So profitiert die Wirtschaft im Landkreis Neumarkt von der Bahnsanierung

Die Sanierung der Bahnstrecke Nürnberg – Regensburg macht Pendlern das Leben schwer, aber mit ihr lässt sich auch Geld verdienen. Von den vielen Millionen Euro, die das Großprojekt kostet, bleiben auch einige im Landkreis Neumarkt hängen. Wir zeigen wo.
Die Bahn spricht davon, dass die Bahnsanierung „diverse positive Effekte auf die lokale Wirtschaft und ansässige Unternehmen“ hat. Die zuständige DB InfraGO setze auf viele lokale Unternehmen.
Dazu gehören die Firmengruppe Max Bögl und Railone. Bögl liefert nach eigenen Angaben rund 70.000 Betonschwellen aus dem Werk in Sengenthal. 75.000 sind es bei Railone, das zudem 132.000 alte Schwellen wiederverwertet. Rund die Hälfte der neuen Schwellen wird im Neumarkter Werk produziert, die andere Hälfte kommt aus dem Werk im sächsischen Coswig.
90.000 Tonnen Schotter müssen für Bahnsanierung bewegt werden
Bevor aber überhaupt eine neue Schwelle verlegt werden kann, braucht es viel Schotter. Der kommt unter anderem von den Bärnreuther+Deuerlein Schotterwerken, die im Landkreis drei Steinbrüche betreiben. Rund 90.000 Tonnen Schotter werden für die Bahnsanierung selbst benötigt. Hinzu kommen 150.000 Tonnen für die Tragschicht auf den vielen Flächen entlang der Strecke, auf denen Material und Maschinen gelagert werden.
Der Schotter und anderes Material muss bewegt werden. Davon profitieren wiederum Unternehmen wie jenes von Alfred Eichenseer aus Batzhausen. „Die Bahnsanierung macht sich in unseren Auftragsbüchern positiv bemerkbar“, sagt der Unternehmer.
Für die Bahn ist er mit Baggern, Tiefladern und anderen Fahrzeugen aktiv. Neben dem Transport macht Eichenseers Firma auch den Abriss von Brücken in Seubersdorf, Woffenbach und Sengenthal.
Beim Abtransport des Altmaterials ist Eichenseer ebenfalls involviert. Die für den Abschnitt Neumarkt - Regensburg beauftragte Münchner Entsorgungsfirma Blues, die einen Standort in Neumarkt hat, greift dabei auch auf die Dienste des Batzhauseners als Subunternehmer zurück.
Unternehmen mit Standort in Neumarkt entsorgt Altmaterial der Bahnsanierung
Blues ist selbst ein Subunternehmer. Die Sanierung führen zwei Generalunternehmer durch. Für den Abschnitt Feucht – Neumarkt ist es die Firma Swietelksy, für den Abschnitt bis Regensburg ist es Spitzke. Letzteres hat Blues beauftragt. „Wir kümmern uns um alles, was bei der Bahnsanierung mit Entsorgung und Recycling zu tun hat“, sagt Geschäftsführerin Birgit Gehr.
Ob Leerrohre für Kabel, Fundamente von Masten, Bauschutt von sanierten Bahnhöfen oder alter Schotter: Es seien nicht nur viele unterschiedliche Materialien, sondern auch gigantische Mengen, sagt Gehr. Entsprechend bedeutend ist der Auftrag für Blues.
Darüber hinaus haben verschiedene regionale Garten- und Landschaftsbauer Arbeit bei der Bahnsanierung gefunden. Dazu gehört beispielsweise die Roider GmbH aus Lupburg, die auf Arbeiten an Trassenbegleitgrün spezialisiert ist.
Profiteure der Sanierung sind zudem Metzger, Bäcker, Einzelhandel, Restaurants und Hotels. Viele Bauarbeiter kommen von außerhalb und brauchen Verpflegung und ein Bett. Mit Ausnahme der Betriebe des Luxus-Segments hätten alle entlang der Bahnstrecke profitiert, sagt Arwed Arndt, Kreischef des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Auch sein Maiers Hotel in Parsberg hat 20 Zimmer an eine Baufirma vermietet.
Für Hotels kommt Generalsanierung der Bahnstrecke zum richtigen Zeitpunkt
„Die Bahnbaustelle ist genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Arndt. Durch die Bauarbeiter hätten die Hotels eine gute Grundauslastung in einer ansonsten traditionell umsatzschwachen Jahreszeit. Dieser Umstand habe den Baufirmen eine gute Verhandlungsposition gegeben. Reich werde man daher nicht mit der Bahnsanierung, sagt Arndt. Dennoch seien die Einnahmen willkommen und könnten aufs Jahr gesehen helfen, schwächere Phasen auszugleichen oder Investitionen zu ermöglichen
Wie viel Geld durch die Sanierung in die Region fließt, dazu gibt es keine konkreten Zahlen. Dass aber das Stück vom Kuchen nicht unerheblich sein dürfte, erahnt man angesichts der Größe des Kuchens: Die Bahn schätzt die Kosten für das Projekt inklusive Risikopuffer auf rund 1,4 Milliarden Euro.