Ein Hauch von Südtirol: Ex-Ministerin Emilia Müller aus Bruck bereitet gern Schlutzkrapfen zu

Von Cornelia Lorenz · 19. April 2026 um 05:00

In der Region kennt man Emilia Müller aus Bruck als engagierte Politikerin – zum Beispiel als ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete, bayerische Sozialministerin oder Europaparlamentarierin. Doch dass die CSU-Politikerin auch eine hervorragende Köchin ist, ist weit weniger bekannt. Die Mittelbayerische durfte der 74-Jährigen bei der Zubereitung eines ihrer Lieblingsrezepte in ihrer heimischen Küche über die Schulter schauen.

Video ansehen

Von klein auf ist Müller im Brucker Ortsteil Hinderrandsberg zuhause. Ihre Eltern hatten dort früher einen Bauernhof und ein Fuhrunternehmen. 1983 bauten sich Emilia Müller und ihr Mann Erich in dem kleinen Dorf schließlich auch ihr Eigenheim.

Ihre ersten Lehrstunden in der Küche erhielt Müller als junges Mädchen von ihrer Mutter. „Sie war eine Spitzenköchin. Sie hat uns immer eingebunden – und ich habe da auch gern mitgemacht“, erinnert sich Müller.

Perfektioniert hat die CSU-Politikerin und staatlich geprüfte Chemotechnikerin ihre Fähigkeiten am Herd nach der Geburt ihrer Kinder, als sie Mitte der 1980er Jahre eine mehrjährige Familienpause einlegte: Diese Phase nutzte sie damals unter anderem, um eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin zu absolvieren, die sie mit der Meisterprüfung abschloss. Ihr Wissen gab sie später gern bei Kochkursen weiter.

Moderne Küchengeräte sind ihr nicht wichtig

Beim Kochen sei sie sehr locker, sagt Müller über sich selbst. Gerne wandle sie Rezepte ab und freue sich dann über das Ergebnis. Gleichzeitig sei aber sie eine sehr traditionelle Köchin und komme gut mit ihrer bisherigen Küchenmaschine und ihrem Pürierstab durch den Kochalltag. „Viele moderne Gerätschaften finde ich unnütz“, sagt sie.

Die Teigtaschen erinnern optisch an Ravioli. - Foto: Lorenz

Im Hause Müller wird täglich frisch gekocht. „Ich bin da ganz spontan und eine gute Resteverwerterin“, sagt die ehemalige Staatsministerin. Fleisch komme bei ihr eigentlich wenig auf den Tisch, aber wenn, dann lege sie Wert auf gute Qualität. Freimütig räumt sie auch ein, dass ihr Mann manche Gerichte, etwa ein Steak, besser hinbekomme als sie.

Emilia Müller mag keine dicken Soßen

Am meisten Freude hat Müller beim Kochen, wenn sie nicht unter Zeitdruck steht und Familie und Freunde mit am Tisch sitzen. Im Alltag dagegen muss es bei ihr zügig gehen. Am liebsten sei ihr, wenn das Essen nach maximal einer Stunde auf dem Tisch stehe, sagt Müller.

Gibt es für sie persönlich ein No-Go in der Küche? „Ich mag keine dicken, fetten Soßen. Ich will doch sehen, was ich da esse“, erzählt sie schmunzelnd. Überhaupt nicht anfreunden kann sich die 74-Jährige auch mit Polenta – ihr Mann dafür umso mehr. Er ist gebürtiger Südtiroler und hat diesen Einfluss mit nach Hinterrandsberg gebracht.

Zubereitung erfordert Fingerspitzengefühl

Ein Gericht, das Emilia Müller deshalb gern zubereitet, sind Südtiroler Schlutzkrapfen, eine regionale Nudelspezialität. Schlutzkrapfen ähneln ein wenig den italienischen Ravioli. Die halbmondförmigen Teigtaschen erfordern bei der Zubereitung ein gewisses Fingerspitzengefühl, doch Emilia Müller gehen sie leicht von der Hand.

Ich habe alles in meinem Leben immer mit Leidenschaft gemacht.Emilia Müller, CSU-Politikern

Für den Teig gibt man zunächst Mehl kranzförmig auf ein Nudelbrett. Man verquirlt Eier mit Milch und einer Prise Salz, gießt die Masse in die Mitte des Mehlkranzes und verknetet alles zu einem glatten Teig. Diesen wickelt man in eine Klarsichtfolie und lässt ihn mindestens 30 Minuten ruhen.

Mit dem Nudelholz möglichst dünn ausrollen

Für die Füllung muss der Spinat fein gehackt werden. Zwiebel und Knoblauch schneidet man in feine Scheiben und quetscht sie mit dem Messer und dünstet sie in der Butter. Dazu kommt der Spinat. Wenn die Masse etwas ausgekühlt ist, fügt man Quark, Parmesan und Schnittlauch dazu und würzt und verrührt alles gut mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss.

Um die Schlutzkrapfen zu formen, muss man den Teig mit der Nudelmaschine oder dem Nudelholz dünn ausrollen und möglichst schnell verarbeiten, damit er nicht austrocknet.

Schlutzkrapfen werden fünf Minuten lang in Salzwasser gekocht

Zunächst sticht man mit einem runden glatten Ausstecher oder einem Weinglas mit rund sieben Zentimeter Durchmesser den Teig aus und gibt in die Mitte mit zwei kleinen Löffeln ein wenig Füllung. Anschließend faltet man den Teig halbmondförmig zusammen. Es ist wichtig, die Ränder gut anzudrücken und gegebenenfalls vorher mit Wasser zu bepinseln, damit der Teig gut zusammenhält.

Anschließend werden die Schlutzkrapfen rund fünf Minuten in Salzwasser gekocht, angerichtet und anschließend mit warmer bräunlicher Butter, Parmesan und Schnittlauch serviert. Im Hause Müller ist das eine beliebte Vorspeise für ein Hauptgericht wie etwa Saltimbocca mit gratinierten Kartoffeln. Das gemeinsame Essen mit Familie und Freunden ist für Emilia Müller und ihren Mann ein Genuss – doch die Vorarbeit in der Küche macht ihr ebenfalls Freude. „Ich habe alles in meinem Leben immer mit Leidenschaft gemacht“, sagt sie.

Das sind die Zutaten

Um Südtiroler Schlutzkrapfen für vier Personen zuzubereiten, braucht man für den Teig 500 Gramm Weizenmehl, drei Eier, 70 Milliliter lauwarme Milch und eine Prise Salz.

Für die Füllung benötigt man 250 Gramm gekochten Spinat, eine mittelgroße Zwiebel, eine Knoblauchzehe, 150 Gramm Quark (20 Prozent Fett), einen Esslöffel Parmesan, einen Esslöffel Schnittlauch, eine Messerspitze Muskatnuss, Pfeffer aus der Mühle und Salz.