Knochenfund in Graben bei Schwandorf: Neues Gutachten widerlegt Todesmarsch-Theorie

Von Philipp Breu · 17. April 2026 um 16:43

Noch immer ist das Rätsel über den mysteriösen Knochenfund neben einem Solarfeld im Schwandorfer Ortsteil Fronberg nicht abschließend gelöst. Aber es gibt nun neue Erkenntnisse: Wissenschaftler aus Kiel haben das Alter des Skeletts bestimmt – und damit eine Theorie widerlegt, die sich bislang hartnäckig hielt.

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Wie berichtet, hatten Bauarbeiter im September 2025 die Skelettteile ans Tageslicht befördert. Sie waren gerade dabei, zwischen Fronberg und dem nahegelegenen Pendlerparkplatz ein neues Starkstromkabel zu verlegen, als plötzlich auf Höhe des Solarparks Knochen zum Vorschein kamen. Rippen, Gelenkköpfe, Reste eines Schädels und ein Kiefer, in dem noch Zähne steckten, wurden nach und nach freigelegt.

Die Skelettteile waren gut erhalten. Auch ein Kiefer war zu erkennen. - Foto: Martin Kellermeier, Archiv

Schnell war klar, dass es sich dabei um menschliche Überreste handelt. Mehrere Gutachten wurden erstellt. Diese kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass der Mensch, der hier unentdeckt im Erdreich lag, ein Mann war. Das Alter der Knochen schätzten die Forscher zunächst auf mehrere Jahrzehnte aber unter 100 Jahre. Doch dieses vorläufige Ergebnis wurde durch Nachforschungen nun revidiert.

Person hat wahrscheinlich zwischen 1700 und 1800 gelebt

Wie das Polizeipräsidium Oberpfalz auf Nachfrage der MZ schildert, hat die Kriminalpolizei Amberg ein weiteres Gutachten für eine Altersbestimmung des gefundenen Skeletts beim Leibnizinstitut in Kiel in Auftrag gegeben. Dieses ergab nun, dass die Person zwar vor 1953, aber mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zwischen 1700 bis 1800 gelebt habe. Damit ist das Skelett höchstwahrscheinlich älter als zunächst angenommen. Und damit dürfte auch eine Theorie ausscheiden, die lange plausibel klang.

Nachdem die MZ exklusiv über den Fund in der Böschung neben der Kreisstraße SAD 22 berichtet hatte, gab es mehrere Erklärungsversuche, wie die menschlichen Überreste dorthin gelangt waren. Der benachbarte Waldfriedhof lieferte ebenso einen Ansatz, wie zurückliegende Bauarbeiten entlang der Straße, bei denen die Knochen theoretisch bereits im Auffüllmaterial geschlummert haben könnten. Auch aktuelle Vermisstenfälle waren kurzzeitig denkbar, doch aufgrund des zunächst angenommen Alters der Knochen eher unwahrscheinlich.

Die Polizei hatte den Fundort abgesperrt. Auch zivile Ermittler des Kriminaldauerdienstes waren vor Ort. - Foto: Martin Kellermeier, Archiv

Der Schwandorfer Michael Fleischmann, der die Berichterstattung aufmerksam verfolgte, lieferte Monate später einen neuen Erklärungsansatz, der sich bislang hartnäckig hielt. Der Heimatforscher hat die Geschichte der Gefallenen, Vermissten und der Opfer des Nationalsozialismus aus der Region intensiv erforscht und in seinem Buch mit dem Titel „Ich hatt’ einen Kameraden“ festgehalten. Nachdem der Schwandorfer zunächst gelesen hatte, dass die Knochen zwar mehrere Jahrzehnte aber nicht älter als 100 Jahre alt sein sollen, hielt er es für durchaus plausibel, dass es sich um ein Relikt der sogenannten Todesmärsche handeln könnte.

Knochen im Straßengraben stammen wohl nicht von einem KZ-Häftling

Denn vor ungefähr 80 Jahren trieben Hitlers Schergen mehr als 40.000 Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg (Landkreis Neustadt/Waldnaab) auf lange Fußmärsche in Richtung Süden – also auch in den Landkreis Schwandorf. Eine der Routen, die sogenannte Todesmarschroute „F“, führte laut Fleischmann entlang der Gemeindefluren von Fronberg.

Die Wege waren weit, die kriegsgebeutelten Menschen extrem geschwächt. Auf diesem Marsch soll mindestens ein KZ-Häftling in den Fronberger Gemeindefluren verstorben sein. Dieser sei auch aktenkundig dokumentiert worden – und sei der bislang einzig bekannte Todesfall in diesem Bereich. „Trotz allem ist es durchaus möglich, dass in den Fronberger Fluren noch weitere unentdeckte Opfer des Nationalsozialismus ruhen“, schrieb der Heimatforscher damals an die MZ.

Rückblick in eine dunkle Zeit: Vor rund 80 Jahren kamen die Amerikaner in den Landkreis Schwandorf, unter anderem nach Neunburg vorm Wald. Die Alliierten erfuhren von verscharrten KZ-Häftlingen eines Todesmarsches aus Flossenbürg, ordneten ihre Exhumierung durch die Neunburger an und organisierten einen Trauerzug durch die Stadt. - Foto: Schwarzachtaler Heimatmuseum

Doch das neue Gutachten zum Alter der Knochen widerlegt diese Theorie nun. „Der Zusammenhang mit dem Todesmarsch, der 1945 über Fronberg stattfand, kann nicht gänzlich aber eher ausgeschlossen werden“, ordnet Polizeisprecher Jonas Krauß ein. Weitere Ermittlungen würden nun mit der Staatsanwaltschaft abgestimmt. Ob und wann das Rätsel über den Knochenfund im Straßengraben bei Fronberg gelöst werden kann, bleibt ungewiss.