Ernährungsberaterin aus Berching: „Von Diäten und Fasten halte ich nichts“

Von Bernhard Neumayer · 4. April 2026 um 15:00

Einige Menschen versuchen vor Ostern, 40 Tage lang auf Schokolade oder Alkohol zu verzichten. Ernährungsberaterin Anna-Marie Korber aus Pollanten sieht darin nur kurzfristige Erfolge – langfristig aber eher Probleme. Wer abnehmen will, muss sein Essverhalten dauerhaft umstellen, sagt die 28-Jährige. Wie das im stressigen Alltag zwischen Job und Familie gelingen kann, erzählt die zweifache Mama.

Hauptberuflich sind Sie Küchenleiterin im BRK-Seniorenheim in Woffenbach, nebenberuflich haben Sie sich als ausgebildete Diätköchin und zertifizierte Ernährungsberaterin selbständig gemacht. Woher kommt diese Faszination?

Anna-Marie Korber: Ich habe als Kind selbst kaum etwas gegessen. Kein Obst, kein Gemüse. Meine Hauptnahrungsmittel waren Nudeln und Wienerle. Heute will ich Kindern und Familien zeigen, dass gesunde Ernährung nichts Negatives ist. Wenn ausgewogene Ernährung von Klein auf ohne Druck vermittelt wird, funktioniert sie viel besser.

Ihrer Mutter half Ernährungsberaterin Anna-Marie Korber (r.) aus dem Berchinger Ortsteil Pollanten dabei, insgesamt rund 40 Kilogramm abzunehmen. - Foto: Alexander Korber

Wie funktioniert das im Familienalltag?

Korber: Kinder sollten von Anfang an in die Ernährung und das Zubereiten miteinbezogen werden. Wenn sie beim Schneiden eines Apfels helfen, probieren sie ihn auch eher. Wichtig ist dabei aber, keinen Zwang auszuüben. Druck führt nur dazu, dass Kinder blockieren.

Als Mutter von zwei Kindern (zwei und sechs Jahre alt) sprechen Sie aus Erfahrung. Was raten Sie Eltern, wenn Kindern Obst und Gemüse nicht schmeckt?

Korber: Es ist ganz normal, dass Kindern etwas am Anfang nicht schmeckt. Die Geschmacksrezeptoren sind so ausgebildet, dass man manche Lebensmittel mindestens 50 Mal probieren muss, bis sie einem schmecken könnten.

Ob da die Kinder zuhause mitmachen ...

Korber: Einfach probieren und weitermachen. Wenn es einem Kind beim ersten Mal nicht geschmeckt hat, probiere ich es zwei, drei Tage später wieder. Eltern müssen geduldig bleiben.

Naturgenussberatung von Anna-Marie Korber aus Pollanten

• Anfang: Eigentlich wollte Anna-Marie Korber Architektin werden. Doch nach einem Praktikum im Hotel Fuchsbräu schwenkte sie um und startete eine Ausbildung zur Köchin. Später bildete sie sich weiter: Heute ist sie unter anderem zertifizierte Ernährungsberaterin, staatlich geprüfte und von der IHK ausgezeichnete Diätköchin und hat die C-Lizenz als Fitnesstrainerin.

• Beruf: Heute leitet die zweifache Mutter hauptberuflich die Küche des BRK-Seniorenheims in Woffenbach. Nebenbei hat die 28-Jährige seit Januar 2025 ein Nebengewerbe angemeldet: Unter dem Namen Naturgenussberatung unterstützt die zweifache Mutter aus Pollanten Menschen beim Abnehmen beziehungsweise beim Erreichen ihrer individuellen Ziele.

• Motto: „Es ist keine Schande, sich beim Thema Ernährung Hilfe zu holen. Nur weil ich weiß, wie ein Auto fährt, kann ich es noch lange nicht reparieren – und genauso ist es auch mit der Ernährung“, sagt Korber, die ihrer Mutter beim Abnehmen geholfen hat. „Sie hat in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren 40 Kilo abgenommen“, erzählt Anna-Marie Korber.

Zeit und Geduld hat man im stressigen Alltag nicht immer. Wie kann man sich trotzdem gesund ernähren?

Korber: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann etwa Meal Prep machen, also zum Beispiel am Sonntagabend für die ganze Woche vorkochen. Wer es noch unkomplizierter mag, kann auf One-Pot-Gerichte wie Eintöpfe zurückgreifen. Hier werden alle Zutaten – etwa Gemüse und Fleisch – in einem Topf zusammen zubereitet. Und wenn auch das zeitlich nicht funktioniert, kann man auch mal ein Fertiggericht machen. Da gibt es mittlerweile auch Optionen, die vom Nährwert her total in Ordnung sind.

Für die Ernährungsberaterin aus Pollanten ist zur Abwechslung auch ein Döner in Ordnung. - Foto: Jens Kalaene/dpa

Das heißt, es muss nicht immer nur Gemüse sein.

Korber: Richtig. Eine Pizza oder ein Döner sind auch mal völlig in Ordnung. Entscheidend ist die Menge und die Balance. Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen. Wichtig ist, dass man sich langfristig ausgewogen ernährt.

Viele Menschen halten das nicht durch und haben Phasen, in denen sie konsequenter sind und es dann wieder schleifen lassen. Sie starten am 1. Januar mit einem Neujahrsvorsatz oder fasten 40 Tage vor Ostern.

Korber: Davon halte ich nichts. Diäten bringen oft nur kurzfristige Erfolge, führen langfristig aber eher zu Problemen. Stichwort: Jojo-Effekt. Viel wichtiger ist eine dauerhafte Umstellung der Ernährung ohne Druck.

Warum halten Sie Diäten für problematisch?

Korber: Wer über einen längeren Zeitraum zu wenig isst, bringt den Körper in einen Energiesparmodus: Der Grundumsatz sinkt. Das heißt, der Körper verbraucht weniger Energie im Alltag. Sobald anschließend wieder normal gegessen wird, kann es daher schneller zu einer Gewichtszunahme kommen – in manchen Fällen sogar über das ursprüngliche Gewicht hinaus.

Also soll man sich einfach durchgehend ausgewogen ernähren und Kinder zum Beispiel keine Süßigkeiten verbieten?

Korber: Genau. Von Verboten halte ich nichts. Denn sie führen oft dazu, dass Kinder erst recht danach verlangen. Es geht darum, den Kindern einen gesunden Umgang, zum Beispiel mit Süßigkeiten, zu lernen.

Treppe statt Aufzug: In den Alltag kann man Bewegung integrieren und so seinem Körper etwas Gutes tun. - Foto: Christin Klose/dpa

Neben Ernährung spielt auch Sport eine Rolle, wenn man gesund leben will. Wie wichtig ist Bewegung?

Korber: Eine gesunde Lebensweise besteht etwa zu 70 Prozent aus Ernährung und nur zu 30 Prozent aus Bewegung. Und da muss es kein Leistungssport sein. Man kann Bewegung auch ganz leicht in seinen Alltag integrieren.

Wie?

Korber: Wenn man zum Beispiel Treppen steigt statt mit dem Aufzug zu fahren. Oder wenn ich eine Hausfrau oder ein Hausmann bin, laufe ich die Treppe nicht nur einmal rauf und runter, wenn ich den Wäschekorb hochtrage, sondern gleich ein zweites Mal. Was ich auch schon gemacht habe: Durch jede Tür, durch die ich gehe, mache ich eine Kniebeuge. Man muss nicht joggen gehen, 20 Minuten am Tag spazieren gehen, tut es auch. Man bekommt frische Luft, tankt Vitamin D und der Kreislauf kommt in Schwung.

Wenn Sie unseren Lesern nur einen Tipp mitgeben könnten: Wie würde er lauten?

Korber: Nehmen Sie den Druck raus. Es gibt keine schnellen Lösungen und keine Wundermittel. Veränderungen brauchen Zeit. Wenn man dranbleibt, kommen die Ergebnisse – aber nicht von heute auf morgen.