Gut gemeinte Tat führt zum Tod: Warum gefundene Hasenbabys nicht mitgenommen werden sollen

Von Sabrina Kauer · 1. April 2026 um 05:00

Im Frühjahr kann es sein, dass Spaziergänger in Cham auf ein kleines Hasenbaby stoßen. Wenn es so dahockt, allein in seiner Mulde, denken viele, es sei verwaist und bringen es zur nächsten Tierauffangstation wie der Tierhilfe Weiding. Diese vermeintlich gut gemeinte Tat bedeutet für die Tiere aber häufig den Tod.

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Niedlich sind sie allemal, die kleinen Hasenbabys. Beim Anblick der Stupsnase, der noch kleinen Öhrchen und des winzigen Körpers, der in eine Hand passt, grüßt rasch das Kindchenschema. Wenn man solch einem Häschen begegnet, ist es nicht verwunderlich, dass der Beschützerinstinkt über einen kommt – noch dazu, wenn weit und breit keine Hasenmutter zu sehen ist. So passiert es schnell, dass der Finder tätig wird, um das elternlos wirkende Tierchen zu retten, weiß der Chamer Jagdpächter Martin Kuchenreuter.

Klein und putzig: die Hasenbabys - Foto: Tierhilfe Weiding

Erst vor wenigen Tagen sei er von Zeugen darüber informiert worden, dass Personen einen solchen Hasen in der Badstraße in Cham aufgehoben und mitgenommen hätten, um ihn bei der Tierhilfe Weiding abzugeben. Doch einen jungen Hasen per Handaufzucht durchzubringen, ist „mehr als schwierig. Die sind zum Tode verurteilt“, weiß Bernhard Vogl, Vorsitzender der Jägerkameradschaft in Cham. Selbst wenn das Häschen bei einer Fachperson lande, sei nicht garantiert, dass es überlebt.

Jungtiere einfach in Ruhe lassen und nicht berühren, auch wenn man meint, dass sie elternlos sind.Martin Kuchenreuter, Jagdpächter in Cham

Die Kunstmilch, die den Hasenbabys gegeben werden müsse, sei lange nicht so gehaltvoll wie die Milch der Mutter, so Catrin Röhricht von der Tierhilfe Weiding, die bestätigt, dass das Häschen aus der Badstraße dort abgegeben wurde. „Deswegen wachsen diese Hasen auch viel langsamer. Eine Wildtieraufzucht ist immer suboptimal.“ Zehn bis 20 Mal im Jahr werden gefundene Hasenbabys in der Tierhilfe Weiding abgegeben. „Dafür, dass wir ein kleiner Verein sind, ist das schon viel“, sagt Röhricht.

Nur ein- bis zweimal am Tag wird gesäugt

Häsinnen gebären drei- bis viermal im Jahr, hauptsächlich in den Monaten April, Mai und Juni. Wenn das Wetter und die Temperaturen passen, kann es mit dem „Setzen“, wie es in der Jägersprache heißt, aber auch schon früher im Jahr losgehen, sagt Bernhard Vogl von der Jägerkameradschaft und fügt an: „Die Häschen sitzen tagsüber in einer Mulde, die von der Mutter gegraben wurde.“ Damit Fressfeinde nicht auf die Babys aufmerksam werden, kommt die Häsin nur ein- bis zweimal innerhalb von 24 Stunden zu ihrem Jungen zurück, um es zu säugen, sagt Vogl. Ansonsten sei es auf sich alleine gestellt, was von Spaziergängern häufig falsch aufgefasst werde. „Sie denken, dem kleinen Häschen fehlt was oder es ist verwaist“, so Vogl.

Auch für die Hasenmutter kann es gefährlich werden

Schon das Berühren des Tieres sei ein Problem. Dadurch nehme die Hasenmutter den Geruch des Menschen wahr, was zur Folge hat, dass sie ihr Junges nicht mehr annimmt. Das ist nicht nur schlimm für das Baby, weil es nicht mehr mit nahrhafter Milch versorgt wird und stirbt. Auch für die Mutter kann es gefährlich werden, wenn sie einen Milcheinschuss und -stau bekommt, macht Revierpächter Martin Kuchenreuter deutlich. Sein dringlicher Appell lautet daher: „Jungtiere einfach in Ruhe lassen und nicht berühren, auch wenn man meint, dass sie elternlos sind.“

Viel wichtiger sei es, vor allem jetzt in der Brut- und Setzzeit Hunde bei Spaziergängen anzuleinen. Die Vierbeiner erschnüffeln die Häslein laut Catrin Röhricht schnell und könnten sie verletzen und sogar töten.

Hasenbaby gefunden – So handeln Sie richtig

■ Hasenbabys und alle jungen Wildtiere sollen laut Jagdpächter Martin Kuchenreuter nicht berührt, sondern „einfach in Ruhe gelassen“ werden, auch wenn sie im Stadtgebiet gefunden wurden.

■ Hilfe holen: Bei Zweifeln soll man eine fachkundige Person kontaktieren, in dem Fall den jeweiligen Revierpächter, sagt Bernhard Vogl. Wenn man den Pächter nicht kennt, soll wie bei einem Wildunfall die Polizei gerufen werden. Aber nur dann, wenn das Tier offensichtlich verletzt ist.

■ Hockstellung: Wenn ein junger Hase nicht in seiner typischen Hockstellung sitzt, sondern beispielsweise auf der Seite liegt, ist laut Vogl möglicherweise etwas nicht in Ordnung.

■ Keine Regung: Wenn ein Hase sich nicht regt, bedeutet das in der Regel nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Es ist der Schutzreflex, dass sich das Tier nicht bewegt, wenn man sich ihm nähert.

■ Straftat: Das Mitnehmen von Wildtieren ist Jagdwilderei (§ 292 StGB) und kann bestraft werden.

Dieser Hase hat wohl den kritischen Teil überstanden, weil er bereits Grünzeug frisst und nicht mehr nur von der (Mutter-)milch abhängig ist. - Foto: Tierhilfe Weiding