ÖPNV-Tour durch Regensburg: So sollen Busse das Stadtbahn-Aus auffangen

Zumindest beim VCD sorgt die Stadtbahn noch für Beschleunigung. Zehn Jahre ist es her, dass der Regensburger Ableger des Verkehrsclubs Deutschland eine Tour mit dem Öffentlichen Nahverkehr durch die Stadt organisiert hat. Mit dem Rad werden Problem- und Potenzialorte jährlich befahren, nun fand die zweite Auflage im Bus statt. Anlass ist die Frage, wie das Stadtbahn-Aus durch einen ÖPNV-Ausbau auf der Straße aufgefangen werden kann. Ein Zauberwort dabei lautet Pulkführerschaft.
Video aus dem November 2024
Die Reisegruppe aus Stadträten und Vertretern von Verwaltung, RVV, Vereinen und Hochschulen fuhr das Herzstück der angedachten Stadtbahn-Linien A und B ab: vom Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) an der Albertstraße über den Galgenberg zum kleinen Busbahnhof an der Universität, über die Bajuwarenstraße in die Landshuter Straße zum Stobäusplatz und zur Endstation am Schwanenplatz. Am Bus-Mikrofon erläuterten Stadtwerk-Mobilität-Betriebsleiterin Sandra Schönherr und VCD-Vorsitzender Wolfgang Bogie die Herausforderungen und Ideen im jeweiligen Streckenabschnitt.
Freie Fahrt aus Stadtnorden zu Hochschulen gefordert
Bogie kritisiert direkt nach Abfahrt an der Albertstraße, dass es „eine Linie A“ – also eine Durchfahrt vom Stadtnorden zu Universität, OTH und Bezirksklinikum – mit dem Bus so gar nicht gebe. Wendefahrten am ZOB würden in den allermeisten Fällen Zeit rauben. In südliche Richtung existiert eine Haltestelle an der D.-Martin-Luther-Straße. Die müsse beidseitig ausgebaut und vergrößert werden, um Platz für Doppelgelenkbusse oder zwei Fahrzeuge hintereinander zu schaffen.
Haltestelle Haydnstraße exemplarisch für viel Schlechtes
Während an der Haltestelle Hauptbahnhof Süd/Arcaden an der besseren Koexistenz von Busfahrgästen und Radfahrern gefeilt werden soll, sei der Busstop Haydnstraße am Galgenberg „exemplarisch für eine Haltestelle mit schlechter Fahrgastaufenthaltsqualität“: keine Barrierefreiheit, kein Witterungsschutz, keine Sitzgelegenheiten, kein digitaler Fahrplan mit Echtzeitinformation. Der Radweg überschneidet sich mit der kurzen Busbucht, die den Fußweg verengt.
Die Kapazität der Busse reicht einfach nicht aus. Wir brauchen mehr.Christoph Skornia, Vizepräsident der OTH zur Anbindung der Hochschulen
Die Strecke wird stark frequentiert, wie Christoph Skornia, Vizepräsident der OTH, betont: „Die Kapazität der Busse reicht einfach nicht aus. Wir brauchen mehr.“ Bogie stimmt zu: „Die Anbindung der Uni und der OTH an die Altstadt hat nie wirklich stattgefunden.“

Weiter in die Johann-Hösl- und Bajuwarenstraße: Dort seien eine Takterhöhung auf zehnminütliche Busanbindung und zusätzliche Haltestellen wünschenswert. Mit einem Geheft gab Bogie den mitfahrenden Stadträten seine Ideen an die Hand: „Jede dieser Seiten könnte ein Antrag im Stadtrat sein“ – etwa in Form eines Haltestellenausbauprogramms für Barrierefreiheit, komfortableren Aufenthalt und Verlängerung der Halteflächen. Bei Klaus Rappert (SPD) stieß er damit auf offene Ohren. „Wir müssen Haltestellen nicht nur in Sachen Ausstattung umbauen, sondern systematisch auch hinsichtlich des Verkehrsflusses.“
Die Stadtbahn hätte eine ganze Spur gebraucht. Mit dem Bus funktioniert der Platzraub charmanter.Sandra Schönherr, Betriebsleiterin Stadtwerk-Mobilität
Busse sollen an entsprechender Stelle nicht mehr in Buchten dem Individualverkehr Platz machen, sondern sich an sogenannte Haltestellenkaps am Fahrbahnrand Platz nehmen. Eingebettet in ein gesamtheitliches Konzept soll so der ÖPNV auch ohne Schiene beschleunigt werden – Zauberwort Pulkführerschaft.
Am Beispiel Landshuter Straße erläutert Schönherr, dass Haltestellen am Fahrbahnrand idealerweise direkt vor Ampelanlagen angesiedelt werden. Während der Rotphase steigen Fahrgäste ein und aus, bei Grün startet der Bus als erster – als Pulkführer – in den fließenden Verkehr. „Busse bestimmen das Tempo“, sagt sie. Während Bogie beim Erwähnen des negativen Bürgervotums zur Stadtbahn nicht ohne das Wörtchen „leider“ auskommt, betont Schönherr als Vorteil der straßengebundenen ÖPNV-Beschleunigung: „Die Stadtbahn hätte eine ganze Spur gebraucht. Mit dem Bus funktioniert der Platzraub charmanter.“ Die Fahrspur würde von Auto- und Busverkehr geteilt.
Werden die Busse so schnell wie in Straßburg?
Zeitnah umzusetzen ist das alles wohl nicht. Ampeln müssen straßenzugweise auf intelligente Systeme umgestellt werden, die Strecke sei in ihrer jeweiligen Gesamtheit zu betrachten. Die Lage von Haltestellen und Abbiegespuren, das Verkehrsaufkommen sowie viele weitere Faktoren gelte es zu berücksichtigen. Die Grundlagen seien vorhanden, doch auf die Stadt komme noch eine „große investive Maßnahme“ zu.
Der Wille zur ÖPNV-Beschleunigung war den Stadträten – zumindest den bei der Bus-Tour mitfahrenden – anzumerken. Man müsse bei Haltestellenkaps dafür sorgen, dass sich Radfahrer und Busfahrgäste nicht ins Gehege kommen, merkte Helene Sigloch an. Grundsätzlich ist die Grünen-Stadträtin vom Beschleunigungspotenzial überzeugt: „Den Effekt haben wir schon in Straßburg gesehen.“ Auch nach Frankreich unternahmen die Stadträte unlängst eine ÖPNV-Tour zur Ideensammlung.