Messer, Shampoos, Essen: Paar klaute aus Netto-Lager in Maxhütte-Haidhof Waren für rund 700 Euro

Von Selina Schaefer · 15. März 2026 um 19:00

Es klang wie eine Einkaufsliste, was kürzlich Staatsanwalt Sven Lehner im Schwandorfer Amtsgericht vor Richterin Katharina Bauer und den Angeklagten vortrug. Doch die Küchenmesser, Lebensmittel, Deos oder Jack-Daniel’s-Flaschen im Wert von 702 Euro waren dann doch jenseits haushaltsüblicher Mengen. Gestohlen haben sollen das alles zwei Angestellte aus dem Netto-Zentrallager in Maxhütte-Haidhof. Wegen der Messer bestand auch der Vorwurf des Diebstahls mit Waffen.

Die Staatsanwaltschaft klagte die Frau (23) und den Mann (25), die außerhalb des Landkreises Schwandorf wohnen, an, zwischen Ende Februar und dem 24. März 2025 wiederholt Gegenstände aus dem Lager gestohlen zu haben. Dabei gliederte sich die Anklage in zwei Punkte: Zum einen ging es um Waren, die in den Wochen bis sie ertappt wurden, geklaut und in ihrer Wohnung gefunden wurden. Im Detail handelte es sich um 18 Shampoos, 30 Duschgels, sechs Deos, zehn Gesichtswasser, sechs After Shaves, dazu Kochlöffel, Kleiderbügel, Thermogläser sowie 21 Küchenmesser im Wert von 364 Euro.

„Es reicht auch, wenn die Messer nur die Tatbeute sind“, erläuterte die Richterin. Allerdings waren die Messer in einem Schrank in der Wohnung gelagert und hätten nur mit „erheblichem Kraftaufwand“ aus ihrer Plastik-Verpackung herausgezogen werden können, befand auch der Staatsanwalt. Der Diebstahl mit Waffen wurde daher aus der Anklage gestrichen.

Kollegen stellten die Angeklagten am Parkplatz

Der zweite Teil der Anklage umfasste die Beute, die am 24. März gefunden wurde, als das diebische Paar gegen 14.45 Uhr auf frischer Tat ertappt wurde: Kollegen hatten die zwei Polen schon länger verdächtigt, dass sie Waren an sich nehmen würden, schilderte ein ehemaliger Vorgesetzter im Zeugenstand. Schließlich stellte er mit einem Kollegen, der ebenfalls aussagte, auf einem Mitarbeiterparkplatz. In der Jacke der Frau sowie im Rucksack ihres Freundes fanden sie unter anderem Tomaten, Proteindrinks und Putenaufschnitt im Wert von rund 50 Euro.

Die Mitarbeiter riefen die Polizei. Als man den Kofferraum öffnete, kamen auch 16 Whiskey-Flaschen in einer Sporttasche zum Vorschein. „Die beiden waren sehr kooperativ, bis der Jack Daniel’s herauskam“, erinnerte sich der Zeuge. Beide Beschuldigten hätten beteuert, dass sie die Flaschen gekauft hätten. Dem widersprach ihr Vorgesetzter: Die Chargennummer verriet, dass sie recht neu im Lager waren.

Schnell kam der Verdacht auf: Der Whiskey könnte von einem Dritten gestohlen und verkauft worden sein. Staatsanwalt Lehner fügte daher Hehlerei der Anklage hinzu. Auch die ermittelnde Polizistin gab an, dass die Frau ihr gesagt habe, dass sie die Flaschen bei einem anderen Mitarbeiter erworben hatte, für zehn Euro je Stück. „Die Herkunft sei ihr egal gewesen.“

Eine anschließende Wohnungsdurchsuchung förderte noch mehr Beute zu Tage. „Zum Teil in Großverpackungen“, so die Beamtin.

Paar beteuerte, die Ware in der Wohnung gekauft zu haben

Die Angeklagte ließ über ihren Verteidiger Peter Prokop mitteilen, dass sie den Diebstahl der Lebensmittel bereits zugegeben habe – nur bei den Whiskey-Flaschen beteuerte sie weiter ihre Unschuld. Dem schloss sich ihr Lebensgefährte mittels Dolmetscherin an: „Natürlich fühle ich mich schuldig, dass ich diese Sachen vom 24. März 2025 gestohlen habe.“

Beiden Angeklagten war nach der Tat gekündigt worden, und sie erhielten Hausverbot. Mit Netto einigten sie sich auf einen Vergleich und zahlten jeweils 500 Euro. Das Zehnfache des Diebesguts im Rucksack, betonte der Anwalt. Die beiden Angeklagten beteuerten, dass sie die Ware in der Wohnung nicht gestohlen, sondern in unterschiedlichen Läden gekauft hätten. Seine Mandantin habe so große Mengen zuhause gehabt, weil sie Freunden und Verwandten in Polen etwas mitbringen wollte, erläuterte Prokop.

Ihr Freund ergänzte: „Wir haben jetzt ein großes Haus in Polen und wollen das einrichten.“ Die zwei leben seit vier Jahren in Deutschland, möchten aber bald nach Polen zurück, wenn die „unangenehme Angelegenheit“ abgeschlossen sei. Der Mann entschuldigte sich „bei der ganzen Firma Netto“ und sagte: „Ich schäme mich sehr, dass wir uns hier treffen müssen.“

Dass sie die Gegenstände gekauft hätten, bezweifelte ihr ehemaliger Vorgesetzter, als er die Fotos der gefunden Sachen sah, die ihm Richterin Bauer zeigte: „Das war Ware, die logistisch verpackt war.“ Im Zentrallager werde nichts ausgepackt, sondern erst in den Filialen. Artikel in Mehrfach-Verpackungen seien daher für Kunden gar nicht erhältlich. Die Gegenstände müssten somit aus dem Lager stammen. Zudem hatte das Paar keine Kaufbelege.

Richterin verurteilt Frau auch wegen Hehlerei der Jack-Daniel's-Flaschen

Staatsanwalt Lehner wollte beide wegen Diebstahls in zwei Fällen und die Frau zusätzlich wegen Hehlerei verurteilt sehen. Für sie forderte er daher 110 Tagessätze zu je 25 Euro, und für den Mann 180 Tagessätze zu je 60 Euro.

Richterin Bauer ging bei der Verurteilung der Angeklagten sogar etwas höher: 140 Tagessätzen zu je 25 Euro, auch wegen Hehlerei der Whiskey-Flaschen. Beim 25-jährigen Angeklagten blieb sie dagegen mit 110 Tagessätzen zu je 60 Euro unter der Forderung des Staatsanwalts. Binnen einer Woche könnten beide noch Revision oder Berufung einlegen. Und auch wenn es stimmen könne, so Bauer, dass die zwei die in der Wohnung gefundenen Waren zur Familie nach Polen bringen wollten: „Nichtsdestotrotz bin ich der Überzeugung, dass die Artikel nicht gekauft, sondern gestohlen wurden.“