Kunst, Musik, Kulinarik: Regensburger Ex-Kirche wird zum Ort einer bunten Veranstaltungsreihe

Das Programm liest sich wie ein wilder und zusammenhangloser Genre-Mix. Doch bei der Veranstaltungsreihe „Kollektive Collage“ in der Theresienkirche fügt sich am Ende alles zusammen.
Das Abendmahl ist ein zentraler Bestandteil von Gottesdiensten. In der Kumpfmühler Theresienkirche spielt es auch nach der Profanierung noch eine Rolle. Mit einem gemeinsamen Essen an einer langen Tafel beginnt nämlich am 17. April die Veranstaltungsreihe „Kollektive Collage“, die bis 25. April an fünf Tagen Kunst, Musik, Workshops, Lokalgeschichte und eben auch Kulinarik miteinander verbindet.
Dieser bunte und auf den ersten Blick zusammenhanglose Mix hat einen gemeinsamen Nenner, nämlich die Aufgabenstellung, wie sich ein profanierter Kirchenraum neu mit Gemeinschaft, Geschichten und künstlerischen Spuren füllen lässt. Eine wesentliche Zutat dafür ist das nötige Fingerspitzengefühl. Wie der Zufall es will, lautet exakt so auch das kulturelle Jahresthema Regensburgs – nicht zuletzt deshalb wird die „Kollektive Collage“ von der Stadt unterstützt und Kulturreferent Wolfgang Dersch nimmt am Samstag um 18 Uhr die offizielle Eröffnung vor.
Verschiedenste Genres, doch der Start ist der Raum
Ab diesem Zeitpunkt ist das Herzstück der „Kollektiven Collage“ zu sehen: Eine Ausstellung mit Werken von Günther Kempf und Pauline Adler, die am Eröffnungsabend durch eine Performance von Stephanie Müller und Klaus Erika Dietl, ein fortlaufendes Performance-Video von Paula Dischinger sowie ein Konzert der Formation Tres Hombres ergänzt wird.
Die Kirche wirkt allein. Ich habe den leeren Raum gesehen und war sofort begeistert von diesem Ort.Pauline Adler, Initiatorin
„Mein Ansinnen war es, nicht nur eine Ausstellung zu machen“, erklärt Initiatorin Adler dieses Zusammenspiel der Genres. Keine der einzelnen Komponenten soll dominieren, denn diese Rolle ist für Theresia selbst vorgesehen. „Die Kirche wirkt allein. Ich habe den leeren Raum gesehen und war sofort begeistert von diesem Ort“, sagt die Künstlerin.
Ihre Freundin und Mitinitiatorin Lisa Stengl hatte die Idee, den Raum mit einer langen Tafel für gemeinsames Essen zu füllen. Die Plätze am Premierenabend sind schon alle vergeben, doch am 24. April um 19 Uhr gibt es ein zweites Dinner im Kirchenschiff. Wer für 40 Euro dabei sein will, kann sich per Mail an stengl3@t-online.de anmelden. Die Kunst kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz, denn ganz in der Tradition von Daniel Spoerris „Eat Art“ wird das Tischtuch zur Leinwand, frei zur kreativen Gestaltung.
98-jährige Zeitzeugin teilt ihre Erinnerungen
Auch die Vergangenheit des Orts ist ein Thema bei der Veranstaltungsreihe. Da trifft es sich gut, dass Adlers Ehemann Fritz Joas wenige Meter von der Theresienkirche aufgewachsen ist. „Die Kumpfmühler haben diese Kirche geliebt“, weiß er und lässt seine Erfahrungen im Workshop „Gespräche über Räume im Wandel“ (25. April, 14 Uhr) einfließen.
Der Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl ist als Lokalmatador ebenfalls mit dabei. Unter dem Titel „Zeitzeugen Kumpfmühls erzählen“ interviewt der Vorsitzende Rainer Girg am 19. April um 15 Uhr Kumpfmühler Bürger, darunter die 98-jährige Margarete Sträußl, zu ihren persönlichen Erinnerungen und die Bedeutung der Kirche für das Viertel. Auch Joas kann hier einen eindrücklichen Beitrag leisten: Seine Mutter konnte beim verheerenden Luftangriff auf Kumpfmühl am 28. Dezember 1944 als einzige lebend aus einem Bunker unweit der Kirche geborgen werden.
So kommen bei der Veranstaltungsreihe verschiedenste Aspekte zur Vergangenheit und Zukunft des Baus zusammen. Transformation mit Fingerspitzengefühl sozusagen. „Das ist genau unser Thema, so sieht würdige Nachnutzung aus“, freut sich Girg. Das gesamte Programm ist unter pauline-adler.com/kollektive-collage-theresia zu sehen.
„Lost Paradise“ schon an diesem Wochenende
• Gastspiel: Bereits an diesem Wochenende wird Theresia wieder zum vielseitigen Kulturort. Unter dem Titel „Paradise Lost“ („Verlorenes Paradies“) präsentiert der Kunstverein Graz ein dreitägiges Programm „zwischen himmlischen Klängen und dunklen Abgründen, zwischen Andacht und Ekstase“.
• Ausstellung: Malerei, Objektkunst, Druckgrafik, Fotografie und Videoarbeiten, die zum Teil konzeptionell für den Raum erarbeitet wurden, sind am Sonntag von 13 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen.
• Konzerte: Das Wochenende beginnt mit der Vernissage am Freitag um 19 Uhr. Ab 20 Uhr gibt’s Musik von Andy Aquarius, ab 21 Uhr vom Zitterclub. Am Samstag wird die Ausstellung ab 14 Uhr von Schauer musikalisch begleitet. Für Freitag und Samstag brauchen die Besucher Tickets.