Ein Jahr nach dem Aus für die Stadtbahn: Kommen nun die Super-Busse in Regensburg?

Seit einem Jahr wird mit Spannung erwartet, mit welcher Alternative die Stadt Regensburg den Öffentlichen Personennahverkehr fit für die Zukunft machen will. Oder ob einfach alles so bleibt wie bisher. Die Verwaltung hat das Geheimnis nun gelüftet und in einer Vorlage für den Stadtrat ihre Ideen zusammengetragen.
Ein Bus der Linie 1 tuckelt gerade die Sandgasse hinunter. Er ist gut besetzt, doch nicht überfüllt. Die Frau, die an der Haltestelle Memeler Straße mit zwei Einkaufstüten sitzt und auf ihn wartet, wird auf jeden Fall noch einen Sitzplatz bekommen. Doch wie wird das in ein paar Jahren sein? Genau hier könnte die neue Super-Busroute entstehen – wenn der Plan der Stadtverwaltung Wirklichkeit wird.
Vor etwas mehr als einem Jahr stimmte die Mehrheit der Regensburger beim Bürgerentscheid gegen den Bau einer Stadtbahn. Seitdem wird mit Spannung erwartet, mit welcher Alternative die Stadt den Öffentlichen Personennahverkehr fit für die Zukunft machen will. Oder ob einfach alles so bleibt wie bisher. Die Stadtverwaltung hat das Geheimnis nun gelüftet und in einer Vorlage für den Stadtrat ihre Ideen zusammengetragen.
Der Grundgedanke dabei scheint, dass auf den Linien, die für die Stadtbahn vorgesehen waren, neue, komfortable und einladende Busse eingesetzt werden. Die Pilotstrecke soll die einst als Linie A titulierte Trasse der anvisierten Stadtbahn vom Regensburger Norden in den Süden sein. Und die Fahrzeuge sollen „ein spezielles Design und eine markante Optik aufweisen, die das moderne und hochwertige Image des neuen Bussystems unterstreicht“, wie es in dem Bericht der Stadtverwaltung heißt. Das neue Bussystem soll sich vom bestehenden klar abgrenzen.
Das Motto scheint: mit Super-Bussen in eine bessere Verkehrszukunft. Mit dieser Vision würde Regensburg nach Angaben der Verwaltung Neuland betreten – zumindest in Deutschland. Bundesweit gebe es bisher nämlich „kein hochwertiges Bussystem moderner Prägung wie im europäischen Ausland“. Dies stelle einerseits ein gewisses Risiko dar, „andererseits besteht darin aber auch die Chance der Entwicklung eines Modellprojekts“.
Könnte es Förderung geben?
Ob die Stadt das Ganze – als Kostenrahmen ist ein dreistelliger Millionenbetrag im Gespräch – selbst finanzieren muss, scheint noch offen. Bislang gibt es in Deutschland für diesen Ansatz beim ÖPNV keine Fördermöglichkeiten, teilt die Verwaltung mit. Würde Regensburg aber wirklich als Modellprojekt geführt werden, könnte es der Stadt zufolge möglicherweise finanzielle Unterstützung geben.
Nicht zuletzt wird es aber wohl darauf ankommen, ob das Projekt auch von der Bevölkerung unterstützt wird. Die Stadt kündigt an, die Bürger früh einbinden zu wollen. Und sie müsste dabei wohl auch die Menschen überzeugen, die einst heißblütig gegen die Stadtbahn gekämpft hatten. Insbesondere im Regensburger Norden. Hier in der Sandgasse etwa stellte sich Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer einmal bei einem Ortstermin wütenden Anwohnern. Die protestierten gegen die Kosten, gegen die Baumfällungen, gegen Straßenbaumaßnahmen – und erreichten mit dem Aus der Stadtbahn letztlich ihr Ziel. Doch wie werden die Kritiker von damals auf das neue Konzept reagieren? In den Bussen hier sitze sowieso niemand, es brauche überhaupt nichts Neues, brüllte damals einer der Protestierenden.
„Es ist doch egal, welche Farbe der Bus hat, ob er gelb oder rosa ist
CSU-Fraktionschef Michael Lehner
CSU-Politiker Michael Lehner, Chef der größten Fraktion im Stadtrat, stellt sich ebenfalls die Frage, wie ausgelastet die Busse im Regensburger Norden wirklich sind: „Ist das hier wirklich überfrachtet? Da hätte ich gerne noch mehr Daten dazu.“ Er persönlich glaubt, dass „die eigentlichen Probleme doch in der Verbindung von Ost nach West liegen“. Dies sei eine der Kernfragen, die jetzt erst noch beantwortet werden müssten. Nicht entscheidend sei für ihn dagegen das anvisierte Markendesign: „Es ist doch egal, welche Farbe der Bus hat, ob er gelb oder rosa ist. Das kostet ja auch alles was, deswegen würde ich hier eher sparsam mit unseren Ressourcen umgehen und in erster Linie das Geld dafür ausgeben, dass das Verkehrsnetz besser wird.“
Grünen-Politikerin Maria Simon, Fraktionschefin der zweitgrößten Gruppe im Regensburg Stadtrat, ist hier ähnlicher Meinung. Das Design sei „die nachrangigste Frage“, sagt sie, „aber vielleicht kann man ja hier auch etwas von den Ergebnissen der einstigen Stadtbahnplanung verwenden“.
Den Staus entgehen
Anderer Ansicht ist sie bei der Auswahl der Pilotstrecke. Schon bei der Stadtbahn-Planung sei auf der Nord-Süd-Trasse „ein hohes Verkehrsaufkommen benannt worden, insofern ist es nachvollziehbar, dass hier begonnen wird“.
Die Stadt wird ohnehin noch eine ganze andere Frage beantworten müssen: Was bringen neue Super-Busse, wenn die im Stau stecken bleiben? Deswegen soll geprüft werden, heißt es, wo der Busverkehr räumlich getrennt laufen könne. Oder auch, wo es elektronische Richtungswechselspuren bei Flächenknappheit geben könne. Oder ob ein sogenannter „digital-traffic-Pilot“ zur Geschwindigkeitssteuerung bei der Fahrt etwas bringt.