Was tun auf und mit dem Kelheimer Industriegelände? ÖDP prescht mit einer Antwort vor

Nach dem endgültigen Aus der Firma Kelheim Fibres rückt die Frage nach der künftigen Nutzung des Areals in den Vordergrund. Die ÖDP prescht nun vor und will geprüft haben, ob dort ein „Zentrum für regenerative Energie“ samt Großspeichern sowie ein Großrechenzentrum entstehen könnten. Zuvor muss wohl erst einmal die Altlasten-Frage geklärt werden.
Wie berichtet, war am 23. März der letzte Tag, an dem die insolvente Kelheim Fibres GmbH (KF) in der Regensburger Straße Viskosefaser hergestellt hat. Seither laufen nur noch Arbeiten rund um die Stilllegung des Industriekomplexes: Die Anlagen dort müssen geleert, gereinigt und gesichert werden, wie das Unternehmen in seiner vorläufig letzten Mitteilung geschrieben hatte.
Nach rund 90 Jahren Faserherstellung auf dem Areal, das zum Gebiet der Kreisstadt Kelheim gehört, müsse eine „gründliche“ Altlastensanierung erfolgen, fordert nun der Kreisvorsitzende der ÖDP, Peter-Michael Schmalz, in einer Pressemitteilung. Ob und in welchem Umfang auf dem Gelände eine solche Altlastensanierung erforderlich ist bzw. behördlich gefordert wird, dazu gab es indes bisher von offzieller Seite noch keine Aussagen.
Die ÖDP ist im Kelheimer Stadtrat nicht vertreten; deshalb weicht Kreisvorsitzender Schmalz auf die Kreistagsebene aus: Er hat einen detaillierten Sachstandsbericht „über die derzeitige Altlastenlage (Boden, Luft, Wasser)“ angefordert – zu erstatten entweder im Umwelt- oder im Kreisausschuss. Auch, weil dem Landkreis womöglich hohe finanzielle Belastungen bei diesem Thema drohen könnten, befürchtet der ÖDP-Fraktionschef.
Ungute Erinnerungen an Zellstofffabrik werden wach
Er erinnert an ähnlich gelagerte Fälle in Kelheim und Mainburg. In der Kreisstadt musste um die Jahrtausendwende der enorm belastete Standort der einstigen Zellstofffabrik im heutigen Donaupark altlasten-saniert werden – auf Kosten der Steuerzahler.
Das letzte dort tätige Unternehmen, die „Bayerische Zellstoff GmbH“, war nämlich insolvent; Rückstellungen für Altlasten gab es nicht. Deshalb sanierte der Landkreis im Wege der „Ersatzvornahme“, mit hoher Bezuschussung durch den Freistaat.
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Teuer für die öffentliche Hand wurde laut ÖDP einst auch die Sanierung eines Imprägnierbetriebs für Hopfenstangen in Mainburg-Meilenhofen.
Andererseits sei es jetzt in Kelheim auch „nicht im Allgemeinwohl“, nichts zu tun oder die Altlasten im Boden einfach zu überbauen, fügt der ÖDP-Kreisvorsitzende in seiner Pressemitteilung an. Ähnliches haben auch andere Kommunalpolitiker im zurückliegenden Kommunalwahlkampf gefordert.

So hatte Daniel Elsner, Kelheimer Bürgermeister-Kandidat der Grünen und selbst früherer Fibres-Mitarbeiter, ebenfalls eindringlich vor einem „zweiten ,Zellstoff‘-Desaster“ gewarnt. Mit Blick auf das insolvente Unternehmen forderte er im „Wahl-Talk“ von MZ und TVA, dass „jeder Cent, der noch bleibt, in den Rückbau gesteckt werden“ müsse.
Industriegelände war auch Thema im Wahlkampf
Auch die möglichen Perspektiven auf dem Gelände des Faserherstellers waren Thema im Kelheimer Bürgermeister- und im Landrats-Wahlkampf. Mehrere Kandidierende hatten betont, wie wertvoll ein Industriegebiet vor den Toren Kelheims sei. So dachte der designierte Kelheimer Bürgermeister Dennis Diermeier im „Wahl-Talk“ unter anderem laut über ein Fernwärmenetz basierend auf dem KF-Gaskraftwerk nach; der bisherige Bürgermeister Christian Schweiger sah dort und im angrenzenden Hafengebiet „mit dem Thema Wasserstoff eine Zukunft“.
Peter-Michael Schmalz, der als Landrat kandidiert hatte, schlägt nun – wie schon in seinem Wahlkampf – vor, auf dem Gelände ein „Zentrum für regenerative Energie“ zu etablieren, samt saisonalen Großspeichern für regional erzeugte Wind- und Sonnenenergie. Der Landkreis hat darauf freilich keinen unmittelbaren Einfluss – die Planungshoheit liegt bei der Stadt Kelheim. Mit ihr und den Nachbargemeinden solle der Landkreis daher kooperieren, heißt es im ÖDP-Antrag.
Als weiteres fordert der Langquaider die Ansiedlung eines „dezentralen (in nationaler Hoheit) betriebenen Rechenzentrums, welches in seinen Ausmaßen (Energieinput, Energieoutput) zu Kelheim und den Nachbargemeinden passt“. So ein Rechenzentrum könne mit erneuerbaren Energien betrieben werden, seine Ab- als Nahwärme genutzt werden. Das sei auch der Plan einer jüngst gestarteten Initiative der Bundesregierung.