Spektakel über den Dächern der Stadt: Chamer Flugtage zeigen die Faszination des Fliegens

Von Johannes Lesser · 31. August 2025 um 17:38

Wer in Cham am Wochenende einen Blick aus dem Fenster warf, der erkannte es schnell: Die Flugtage auf dem Gelände des SSV Cham waren in vollem Gange. Von Tandem-Fallschirmsprüngen über Rundflüge bis hin zu akrobatischen Einlagen: In der Luft gab es für die Besucher und Schaulustigen einiges zu sehen.

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Los geht es am Samstagvormittag. Trotz der frühen Stunde herrscht auf dem SSV-Gelände Hochbetrieb. Die Start- und Landebahn ist mittels Zäunen abgesperrt, davor sind zahlreiche Biertische und Bänke für die – das gesamte Wochenende über – mehrere tausend Besucher aufgebaut. Hüpfburg, Karussell, Tombola, Schminkstation, unterschiedliche Getränke- und Essensstände: Nach Frühlings- und Volksfest ist es das drittgrößte in der Kreisstadt und hat sich längst fest im Veranstaltungskalender etabliert.

Nur etwas für ganz Mutige - Foto: Johannes Lesser

Eine Attraktion sind die Tandem-Fallschirmsprünge. Mit einem leistungsstarken Propellerflugzeug in markanter Bemalung geht es für die Teilnehmer auf mehr als 4000 Meter Höhe – und spektakulär auf den Rückweg. Eine der Mutigen: die elfjährige Leni Neuberger. „Es fühlt sich wirklich so an, als ob man ohne Fallschirm fliegen könnte“, beschreibt sie das Gefühl in der Luft. „Es war cool“, sagt sie lachend.

Planungen laufen seit April

Die Vorbereitungen für die Flugtage starten bereits im April, erklärt Martin Vielsmaier, der Vorsitzende der Chamer Segelflieger. Anträge stellen, Sponsoren gewinnen, Attraktionen zusammensammeln: „Das ist schon lange eingespielt, aber es ist halt trotzdem jedes Jahr viel Arbeit“, so Vielsmaier. Der Aufbau selbst beginnt dann eine Woche vorher. Verlassen kann sich das Team auf mehr als 100 Helfer vor Ort und die Unterstützung aus anderen Vereinen wie dem Luftsportclub Pfarrkirchen. Auch für den Verein sind die Flugtage etwas Besonderes: „Es ist das einzige Wochenende, an dem alle Mitglieder da sind und sich treffen.“ Der Freitagabend sei daher auch so etwas wie das Jahrestreffen des Vereins.

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Der Aufwand lohnt sich. Sowohl am Samstag wie auch am Sonntag gibt es auf dem Gelände immer etwas zu sehen. Wer einen Rundflug in einer der sieben Maschinen macht, bekommt von oben einen Ausblick auf die bewaldeten Berggipfel des Bayerwalds, den Regen, der sich in dunklen Schleifen seinen Weg durch das Tal bahnt oder die bunten Farbkleckse der Fußballtrikots bei den Spielen der umliegenden Vereine.

Von oben sind die Berge des Bayerwalds gut zu erkennen. - Foto: Johannes Lesser

Am Boden gibt es mittels Lautsprechern Informationen zu dem Geschehen in der Luft. Sie mischen sich mit Motorengeräuschen, Musik und den Gesprächen im Biergarten. Als am Nachmittag ein kurzer Regenschauer über das Gelände zieht, wird der kurzerhand in den Hangar verlegt. Die Besucher bleiben. Wenig später wird das Programm fortgesetzt. Zu dem gehören auch besondere Kunstflüge.

Klaus Leinert ist dafür mit einem besonderen Segelflugzeug, einem sogenannten FOX, unterwegs. Ohne Motor wirbelt er – scheinbar mühelos – durch die Luft. Loopings, Rollen oder Rückenflug inklusive. „Das Flugzeug in jeder Lage zu beherrschen“, das macht für ihn das Besondere am Kunstflug aus. „Seit meinem 20. Lebensjahr fliege ich regelmäßig Kunstflugmeisterschaften“, erzählt Leinert. Dabei ist „jeder Flug neu, du hast nie einen gleichen“. Gutes Planen ist essenziell: „Ich habe keinen Motor. Das heißt, ich muss mein Fahrt- und Höhenmanagement am Boden schon komplett stehen haben, bevor ich mich überhaupt in den Flieger reinsetze“, so Leinert.

Bereits mehr als 1000 Starts: Kunstflieger Klaus Leinert - Foto: Johannes Lesser

Auch die Modellflugpiloten liefern bei ihren Flügen spannende Bilder. Wer beim Modellflug an kleine ferngesteuerte Flieger aus der Kindheit denkt, sieht sich hier getäuscht. „Wir haben Jet-Modelle mit dabei mit Spannweiten bis zu vier, fünf Metern“, sagt Thomas Guttenberger von den Modellflug-Freunden Sulzbach-Rosenberg. Angetrieben werden die Modelle von richtigen Triebwerken und erreichen so Geschwindigkeiten von bis zu 400 Stundenkilometern.

Thomas Guttenberger führt seine Tricks mit einem Modellflieger durch - Foto: Johannes Lesser

Durch Herausforderungen, wie Wind, unterschiedliche Sichtverhältnisse und die verbaute Technik sei „das Ganze eigentlich mindestens genauso interessant wie die echte Fliegerei. Bloß mit dem Unterschied, dass halt das Kribbeln nicht im Bauch erfolgt, sondern dann eher an den Fingern“, beschreibt es Thomas Guttenberger.

Applaus von den Zuschauern

Auch abseits davon ist an diesen Tagen eine ganze Reihe von Flugzeugen und Fliegern unterwegs, alle mit ihrer ganz eigenen Geschichte. Bei den Zuschauern kommt das Konzept einmal mehr an, viele bleiben lange am Flugplatz, für die Piloten gibt es Applaus nach den Aufführungen.

Ein Highlight am Samstagabend ist das Feuerwerk, das genau zur Musik im Hintergrund abgestimmt ist. - Foto: Johannes Lesser

Ein Höhepunkt ist ein großes Feuerwerk am späten Samstagabend. Auch am Sonntag sind die Flieger den ganzen Nachmittag über in der Luft, bei bestem Spätsommerwetter strömen weit mehr als tausend Besucher auf das SSV-Gelände. Die Faszination vom Fliegen – an diesen Tagen in Cham wird sie einmal mehr sichtbar.

Besondere Aussicht für die Rundflüge - Foto: Johannes Lesser