Mit Video: So erlebt unsere Reporterin ihren ersten Tandemsprung bei den Chamer Flugtagen

4300 Meter Höhe und eine Minute freier Fall: Unsere Reporterin Sabrina Kauer hat sich getraut, bei den Chamer Flugtagen aus der Pink Skyvan zu springen. Für sie steht danach fest: Das war nicht ihr letzter Tandemsprung.
Ein rotes Licht leuchtet auf. „In zwei Minuten geht die Klappe auf“, sagt „Bertl“. „Ach du Scheiße“, denke ich mir. Als es so weit ist, erhasche ich einen kurzen Blick auf eine weiße Wolkendecke. Als der erste Sportspringer über die Kante tritt, höre ich ein „Schüüuuu“ durch den Luft-Sog. Dann noch einmal und noch einmal. In der Pink Skyvan sind immer weniger Springer. Ich bin die Nächste, die sie verlassen wird – im freien Fall. Bis ich schaue, peitscht mir der Wind um die Ohren und ich falle mit 200 Stundenkilometern auf Cham herab.
Als ich an diesem Samstagvormittag in Cham eintreffe, fühlt sich alles noch ziemlich normal an. Ich bespreche mit meinem Kameramann den Ablauf des Videos und stelle mich Bertwin „Bertl“ Schatt vor. Er ist der Betreiber der Fallschirm- und Tandemsprünge bei den Chamer Flugtagen und derjenige, dem ich eine Stunde später sehr nahe kommen werde.
Ich bin nicht die einzige Verrückte. Es trudeln immer mehr Leute bei der Anmeldung ein, die auch springen wollen. Sie sind nicht alleine hier, mit dabei sind Freunde, Partner, Kinder. Auch ich bekomme moralische Unterstützung meiner Liebsten. Sie alle warten hinter einer Absperrung. Ich winke ihnen ein paar Mal zu und bin mir ziemlich sicher: Mama ist nervöser als ich.
Gurte sitzen ziemlich locker
Langsam wird es ernst. „Bertl“ legt mir die Sprungausrüstung an. Hier durchsteigen, da den Arm rein. Die Gurte in meiner Leiste werden richtig festgezurrt. An den Schultern sitzt das Ganze aber noch ziemlich locker. „Wirst schon nicht rausfallen“, sagt „Bertl“ und lacht. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich an diesem Vormittag einen Spaß mit mir erlaubt. Das stimmt mich positiv.





„Bertl“ erklärt mir die wichtigen Körperhaltungen. In zehn Minuten soll es losgehen. Ich winke meinen Liebsten noch ein letztes Mal zu, dann gehen wir als erste Gruppe an dem Tag in Richtung der Pink Skyvan, einem Beförderungsflugzeug für Fallschirmspringer. „Wirst mich schon wieder sicher nach unten bringen“, sagt „Bertl“ und lacht. Ich lache auch und antworte „Ich versuch’s“.



Als ich auf dem Boden der Pink Skywan sitze, fühle ich das erste Mal einen Anflug von Aufregung, Angst und Nervosität. „Ich muss hier raus, ich kann das nicht“, schießt es mir durch den Kopf. Doch dann versuche ich, in mich zu kehren. Ich beruhige mich selbst, indem ich mir von nun an denke „Das wird geil! Ich zieh’ das durch! Jetzt gibt es eh keinen Weg mehr zurück. Ich werde den Boden nur wieder durch den Fall aus dem Flugzeug erreichen.“
Die Maschine fliegt los. Während wir auf 4300 Meter steigen, versuche ich, ab und zu mal einen Blick aus dem Fenster über mir zu werfen. Ich sehe grüne und braune Rechtecke sowie kleine weiße Quellwolken. „Bertl“ steht auf, ich auch. Er schnallt mich an seiner Ausrüstung fest. Es kann losgehen. Die Klappe ist offen, die ersten Mutigen vor mir springen raus. Was ich mir jetzt denke? Nichts. Ich bin ganz bei mir und gebe mich „Bertls“ Kommandos hin.





Das Atmen fällt schwer
Wir gehen ein paar Schritte nach vorne, mein Kopf ist nach hinten gelehnt, sodass ich nicht sehen kann, wann die Kante kommt, und es macht „Schüüuuu“ – wir fallen. Erst sehe ich eine weiße Wand vor mir, dann die Felder und Wiesen. Ich realisiere zum ersten Mal, was ich hier eigentlich gerade mache. „Ich habe es wirklich getan!“, schießt es mir durch den Kopf. Das Atmen fällt schwer, aber ich versuche, ruhig zu bleiben. Der Wind peitscht mir um die Ohren und um meine Arme und Hände. Die Luft ist kalt. Ich denke an den Fallschirm: „Wann ist es so weit, dass ,Bertl’ ihn auslöst? Hoffentlich geht er auf!“ Dann höre ich ein Geräusch hinter mir, der Fallschirm öffnet sich und wir werden nach oben gezogen. Aus tiefster Kehle schreie ich immer und immer wieder: „Aah! War das geil!“ Ich kann es nicht stoppen, es platzt einfach so aus mir heraus. Cham liegt mir zu Füßen, der Blick ist atemberaubend. Ich sehe die Stadt, die Regen-Flussschleife,...




„Bertl“ streckt mir seine Hand hin, ich schlage ein und winke immer wieder voller Freude in seine Kamera. Ich fühle mich schwerelos und möchte am liebsten noch ewig an diesem Fallschirm hängen. Wir machen ein paar Drehungen, dann gleiten wir langsam dem Boden entgegen. Als wir über den Flugplatz hinwegfliegen, winke ich nach unten. Dann heißt es „Beine hoch“. Sitzend kommen wir wohlbehalten auf der Erde auf. Ich bekomme das Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht. Für mich steht fest: Das war nicht mein letzter Tandemsprung.







