Wie kamen menschliche Knochen in Straßengraben bei Schwandorf? Es gibt mehrere Theorien

Von Philipp Breu, Martin Kellermeier · 12. September 2025 um 17:02

Nachdem am Donnerstag Teile eines menschlichen Skeletts bei Fronberg gefunden worden waren, wird im Landkreis Schwandorf weiter gerätselt, wie die Knochen überhaupt unter der Erde im Graben neben der Kreisstraße landen konnten. Wie lange lagen sie dort schon? Eine Baustelle aus dem Jahr 2018 könnte Antworten liefern.

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Wie berichtet, waren Bauarbeiter auf die Knochen gestoßen und hatten umgehend die Polizei alarmiert. Die Firma war gerade dabei, zwischen Fronberg und dem nahe gelegenen Pendlerparkplatz ein neues Starkstromkabel zu verlegen, als auf Höhe des Solarparks der Fund ans Tageslicht kam.

Beamte des Kriminaldauerdienstes wurden hinzugezogen, um die weiteren Ermittlungen zu übernehmen. Denn schnell war klar, dass es sich bei den freigelegten Knochen um die sterblichen Überreste eines Menschen handeln muss.

Die Rechtsmedizin ist nun am Zug

Die Knochen sind inzwischen zur Rechtsmedizin gebracht worden. Dort soll laut Polizeisprecherin Melanie Bäumler unter anderem das Alter der Skelettteile und das Geschlecht des oder der Toten bestimmt werden. Auch ein DNA-Abgleich mit offenen Vermisstenfällen solle erfolgen. „Wir warten das Ergebnis der Rechtsmedizin ab. Das wird nach ersten Schätzungen frühestens Anfang übernächster Woche da sein“, teilte Bäumler mit. Daneben seien weitere Grabungen an der Fundstelle geplant.

Die Polizei hatte den Fundort abgesperrt. Auch zivile Ermittler des Kriminaldauerdienstes waren vor Ort. - Foto: Martin Kellermeier

Bereits während des Polizeieinsatzes beim Solarpark schätzte ein anwesender Archäologe mit Blick auf die beim Straßenausbau aufgeschüttete Böschung, dass die Knochen „maximal 100 Jahre“ alt sein dürften.

Doch können die Knochen tatsächlich über Jahrzehnte neben der Kreisstraße unentdeckt vergraben gewesen sein? Schließlich wurde an der Fundstelle zuletzt erst 2018 gearbeitet. Damals ließ ein Mobilfunkanbieter ein Breitbandkabel verlegen. Dieses sollte etwa 1,50 Meter vom Fahrbandrand entfernt und in einer Tiefe von bis zu einem Meter vergraben werden. „Bei solchen Arbeiten werden in der Regel Rohrgräben mit bis zu einer Breite von 0,60 Metern ausgehoben und dann mit demselben Material wieder verfüllt“, erklärte Christian Meyer, Sachgebietsleiter am Landratsamt Schwandorf, auf Nachfrage der MZ.

Ein Baggerfahrer aus der Region hält es für unwahrscheinlich, dass die Knochen bei derartigen Arbeiten unentdeckt blieben, sofern sie denn damals schon unter der Erde waren. „Das hätte definitiv auffallen müssen“, stellte der Mitarbeiter einer Baufirma fest.

Baufirma handelte vorbildlich

Es komme aber freilich immer darauf an, wie behutsam der jeweilige Baggerfahrer vorgeht. „Wer sauber arbeitet, trägt das Erdreich etwa in Zehn-Zentimeter-Schichten ab. Man macht nicht mit voller Wucht die Schaufel auf einmal voll“, sagte er. Die Firma, die nun den Knochenfund machte, habe also vorbildlich gearbeitet. „Und dass sie dann auch gleich noch die Polizei gerufen haben, war absolut richtig“, erklärte der Baggerfahrer.

Daneben gibt es noch weitere Theorien, wie die Knochen im Straßengraben bei Fronberg gelandet sein könnten. Eine davon beschäftigt sich mit dem Waldfriedhof, der sich in der Nachbarschaft des Solarparks befindet. Hat ein Tier möglicherweise die Knochen von dort zum jetzigen Fundort geschleppt und verscharrt? Ein erfahrener Jäger aus der Region winkt ab. „Dass es ein Wildtier war, ist zu 99 Prozent ausgeschlossen – und schon gar nicht aus einer Grabstelle“, sagte der Waidmann. Wenn überhaupt, dann käme nur der Fuchs in Frage. „Er vergräbt seine Beute maximal 20 Zentimeter tief. Meistens überdeckt er das Futter nur mit Laub oder Humus“, erklärte der Jäger.

Der Eingang zum Waldfriedhof bei Fronberg liegt nur wenige hundert Meter von der Fundstelle entfernt.

Auch die Möglichkeit, dass hinter dem Knochenfund tatsächlich ein Vermisstenfall oder gar eine Straftat steckt, ist nicht ausgeschlossen. Die Kriminalpolizeiinspektion Amberg will Licht ins Dunkel bringen. „Es wird in alle Richtungen ermittelt“, versicherte Polizeisprecherin Bäumler.