Speed-Dating für Gastronomen und Erzeuger: Warum Regionalität oft eine Preisfrage ist

Im Geschäft ist es ähnlich wie in der Liebe: Den richtigen Partner zu finden, ist schwer – vor allem, wenn dieser meist in der Küche oder auf dem Acker steht. Um das zu ändern, hat die Regina GmbH gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg-Neumarkt am Dienstag ein neues Format getestet: Beim „Speed-Dating“ im Lauteracher Hof in Lauterhofen trafen Gastronomen und regionale Erzeuger aufeinander. Dabei wurden auch Schwierigkeiten deutlich.
Die Veranstaltung am Dienstagnachmittag wurde von der Regina GmbH gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg-Neumarkt organisiert. In kurzen Gesprächsrunden hatten die Teilnehmer jeweils wenige Minuten Zeit, um Produkte, Preise und Erwartungen vorzustellen. Die Erzeuger saßen im Gastraum an nummerierten Tischen und hatten Flyer, Präsentationen oder Kostproben dabei – vom Schokokuchen aus proteinreichem Leinsamenmehl über Carpaccio von fair gehaltenen Rindern bis hin zu Honig aus der Naturimkerei.
Abwechselnd stießen die Gastronomen dazu. Schnell zeigte sich: Der Gesprächsbedarf war groß. Die ursprünglich angesetzten acht Minuten pro Runde wurden im Laufe der Veranstaltung auf zehn Minuten verlängert.
Ziel des Formats war es, regionale Lieferketten zu stärken und neue Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Gastronomie anzustoßen. Doch wie schwierig das in der Praxis ist, wurde schnell deutlich. „Ein Liter Motoröl darf heute mehr kosten als ein Liter Speiseöl“, sagte Arwed Arndt von Maiers Hotel in Parsberg und brachte damit die wirtschaftliche Schieflage vieler Gastronomen auf den Punkt.
Arndt ist auch Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. „Viele Gäste vergleichen am Ende nur den Preis. Faktoren wie Zeit, Arbeitsleistung, Zutaten oder das gesamte Ambiente werden dabei kaum mitgedacht – gerade jetzt, wo viele Haushalte aufs Geld schauen.“ Die Verantwortung sieht er jedoch nicht allein bei den Gästen: „Wir Betriebe müssen besser in der Kommunikation werden.“
Auch Gastgeber Kai Donhauser kennt diese Herausforderungen. Er betreibt den Lauteracher Hof gemeinsam mit seiner Frau Steffi Lang und ließ das Restaurant als erstes im Landkreis bio-zertifizieren. „Wo es geht, mit regionalen Produzenten zusammenzuarbeiten, ist für uns selbstverständlich“, sagte Donhauser. Vielen Gästen sei jedoch schwer zu vermitteln, dass sich dieser verantwortungsbewusste Umgang mit Lebensmitteln auch im Preis widerspiegele. Gerade deshalb sei der Austausch beim Speeddating so wertvoll.

Auch aus Sicht der Erzeuger ist der direkte Austausch entscheidend. „Für mich ist es eine coole Veranstaltung. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Gastronomen an regionalen Produkten interessiert sind“, sagte Alexandra Inzenhofer, die als Direktvermarkterin teilnahm. Der persönliche Kontakt helfe zudem, besser zu erklären, wie Preise zustande kommen.
Im Anschluss diskutierten Gastronomen und Erzeuger offen über mögliche Lösungsansätze. Ziel sei es, enger zusammenzuarbeiten, um etwa Logistik zu bündeln und Lieferwege zu vereinfachen. Es wurden Ideen wie Einkaufsgenossenschaften angesprochen. Vergleichbare Modelle gebe es laut Arndt in anderen Regionen bereits.

„Jeder Kontakt ist wertvoll, ob sich daraus eine Geschäftsbeziehung entwickelt oder nicht“, sagte Sandra Foistner. Sie ist Projektleiterin für die Öko-Modellregion Neumarkt bei der Regina GmbH und organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit Sabine Pfeiffer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Die Veranstalter
• Regina GmbH: Die Regina GmbH ist die regionale Innovations- und Entwicklungsagentur des Landkreises Neumarkt. Sie unterstützt Projekte und Initiativen, die den ländlichen Raum stärken.
• AELF: Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) berät Landwirtinnen und Landwirte sowie Betriebe in allen Fragen rund um Produktion, Vermarktung und regionale Wertschöpfung.
• Öko-Modellregion: Die Öko-Modellregion Landkreis Neumarkt ist Teil einer bayerischen Initiative zur Stärkung des ökologischen Landbaus und regionaler Bio-Wertschöpfungsketten. Sie initiiert und begleitet vor Ort Projekte, um Bio-Erzeugung, Bewusstsein und Zusammenarbeit in der Region zu fördern.