „Es wäre vermessen zu sagen, es macht mir gar nichts aus.“ Er lerne aber gerade, das Wissen zu schätzen, was ihm in Zukunft alles erspart bleibt. Er hatte sich vorgenommen, die Arbeit seines Vorgängers genau so weiterzuführen. Dazu gehöre Fleiß sowie persönlicher Einsatz, „weil ich weiß, was man den Bürgern schuldig ist“. Das bedeutet für ihn rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, Gewehr bei Fuß zu stehen. Feierabend um 19 Uhr hätte es da nicht mehr gegeben. Er wünsche sich einen neuen Landrat, der ebenfalls genau diese Werte lebt. Man sei enttäuscht, klar, aber inzwischen verkehre es sich ins Gegenteil. „Viele Dinge gehen mir nun viel leichter von der Hand, man muss nicht mehr auf alles und jeden aufpassen.“
Seine Frau habe am Wahlabend und danach natürlich mitgelitten. Doch inzwischen überwiege auch hier die Freude, schließlich wird es mehr Zeit für gemeinsame Stunden geben. Auch dieses Mehr an freier Zeit muss erst einmal mit Leben gefüllt werden. „Ich habe mir ein neues Rad gekauft“, lacht Multerer. Er plant eine große Radtour. Wohin, will er nicht verraten.
Dem Bürgermeisteramt trauert er letztlich auch nicht nach. Am Montagabend hat er seine letzte Sitzung geleitet. Er lernt zu schätzen, dass man nicht mehr in der Schusslinie steht. „Natürlich habe ich mir auch Feinde gemacht“, resümiert er und ergänzt, man könne es eben nie jedem Recht machen. Für ihn habe immer das Wohl der Gemeinde, nicht die einzelne Person im Vordergrund gestanden.
Der Erfolg spricht für ihn. Arnschwang zahlt nach Cham, Wald und Zandt die höchste Kreisumlage je Einwohner und hat sich damit vom Kellerkind zur Vorzeigegemeinde gemausert. Bei Amtsantritt lag die Pro-Kopf-Verschuldung bei 1500 Euro, heute hat man ein Pro-Kopf-Guthaben von 3000 Euro.
Gerade eben hat ein Unternehmen, das seinen Namen noch nicht in der Zeitung lesen will, gegenüber unserem Medienhauses bestätigt, dass es ins Gewerbegebiet Arnschwang umsiedeln will. Eine weitere Firma, die ihre angestammte Heimat verlässt, siedelt in unmittelbarer Nähe zur Bundesstraße 20.

In seiner Amtszeit wurden Gebäude wie der Kindergarten und die Bärenhöhle saniert. Er habe sich vor der letzten Gemeinderatsitzung eine Liste der Projekt gemacht, die in seiner Amtszeit umgesetzt wurden, und sei selbst überrascht gewesen, wie lang sie geworden ist. Gerade die Seniorenresidenz Bärenhöhle sei ein Vorzeigeprojekt: Es wurden ein Leerstand beseitigt und in Zeiten sinkender Wirtshausdichte Sozialräume geschaffen. Und: Das Haus trägt sich. „Es ist ein Musterprojekt, wie es im Buche steht.“
Michael Multerer ist mit sich im Reinen
Wenn er aber ein Objekt nennen soll, das ihm ganz besondere Freude bereitet, dann ist es das Wasserschloss. Natürlich hat der Gemeinderat zustimmen müssen, aber er hat im Vorfeld vehement dafür gekämpft, da es eigentlich abgerissen werden sollte. „Den Erfolg schreibe ich ausschließlich mir zu.“ Er sieht sich in seinem Kampf bestätigt, wenn er heute hört und sieht, wie es viel und gerne genutzt wird.Misserfolge wie die verlorene Landratswahl zu beurteilen, fällt nie ganz leicht: „Wir haben einen guten Wahlkampf gemacht.“ Vielleicht, überlegt er, lag es daran, dass seine Wähler bei der Stichwahl nicht mehr an die Urne gegangen sind.
Aber das ist schon heute Schnee von gestern: „Ich bin mit mir im Reinen, meine Frau auch.“ Arbeiten muss er noch, für die Rente reicht es nicht. Aber er freut sich darauf, dass jetzt mehr Zeit für andere Sachen bleibt.