Kleine Verlierer und ein großer Gewinner bei der Stadtratswahl in Bad Kötzting

Die Bürger der Stadt mussten sehr lange warten, bis es nach der Wahl ein Ergebnis gab: Erst gegen 4.30 Uhr am Montagmorgen wussten einige der Kandidaten erst, ob sie es in den Stadtrat von Bad Kötzting geschafft hatten oder nicht. Bei einigen fehlte es letztlich nur um wenige Stimmen.
Die größte Überraschung dürfte es wohl bei der Wahlparty der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) gegeben haben. Sie stellt künftig nicht mehr nur wie bislang drei, sondern fünf Stadträte. Listenführer Ludwig Kern kann sich außerdem auch darüber freuen, gleich nach Bürgermeister Markus Hofmann „Stimmenkönig“ geworden zu sein.
Der Stimmenkönig kommt aus der UWG
2921 Stimmen fielen schließlich auf ihn – fast 500 mehr als vor sechs Jahren. Noch größer sei aber natürlich der Stimmenzuwachs für die UWG, und der könne sich sehen lassen: Von rund 10 000 Stimmen im Jahr 2020 auf 18 000 Stimmen dieses Jahr, das sei ein Zuwachs von 75 Prozent.
Als Grund dafür sieht Kern „die ehrliche Sachpolitik in den vergangenen Jahren und einen Wahlkampf, der überzeugen konnte“. Nicht nur 100 Besucher bei der Wahlversammlung, sondern auch 500 000 Klicks für die Posts der UWG in den Sozialen Medien.




















Verloren hat hingegen die FW-Fraktion von Bürgermeister Markus Hofmann. Die Liste war mit acht Stadträten im Mai 2020 gestartet und verfügte nach dem Wechsel von Christina Wiesinger von der CSU zu den Freien Wählern sogar über neun Sitze am Ratstisch. Ab Mai dieses Jahres werden es nur noch sieben sein. Für Markus Hofmann ein Ergebnis, mit dem er „sehr zufrieden“ sei. Das Ergebnis entspreche dem bei seiner ersten Wahl 2014. Zum Verlust zweier Sitze könnte nach seiner Einschätzung beigetragen haben, dass nicht alle Wähler die mögliche Zahl ihrer Stimmen voll ausgeschöpft hätten. So seien bei höherer Wahlbeteiligung insgesamt weniger Stimmen bei der Stadtratswahl zusammengekommen. „Und wir mussten ja auch noch kompensieren, dass Wolfgang Pilz nicht mehr mit auf der Liste war“, gibt Hofmann zu bedenken.
„Ein Ergebnis, auf das man aufbauen kann.“
Ebenfalls verloren – wenn auch nur sehr knapp – hat die CSU einen Sitz. 2020 stellte sie noch vier Stadträte, nun sind es noch drei. Allerdings habe es nur um etwa zehn Stimmen gefehlt, gibt Carola Höcherl-Neubauer zu bedenken. CSU-Ortsvorsitzender Manfred Duschinger, der selbst nicht im Stadtrat vertreten sein wird, sieht das Ergebnis positiv. „Drei Plätze waren das Ziel und das ist erreicht worden“, sagt er. Der Ortsverband habe „stürmische Zeiten“ hinter sich gebracht im vergangenen Jahr. Man sei mit einer jungen Liste mit sehr engagierten Mitgliedern angetreten. Das sei etwas, „worauf man aufbauen“ könne.
Ebenfalls einen Sitz verloren hat die SPD. Der Ortsverband befindet sich mitten in einer Phase, in der auf zwei sehr erfahrene Stadträte neue Kandidaten folgen müssen. Mit 638 Stimmen ist Michael Roeßgen nicht nur erstmals in den Stadtrat von Bad Kötzting gewählt, sondern auch der einzige Vertreter für die SPD. „Wir hatten ja mit den Rücktritten von Wolfgang Kerscher und Reiner Treitinger einen großen Umbruch zu stemmen. Darum freuen wir uns über den unter diesen Umständen nicht ganz selbstverständlichen Zuspruch. Leider hat uns ein knapper Prozentpunkt für einen zweiten Sitz und somit zur Bildung einer Fraktion gefehlt, was wichtig ist, um bei den Ausschussbesetzungen berücksichtigt zu werden“, so Roeßgen.
Freude dürfte in Wettzell herrschen: Die Wettzeller Liste (WL) konnte die Zahl ihrer Sitze im Stadtrat verdoppeln und stellt nun zwei Mitglieder: Susanne Bergbauer und Peter Müller sitzen ab 1. Mai erstmals mit am Ratstisch. Zum wiederholten Male und „wenig überraschend“ haben Franz Gregori und Klaus Müller den Sprung über die Liste der Freien Wählergemeinschaft Zellertal in den Stadtrat geschafft. Damit komplettieren zwei sehr erfahrene Stadträte die Volksvertretung im Rathaus an der Herrenstraße – die ist übrigens so weiblich wie selten: Vier Frauen finden sich unter den Gewählten.