Herzschwäche erkennen: Neumarkter Chefarzt klärt über Symptome und Risiken auf

Die Herzinsuffizienz, oder Herzschwäche, ist in Deutschland eine echte Volkskrankheit. Am Donnerstag, den 20. November, veranstaltet Professor Dr. Peter Grewe vom Klinikum Neumarkt deswegen ein Arzt-Patienten-Seminar im Landratsamt. Im Interview erzählt er, wie man eine mögliche Herzschwäche erkennt und sich lange gesund hält.
Herr Professor Dr. Grewe, am Donnerstag veranstalten Sie ein Arzt-Patienten-Seminar zum Thema Herzschwäche. Warum ist Ihnen dieses Thema wichtig?
Peter Grewe: Die Herzinsuffizienz, oder umgangssprachlich Herzschwäche, ist ein Riesenproblem in unserer Gesellschaft. Sie ist die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte in Deutschland. Viele Patienten erkennen das Syndrom zu spät. Darum möchten die Referenten, allesamt erfahrene Kardiologen, sensibilisieren.
Wie häufig begegnen Sie Herzschwäche im Klinikalltag?
Grewe: Sehr häufig. Von rund 4000 Patienten pro Jahr in unserer Abteilung haben weit über die Hälfte eine Herzschwäche– in ganz unterschiedlichen Ausprägungen.
Was sind typische Warnzeichen?
Grewe: Es gibt drei wichtige Symptome: Luftnot bei Belastung, etwa wenn man plötzlich beim Treppensteigen stehen bleiben muss, um durchzuatmen. Dazu kommen Wassereinlagerungen in den Beinen und eine schnelle Gewichtszunahme, manchmal mehrere Kilo in wenigen Tagen. Manche Betroffene bemerken auch, dass sie schon bei leichter Anstrengung ungewöhnlich stark schwitzen, vor allem im Nacken- und Schulterbereich.
Frauen sind in der Herzmedizin insgesamt noch immer unterdiagnostiziert.Chefarzt Prof. Dr. Peter Grewe
Im Vergleich zu Männern werden Herzinfarkte bei Frauen oft zu spät erkannt. Ist das bei Herzschwäche auch so?
Grewe: Ja, Frauen sind in der Herzmedizin insgesamt noch immer unterdiagnostiziert. Das liegt zum Teil daran, dass sie weniger schmerzempfindlich sind und ihre Beschwerden oft herunterspielen. Beim Herzinfarkt haben Frauen tatsächlich häufig andere Symptome als Männer, zum Beispiel Schmerzen im Rücken, in den Schultern oder im Oberbauch statt im Brustkorb. Bei der Herzschwäche sind die Symptome im Grunde die gleichen wie bei Männern, aber auch hier werden sie bei Frauen statistisch seltener erkannt. Viele ordnen Atemnot oder Erschöpfung zunächst den Wechseljahren, Stress oder allgemeiner Müdigkeit zu.
Wie kann man Herzschwäche behandeln?
Grewe: Entscheidend ist, die Ursache zu finden und zu behandeln. Wenn etwa eine Rhythmusstörung dahintersteckt, muss diese korrigiert werden. Dazu kommen moderne Medikamente.
Auf Blutzucker und Blutdruck achten
Was kann man selbst tun, um vorzubeugen?
Grewe: Regelmäßige Bewegung ist das A und O. Es muss kein Marathon sein. Bei Menschen, die 60 oder 70 Jahre alt sind, reichen tägliche Spaziergänge. Auch Radfahren oder Schwimmen wirken Wunder. Wichtig ist eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, wenig tierischem Fett und wenig Zucker. Blutdruck und Blutzucker sollten gut eingestellt sein. Und wer raucht, sollte aufhören.
Wie entsteht Herzschwäche?
Grewe: Die Herzinsuffizienz ist ein Syndrom, das stets auf eine dahinterstehende Krankheit hinweist. Es gibt also viele mögliche Ursachen. Am häufigsten sind Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit und Herzrhythmusstörungen. Auch eine verschleppte Herzmuskelentzündung kann eine Rolle spielen. Und natürlich spielt der Lebensstil eine große Rolle: zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Rauchen und Stress.
Ab wann sollte man zum Arzt gehen?
Grewe: Wenn man plötzlich deutlich weniger belastbar ist als früher, also zum Beispiel auf der Treppe stehen bleiben muss oder sich ungewöhnlich müde fühlt, sollte man das ärztlich abklären lassen. Lieber einmal zu früh als zu spät – das kann Leben retten.
Gibt es eine Geschichte aus Ihrer Praxis, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Grewe: Ja, leider eine tragische. In meiner Zeit als Assistenzarzt hatte ein junger Kollege von mir eine unerkannte Herzmuskelentzündung. Er fühlte sich etwas krank, fuhr trotzdem Mountainbike und starb kurz darauf am plötzlichen Herztod, also an einer akuten Herzschwäche.
Was sollen die Zuhörer aus Ihrem Vortrag mitnehmen?
Grewe: Dass Herzschwäche keine harmlose Alterserscheinung ist, sondern eine ernsthaftes, aber gut behandelbares Syndrom. Und dass man die typischen Warnzeichen kennt: Luftnot, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme, übermäßiges Schwitzen. Wer das bemerkt, sollte schnell zum Arzt gehen. Dann können wir oft sehr viel tun.
Arzt-Patienten-Seminar „Herzschwäche“
• Die Referenten: Die Veranstaltung „Wenn das Herz schwach wird“ informiert über Herzschwäche, ihre Ursachen, Warnzeichen und moderne Behandlungsmöglichkeiten. Ziel ist es, Patienten und Interessierten praxisnah zu zeigen, wie man Symptome erkennt und rechtzeitig medizinische Hilfe in Anspruch nimmt.
• Datum Ort und Aufbau: Das Seminar findet am Donnerstag den 20. November um 17.30 Uhr im Landratsamt Neumarkt statt. Die Experten erklären die Grundlagen der Herzinsuffizienz, zeigen diagnostische Methoden, erläutern medikamentöse Therapien und moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Herzklappenproblemen.
• Die Referenten: Prof. Dr. med. Peter Grewe, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Neumarkt, sowie seine Kollegen Dr. Johannes Schwab, Dr. Cristina Burgmann und Dr. Ulrich Reiser begleiten das Seminar. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.