OLG-Präsidentin besucht Amtsgericht Schwandorf und lobt dessen Direktorin

Gut die Hälfte der 17 Amtsgerichte aus dem Zuständigkeitsbereich des Oberlandesgerichtes (OLG) Nürnberg hat Beate Ehrt schon besucht. Am Mittwoch war das Amtsgericht Schwandorf an der Reihe. Mit dessen Direktorin Michaela Frauendorfer sprach die OLG-Präsidentin unter anderem übers Personal, die bauliche Situation und die Digitalisierung.
Seit dem 1. November 2025 ist Beate Ehrt Präsidentin des OLG Nürnberg und in den folgenden Monaten machte sie sich einen persönlichen Eindruck in den Gerichten ihres Zuständigkeitsbereiches. Nach dem Besuch der fünf Landgerichte – unter anderem dem in Amberg – sind derzeit die Amtsgerichte dran.
Ein Ohr für die Sorgen der Menschen an den Gerichten haben
Die Amtsgerichte würden „an der Front“ arbeiten, ist die 60-Jährige überzeugt. Sie würden unmittelbar mitbekommen, was in der Gesellschaft passiere. Die Gerichtsdirektoren seien dabei die Manager. Für diese Aufgabe brauche es Allroundtalente, ist die OLG-Präsidentin überzeugt. Michaela Frauendorfer stehe dabei für einen modernen Führungsstil, lobt Ehrt die Schwandorfer Amtsgerichtsdirektorin.
„Ich möchte bei den Gesprächen vor Ort einen Eindruck von den Menschen, den Sitzungssälen und Entfernungen bekommen.“ Auch von der Arbeit der Wachtmeister und dem Ablauf der Kontrollen wolle sich sich bei ihrer Tour ein Bild machen, erklärt Ehrt. Ein Ohr für die Sorgen der Menschen an den Gerichten vor Ort zu haben, sei ihr wichtig. Bis zum Mai sollen die Antrittsbesuche in den Amtsgerichten abgeschlossen sein, so die OLG-Präsidentin.
Wiederkehrende Gesprächsinhalte seien die Personalsituation vor Ort, die bauliche Situation am jeweiligen Gerichtsstandort oder die Digitalisierung der bayerischen Justiz. Anfang des Jahres wurde überall die elektronische Akte eingeführt. Die Digitalisierung umfasse aber auch den Einsatz von KI. Vor allem bei Routineaufgaben sei aus Sicht der OLG-Präsidentin ein verstärkter Einsatz wünschenswert.
Die Amtsgerichte sind direkt am Bürger dran, sie arbeiten sozusagen an der Front und kriegen unmittelbar mit, was in der Gesellschaft passiert.Beate Ehrt, Präsident des Oberlandesgerichtes Nürnberg über die Bedeutung der Amtsgerichte
Ebenfalls seit Anfang diesen Jahres werden Verfahren mit einem Streitwert von bis zu 10.000 Euro an den Amtsgerichten verhandelt. Bislang lag die Grenze bei 5000 Euro. Während die Landgerichte durch diese neue Regelung entlastet würden, bedeute es für die Amtsgerichte mehr Arbeit. Dadurch seien auch personelle Veränderungen notwendig, denen die bayerische Justiz gerecht werden müsse, so Ehrt.
Da das OLG Justizbeamte selber ausbildet, gibt es ein bestimmtes Kontingent an Personal, das an die einzelnen Gerichte verteilt werden kann. Der Freistaat bilde zwar seit Jahren über seine Kapazitäten aus, ein Überangebot gebe es dennoch nicht, erklärt die OLG-Präsidentin. Das hänge mit der hohen Durchfallquote der Prüflinge zusammen. Sie sorge dafür, dass der „Kuchen“, der verteilt werden könne, kleiner sei wie gedacht.
Zusätzliche Beamtenstellen für die Justiz werde es 2026 im Freistaat nicht geben, kündigt Ehrt schon mal an. Sollten an einzelnen Gerichten personelle Engpässe auftreten, müssten diese über Versetzungen geregelt werden. Die OLG-Präsidentin sieht das Schwandorfer Amtsgericht im Vergleich zu anderen Gerichten „gut aufgestellt“. Bei der Einschätzung der personellen Situation gebe es bestimmte Gradmesser, zu denen auch die Verfahrensdauer gehöre, erklärt Ehrt.
Barrierefreiheit im Eingangsbereich soll verbessert werden
Aufgrund von Pensionierungen, Versetzungen oder Schwangerschaften gebe es immer Bedarf an Personal, findet Amtsgerichtsdirektorin Frauendorfer. Von einer kritischen Personalsituation könne aber keine Rede sein. Wünsche gibt es von Schwandorfer Seite dennoch. So wolle man gern den Eingangsbereich verändern und dabei auch die dortige Barrierefreiheit verbessern. Der Bürgerservice solle laut Frauendorfer ebenfalls verbessert werden. Diese Ansinnen gebe es schon länger. Die Direktorin des Schwandorfer Amtsgerichtes ist sich aber auch bewusst, dass sich aufgrund der derzeitigen finanziellen Umstände nicht alles sofort umsetzen lasse. Sie sei aber dankbar für den offenen Austausch mit der OLG-Präsidentin.
Beate Ehrt nimmt die Anliegen gern mit nach Nürnberg. Denn sie weiß aus eigener Erfahrung, wie die Belastungssituation in den Amtsgerichten ist. Vor ihrem Wechsel an das OLG Nürnberg leitete die 60-Jährige seit 2018 das Amtsgericht München, das größte Amtsgericht Deutschlands mit fast 1150 Mitarbeitern, darunter etwa 230 Richtern.