Angstzone Unterführung: Versuchte Vergewaltigung weckt böse Erinnerungen in Regensburg

Die Unterführung in der Landshuter Straße im Regensburger Kasernenviertel macht immer wieder Schlagzeilen – zuletzt kam es dort am Donnerstag zu einer versuchten Vergewaltigung. Nicht der erste Fall in den vergangenen Jahren. Ein mutmaßlicher Täter einer Vergewaltigung in der Vergangenheit ist bis heute nicht gefunden – und ein anderer Fall sorgte gar bundesweit für Aufsehen.
Es ist der vergangene Donnerstag. 4 Uhr. Zum Sonnenaufgang sind es noch zwei Stunden und 40 Minuten. Nur einige Lampen spenden Licht im Dunkel der Unterführung in der Landshuter Straße. Eine 24-jährige Deutsche geht den Weg entlang. Das kann man später im Polizeibericht nachlesen. Der jungen Frau kommen zwei Männer entgegen. Ein 30-Jähriger und ein 25-Jähriger. Beide stammen aus Tunesien. Sie sollen, so schreiben es die Beamten, „gemeinschaftlich auf das Opfer eingewirkt haben“. Sie sollen versucht haben, die junge Frau sexuell zu bedrängen. Die 24-Jährige konnte zu einer nahegelegenen Tankstelle flüchten. Von dort rief sie die Polizei. Sie erlitt leichte Verletzungen.
Die Einsatzkräfte eilten an den Tatort – und tatsächlich: Polizisten fanden die beiden Tatverdächtigen in unmittelbarer Nähe. Die beiden Nordafrikaner wurden vorläufig festgenommen. Die Polizei begann mit umfangreichen Spurensicherungsmaßnahmen. Gegen die beiden Tatverdächtigen wird nun wegen des Verdachts einer versuchten Vergewaltigung ermittelt. Ein Ermittlungsrichter am Amtsgericht Regensburg erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Regensburg zwei Untersuchungshaftbefehle. Die Männer sitzen im Gefängnis.
Mehrere Sexualdelikte in einer Unterführung in Regensburg
Die Unterführung an der Landshuter Straße macht damit nicht zum ersten Mal Schlagzeilen mit einem Sexualdelikt. Ein Fall aus dem September 2021 sorgte dabei für besonders großes Aufsehen in der Stadt. An einem Samstagabend gegen 23.50 Uhr war eine damals 38-Jährige dort unterwegs. In der Nähe einer Tankstelle, so schilderte es die Polizei damals in einer Pressemitteilung, wurde die Frau von einem unbekannten Mann angesprochen. Dieser ging sie an und rang sie bei der Unterführung zu Boden. Dort soll er sie dann vergewaltigt haben.

Die Frau schrie um Hilfe. Passanten wurden auf die Lage aufmerksam. Der Täter flüchtete. Bis heute fehlt von ihm jede Spur, wie die Polizei der MZ nun auf Anfrage bestätigte. Die Beamten ließen im September 2021 wenig unversucht, um den Täter ausfindig zu machen. Polizisten gingen vor Ort von Tür zu Tür, um Anwohner zu befragen. Der Mann soll dabei Ende 20 gewesen sein. Er sprach gebrochenes Deutsch. Sein Aussehen wird als arabisch beschrieben. Mithilfe der Anwohnerbefragung wollte die Polizei auch herausfinden, ob sich der Mann öfter in der Gegend aufhält.
Vorfall in Regensburger Unterführung sorgt bundesweit für Schlagzeilen
Schon zwei Jahre vor dieser Vergewaltigung ereignete sich in der Unterführung ein weiteres Sexualdelikt. Ein zum Zeitpunkt des Prozesses im Sommer vor drei Jahren 23-Jähriger mit Migrationshintergrund verging sich 2019 an einem Mädchen aus seinem Bekanntenkreis. Nicht die einzige Tat des jungen Mannes – der später bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Denn: Auch wenn er für eine Vergewaltigung verurteilt wurde, bekam der damals 23-Jährige eine 22-monatige Jugendstrafe auf Bewährung. Der junge Mann hatte die Taten umfänglich gestanden und so dafür gesorgt, dass die jungen Frauen nicht vor Gericht aussagen mussten. Das wertete das Gericht zu seinen Gunsten – und sorgte damit für einen Aufschrei. Bild, Spiegel, Focus: Kaum ein großes Medium berichtete nicht über den Fall. Auch Rechtsextremisten nutzten das Urteil für ihre Propaganda. Sie zündeten einen Rauchtopf vor dem Justizgebäude in Regensburg.
Aktuelle Zahlen zeigen: Die Zahl der Sexualdelikte in Regensburg ist gestiegen. Das geht aus dem Sicherheitsbericht der Regensburger Polizei für das vergangene Jahr hervor. Demnach gab es 2025 insgesamt 333 solcher Fälle. Eine Steigerung um 16,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024. Auch in der gesamten Oberpfalz sind die Zahlen gestiegen. 2025 gab es der Statistik zufolge auch etwas mehr Vergewaltigungen in der Stadt Regensburg, nämlich 49. Das sind vier Fälle mehr als noch 2024. Vertreter der Polizei betonten bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts, dass es sich dabei in den allermeisten Fällen nicht um überfallartige Vergewaltigungen handelt. Das, was sich am vergangenen Donnerstagmorgen in der Unterführung an der Landshuter Straße ereignet haben soll, ist also nicht der Normalfall.