Im Video: MZ-Reporterin wagt ersten Flug mit Segelflieger in Cham

Seit 41 Jahren kommen die Mitglieder des Vereins Akaflieg Erlangen nach Cham, um auf dem Flugplatz Urlaub zu machen und ihre Segelflug-Saison zu eröffnen. Lesen und sehen Sie hier, wie für unsere Reporterin ein vermeintlich normaler Arbeitstag zu einem Erlebnis mit netten Begegnungen und Nervenkitzel wurde.
Das erste, wovon ich an diesem Mittwochvormittag höre, sind „Starker Ostwind“ und „Keine so gute Thermik“. Dabei ahne ich nicht, dass ich knapp zwei Stunden später im Segelflieger sitzen und über Cham kreisen werde. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Besuch auf dem Chamer Flugplatz werden, um die Segelflugzeugpiloten kennenzulernen, die jedes Jahr in den Osterferien nach Cham kommen, um dort gemeinsam in die Saison zu starten. Am Ende wurde ein vermeintlich normaler Arbeitsvormittag zu einem Erlebnis mit netten Begegnungen und Nervenkitzel.
Als ich unangekündigt das Vereinsheim des Segelflug-Sportvereins Cham betrete, sitzen knapp 20 Personen an einer langen Tafel und frühstücken. Ich, die Presse, stelle mich vor. „Das passt ja wie die Faust aufs Auge, dass Sie heute hier sind“, sagt Christian Bloss. Später wechseln wir zum „Du“, so wie es sich auf einem Flugplatz gehört, meint Christian.
Verstorbenes Mitglied in Ehren halten
Er ist Präsident des Vereins Akademische Fliegergruppe Erlangen, oder kurz Akaflieg. Die Mitglieder, die seit 41 Jahren in den Osterferien in Cham Urlaub machen, um zu fliegen, wollen an diesem Tag einen Segelflieger vom Typ „Duo Discus“ auf den Namen des verstorbenen Mitglieds Rolf Roß taufen. Das Ganze geschieht aber nicht wie üblich mit Champagner, sondern mit Espresso – den hat Rolf immer sehr gerne getrunken, erklärt der Präsident.

Noch während des Frühstücks gibt es ein Briefing, wie jeden Tag. Die Mitglieder sprechen darüber, was am Vortag gut gelaufen ist und was nicht so gut geklappt hat. Ob etwas kaputt ist und repariert werden muss. Wie stark der Wind ist, von wo er herkommt und was für diesen Tag alles auf dem Programm steht. Allen voran natürlich das Segelfliegen.

Die Mitglieder des Akaflieg Erlangen „kennen sich alle aus der Uni“, sagt Peter Walgand, der Teil davon ist. „Wir haben keinen eigenen Flugplatz und sind deshalb zu Gast in Cham. Seit über 40 Jahren ist das Osterfluglager ein fest gebuchter Termin für alle“, ergänzt er.
Der Kontakt sei über einen ehemaligen Vereinszugehörigen entstanden, der aus Cham kommt und ebenfalls an der Uni in Erlangen studiert hat. „Heute leben alle in Deutschland verteilt – zum Beispiel in Frankfurt, Kassel, Hamburg oder dem Saarland. Aber an Ostern kommen alle zusammen und treffen sich in Cham. Das ist wie eine Familie“, sagt Präsident Christian.
Die aktiven Mitglieder haben, wie er sagt, eine Altersspanne von 25 bis 68 Jahren. Doch sitzen auch einige jüngere Segelflug-Begeisterte am Frühstückstisch. „Die Kinder sind alle mit dabei, packen mit an. Wenn ihr fliegt, nehmt sie mit. Sie sollen ihren Spaß haben“, sagt Christian beim Briefing zu den Mitgliedern.
Manch Chamer hat zweite Mitgliedschaft beim Akaflieg
Eine davon ist Marie aus Roding. Sie ist 15, gehört dem Segelflug-Sportverein Cham an und sie fliegt. Alleine. Wie Präsident Christian Bloss sagt, ist das bereits ab 14 Jahren möglich. „Das ist für die Entwicklung eine gute Geschichte, weil die jungen Leute Verantwortung übernehmen“, sagt Aka-flieg-Mitglied Mathias Kern.
Weil die Beziehung zum Chamer Segelflug-Sportverein so eng ist – „Die Leute aus den Vereinen verstehen sich seit über 40 Jahren sehr gut“, sagt der Präsident, – komme es schon mal vor, dass ein Chamer sich eine zweite Mitgliedschaft beim Erlanger Verein zulege.
Der ist übrigens bekannt für seinen „Grünen Bergfalken“ – einem Segelflieger mit markanter Farbe und Baujahr 1954. „Es gibt nur noch ein Flugzeug, das mit der Farbe fliegt – weltweit. Deswegen ist er einfach so auffällig und bekannt. Jeder in Cham weiß: Wenn das grüne Flugzeug fliegt, sind wir wieder da“, sagt Christian. Im Moment liegt der „Grüne Bergfalke“ aber auseinandergebaut in der Werkstatt, um repariert und zugleich restauriert zu werden. „Wir gehen davon aus, dass er spätestens Ostern 2027 wieder über Cham kreist“, sagt Aka-flieg-Mitglied Frank Müller-Augste.

Über Cham kreisen – das werde ich auch gleich. Nachdem ein Segelflieger vom Typ „Bergfalke 2“ mit einem Auto per Schleppseil auf die Asphaltbahn des Flugplatzes gezogen worden ist, heißt es: Einsteigen! Mit Präsident Christian am Steuerknüppel wird der Flieger von einem Motorflugzeug in die Luft gezogen. Ganz sanft heben wir ab, während sich Wiesen und Häuser unter uns immer weiter entfernen.
„Klack!“ – Beim Ausklinken des Schleppseils auf etwa 700 Metern Höhe spüren wir einen kurzen Ruck. Danach gleiten wir bei herrlichem Wetter durch die Luft. Der Segelflieger bewegt sich ruhig, Christian dreht einige Kurven und ich erhasche einen wunderbaren Blick auf den Chamer Stadtplatz, den Regenbogen und die umliegende Landschaft. Auch wenn die Thermik an diesem Vormittag wegen des Ostwindes nicht überragend ist, haben wir hin und wieder etwas Aufwind.

Auf die Frage an die Mitglieder, wieso sie eigentlich so gerne nach Cham kommen, nennen sie unter anderem die netten Leute, die tolle Umgebung und Thermik durch den Bayerischen Wald, die Infrastruktur zum Übernachten und die Werkstatthalle auf dem Chamer Flugplatz. Bis Peter Walgand und Christian Bloss es auf den Punkt bringen: „Alles, was wir brauchen, haben wir da. Es ist ein fliegerisches Paradies.“ – Nach diesem Vormittag kann ich dem nur zustimmen.








