Nachtfahrverbot für Mähroboter: Chams Landrat vertraut auf Vernunft der Menschen

Von Sabrina Kauer · 17. April 2026 um 15:00

Was Jochen Surel in seinem Heimatlandkreis Schwandorf durchgesetzt hat, will er nun auch im Landkreis Cham erreichen: ein Nachtfahrverbot für Mähroboter. Die Unterstützung, die er dafür vonseiten des Chamer Landratsamts bekommt, ist bescheiden. Dennoch sind sich der Tierschützer und Landrat Franz Löffler in einem Punkt einig.

Video ansehen

Mähroboter richten bei kleinen Tieren großen Schaden an. Abgetrennte Ohren und Gliedmaßen, zerschnittene Augen und tiefe Fleischwunden, in die sich Parasiten einnisten, sind nur einige Beispiele dafür, was Igeln passieren kann, wenn sie auf Beutejagd gehen. Die Säugetiere sind nachtaktiv. Deshalb fordert Surel ein Nachtfahrverbot für Mähroboter, damit die Tierchen, wenn sie nachts auf der Suche nach Regenwurm und Co. durch die Gärten füßeln, nicht von der Maschine verletzt oder gar getötet werden.

Lesen Sie dazu auch: Kommentar zum Nachtfahrverbot für Mähroboter im Kreis Cham zum Schutz der Igel

Im Landkreis Schwandorf hatte es der selbstständige Landschaftsgärtner unter anderem mit Informationsveranstaltungen und 2200 gesammelten Unterschriften geschafft, das Nachtfahrverbot durchzusetzen, sodass dieses dort am 23. Januar in Kraft getreten ist. Seither sind die Betriebszeiten für die Mähroboter klar geregelt.

Es ist erschreckend, wie unwissend die Leute sind. Es ist vielen nicht bewusst, dass Igel und weitere Tiere von Mährobotern geschreddert werden.Tierschützer Jochen Surel
Tierschützer Jochen Surel - Foto: Sabrina Kauer/Archiv

Nachdem die CSU, die Freien Wähler und die AfD im Bayerischen Landtag Anfang des Jahres einen Gesetzesentwurf der Grünen abgelehnt hatten, in dem ein Nachfahrverbot von Mährobotern gefordert wurde, sei für Jochen Surel einmal mehr klar gewesen, selbst tätig zu werden, um die Regelung auch im Kreis Cham durchzubringen.

Keine Rückmeldung der Chamer Behörde

So habe er dem Landratsamt Cham einen Antrag für sein Anliegen geschickt, in dem er die entsprechenden Paragrafen (siehe Infokasten) aufgeführt hatte, erklärt der Tierschützer im Gespräch mit unserem Medienhaus. Eine Rückmeldung der Behörde habe es daraufhin nicht gegeben, sagt Jochen Surel.

Die Pressestelle des Landratsamts Cham bestätigt auf Nachfrage, dass sich Jochen Surel „mit dem Anliegen eines Nachtfahrverbots für Mähroboter an Landrat Franz Löffler gewandt hat“. Und weiter: „Dass durch Mähroboter nachts kleinere Tiere, unter anderem Igel, verletzt werden können, sehen wir durchaus – auch wenn sich die bei Tierärzten im Landkreis behandelten Tiere aktuell auf wenige Einzelfälle pro Jahr beschränken. (...) Grundsätzlich ist es positiv, wenn diese Thematik nun verstärkt ins Bewusstsein der Bevölkerung gelangt.“ Dieser Punkt ist auch für Jochen Surel wichtig. Im Kreis Cham will er deshalb Informationsabende veranstalten.

In Roding hat er nach eigener Aussage bereits zwei Vorträge beim Bund Naturschutz gehalten. In den kommenden zwei bis drei Wochen wolle er auch an einem Stand am Chamer Marktplatz über das Leid der Igel informieren. „Es ist erschreckend, wie unwissend die Leute sind. Es ist vielen nicht bewusst, dass Igel und weitere Tiere von Mährobotern geschreddert werden“, sagt Jochen Surel.

Die Ansicht, dass vielen Leuten nicht bewusst ist, was die Mähroboter anrichten können, teilt auch das Landratsamt. „Landrat Franz Löffler ist sich sicher, dass kaum jemand seinen Mähroboter mit böser Absicht nachts fahren lässt, sondern eher aus Unwissenheit“, schreibt die Behörde.

Der Landrat appelliert: „Wer einen Rasenmähroboter besitzt, sollte sich die Frage stellen, ob sein Roboter wirklich nachts fahren muss. Die Geräte verfügen über Zeitprogramme – man muss diese nur entsprechend einstellen.“ Zudem würde der Landkreis durch Aufklärung zum Schutz kleinerer Tiere wie des Igels beitragen und dazu bereits seit Jahren Beratung zu Biotopverbund und naturnaher Gartengestaltung anbieten.

Gleiche Problemlage, unterschiedliche Regelungen

Dennoch stelle sich die Frage, „ob mit zusätzlichen Regelungen tatsächlich ein Mehrwert für die Tiere entsteht. Aktuell sehe ich diesen nicht. Und auch Bund und Freistaat jedenfalls halten ein rechtliches Eingreifen ganz offenbar nicht für erforderlich. Der Freistaat Bayern hätte den Einsatz von Mährobotern im Bayerischen Naturschutzgesetz regeln können. Der Bund könnte dies über die Vorschriften zum Allgemeinen Artenschutz im Bundesnaturschutzgesetz tun. Beides ist bislang nicht erfolgt“, wird Landrat Franz Löffler weiter zitiert.

Ich rate daher dazu, Schritt für Schritt vorzugehen und zunächst auf die Vernunft der Menschen zu vertrauen.Landrat Franz Löffler
Landrat Franz Löffler - Foto: Thomas Zierer/Archiv

Es besteht die Gefahr, dass trotz gleicher Problemlage ein „Flickenteppich“ unterschiedlicher Regelungen auf Landkreisebene entsteht, so Löffler.

Sollte eine neue Allgemeinverfügung im Landkreis Cham eingeführt werden, bedeute das mehr bürokratischen Aufwand. Zudem stellt sich der Landrat die Frage, wer die Einhaltung des Nachtfahrverbots kontrolliert – oder ob am Ende Nachbarn ihre Nachbarn überwachen.

Löffler weist darauf hin, dass einige Kommunen bereits solche Regelungen eingeführt haben, diese aber noch am Anfang bei der Bewertung der Wirksamkeit stehen. Dabei zeige sich, dass die Umsetzung kompliziert ist, kaum Sanktionen möglich sind und viele Ausnahmen berücksichtigt werden müssen.

„Ich rate daher dazu, Schritt für Schritt vorzugehen und zunächst auf die Vernunft der Menschen zu vertrauen. Informieren wir gemeinsam – Umweltverbände, Garten- und Landschaftsbauer, Obst- und Gartenbauvereine, aber auch Verkaufsstellen – sachlich über dieses Thema und bewirken so eine dauerhafte Veränderung“, sagt der Landrat.

Aktion im Kreis Cham und Gesetzesgrundlage

■ Kontakt: Wenn sich Privatpersonen und Organisationen der Aktion von Jochen Surel im Landkreis Cham anschließen wollen, können sie sich unter Tel. (0 94 31) 4 28 55 oder 01 71 / 2 81 40 83 an ihn wenden.

■ Unterschriften sammeln: Privatpersonen und Organisationen können zudem auch Unterschriften sammeln. Die Listen sollen an Jochen Surels Adresse geschickt werden: Bahnweg 7, 92421 Schwandorf.

■ Aktion in Walderbach: Am Samstag, 18. April, sammelt Surel von 9 bis circa 12.30 Uhr Unterschriften auf dem Edeka-Parkplatz in Walderbach.

■ Zu Vorträgen einladen: Ob Bund Naturschutz, Imker- oder Wanderverein, Jochen Surel stellt sich für Vorträge rund um Igel und Mähroboter im Landkreis Cham zur Verfügung. „Die Leute können sich gerne bei mir melden“, sagt er.

■ Gesetz: Der Tierschützer führt das Bundesnaturschutzgesetz mit § 39 und § 44 an, in denen der Schutz von Wildtieren geregelt ist. Verstöße können mit Geldbußen bis zu 50 000 Euro geahndet werden.