Schicht-Ende bei Kelheim Fibres: Produktion am Standort Kelheim ist jetzt eingestellt

Ein Zettel pappt auf dem großen folierten Ballen: „Das war’s“. Es ist der letzte Zellstoff-Ballen, mit dem in Kelheim produziert wurde. Am Montagabend gingen rund 90 Jahre Faserherstellung in der Kreisstadt zu Ende, teilt die Kelheim Fibres GmbH mit.
Wie angekündigt, beendet Kelheim Fibres (KF) zum Monatsende formal seine Unternehmenstätigkeit in Kelheim: Folge der Insolvenz und des Scheiterns der Versuche, einen Käufer für den Hersteller von Spezial-Viskosefasern zu finden. Am 27. Januar hatte die Geschäftsleitung bekanntgegeben, dass der innerhalb der Insolvenz-Eigenverwaltung erfolgte Investoren- und Verkaufsprozess nicht erfolgreich war. Die 460 Beschäftigten erhielten ihre Kündigungen.
Azubis haben alle eine neue Stelle oder Angebote erhalten
In der gestern veröffentlichten Pressemitteilung zieht das Unternehmen Zwischenbilanz: Alle bisherigen KF-Auszubildenden „haben entweder eine neue Stelle oder konkrete Angebote für ihren weiteren beruflichen Weg erhalten“. Unter anderem die Bayernoil-Raffinerie hat zwölf naturwissenschaftliche Auszubildende übernommen.

Für „viele Mitarbeitende“ hätten sich „bereits neue berufliche Perspektiven ergeben“; auch dank großer Unterstützung aus der Region. Rund 150 Mitarbeitende wechseln laut KF in die Transfergesellschaft, um von dort aus ihre berufliche Zukunft zu planen.
Etwa 100 Beschäftigte seien „noch für mehrere Monate am Standort tätig“, um vor allem die Anlagen zu leeren, zu reinigen und zu sichern, unterstützt von einem Spezialdienstleister.
Qualität bis zum Ende gesichert
Die Firma betont, dass „bis zuletzt mit großer Verlässlichkeit, Sorgfalt und hohem Qualitätsanspruch“ gearbeitet worden sei; die Mitarbeitenden hätten „mit bemerkenswerter Motivation und Professionalität dafür gesorgt, dass die Produkte den gewohnten Standards entsprechen – bis zum letzten Ballen“. Dieser enthält die letzten von fast 4,5 Millionen Tonnen Viskosefasern, die in der Regensburger Straße hergestellt worden seien.

Zur Zukunft von Grundstück und Anlagen hält sich die Geschäftsführung bedeckt: „Die Verwertung des Equipments sowie die Veräußerung des Grundstücks erfolgen im Rahmen strukturierter Prozesse; mit der Vermarktung des Standorts wurde eine renommierte Firma beauftragt, mit dem Ziel, einen neuen Eigentümer zu finden und eine weitere industrielle Nutzung zu ermöglichen.“

Für eine solche weitere industrielle Nutzung des Kelheimer Areals hatten im Wahlkampf mehrere Kelheimer Bürgermeister- und Landrats-Kandidierenden plädiert. Und in dem Zusammenhang auch gefordert, dass die Sanierung etwaiger Altlasten nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden dürfe.