Wer wird Vizelandrat? Der neue Kreistag in Cham steht vor seiner ersten Zerreißprobe

Dem neuen Kreistag in Cham droht gleich in seiner konstituierenden Sitzung am 8. Mai eine Zerreißprobe. Wer wird der künftige Stellvertreter des neuen Landrats Christian Schindler? Nach Informationen des Bayerwald-Echos beanspruchen sowohl die Freien Wähler als auch die CSU diesen Posten. Im Hintergrund werden die Bataillone gesammelt und es gibt erste Reibungspunkte.
Der CSU drohen gleich zwei Stahlbäder: ein mentales, weil sie erstmals in der Geschichte keine Mehrheit hat. Und ein personelles: Die Auswahl des CSU-Kandidaten für den Posten des ständigen Landrats-Stellvertreters ist offensichtlich selbst innerhalb der Partei umstritten.
Setzt die CSU auf Multerer als Vizelandrat?
Denn – Überraschung – es soll sich um den Wahl-Verlierer Michael Multerer handeln. Auf Anfrage gehen alle Beteiligten in Deckung: Multerer ist laut WhatApp-Status im Süden unterwegs und nicht erreichbar. Der CSU-Kreisvorsitzende MdL Dr. Gerhard Hopp sagt ausdrücklich: nichts! Weil das Diskutieren von Personalien im Vorfeld unseriös wäre, legt er noch nach.
Lesen Sie dazu auch: Landratswahl in Cham: Volkspartei CSU schafftdie 50 Prozent-Hürde nicht mehr
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Karl Holmeier sagt ausdrücklich: auch nichts. Weil nichts ausgemacht ist, erklärt er noch.
Damit könnte er sogar recht haben. Wenn sich die CSU am 7. April um 19 Uhr im Brunnerhof in Arnschwang trifft, dann steht auf der Tagesordnung unter Punkt 8: „Beschlussfassung über stellvertretende Landräte“.
Und alle sagen: nichts
Es droht eine kleine Palastrevolution. Behaupten wir – die Zeitung. Weil wir im Vorgriff mit einigen Leuten geredet haben. Die sagen, dass Multerer einen Gegenkandidaten gestellt bekommt. Da haben wir nachgedacht und uns erinnert: Das gab es doch schon mal bei der Kür des CSU-Landrats-Kandidaten? Und wir haben den Bürgermeister Stefan Baumgartner in Chamerau angerufen, weil der immer für eine kleine Revolution gut ist. Und siehe da – man ahnt es fast – er sagt: nichts.
Natürlich hat uns auch (öffentlich) niemand bestätigt, dass der Fraktionsvorsitzende Holmeier gerne den Chamer Bürgermeister Martin Stoiber als Nachfolger haben würde. Der zieht aber angeblich nicht so recht. Und auf unsere Anfrage sagt er: nichts.
Von wegen „Still ruht der See“
So sehr sich die CSU auch bemüht, dass sich an der Oberfläche nichts kräuselt: Von wegen „Still ruht der See“ – tief unten brodelt es. So mancher an der Basis will nach der verlorenen Wahl, in der die CSU Kreistagsmehrheit und Landratsposten verspielt hat, nicht mehr so weitermachen wie bisher: weder bei den Themen noch beim Personal.
Lesen Sie dazu auch: Stichwahlsieg mit 53,3 Prozent: Chams neuer Landrat heißt Christian Schindler
Woher wir das wissen? Nun ja. Neben den genannten Gesprächen gibt es noch ein paar weitere Anzeichen: Die CSU soll bei den drei SPDlern angeklopft haben. Ihre Rechnung: Von 60 Kreisräten haben wir 29. Plus drei SPDler = Vizelandrat. Doch da haben die Schwarzen die Rechnung ohne die Sozis gemacht. Kreisrat Franz Kopp formuliert es vornehm: „Bei unseren Ergebnissen um drei und vier Prozent bei Landrats- und Kreistagswahl werden wir ganz sicher nicht das Zünglein an der Waage der Großen mimen.“ Kopp wünscht sich, dass CSU und Freie Wähler sich einigen auf stabile Haltungen und Mehrheiten. Die Kleinen halten sich zurück und lassen die Platzhirsche auf die Lichtung.
Schindler: „Die CSU weiß genau, was wir wollen“
Da haben wir den neuen Landrat Christian Schindler gefragt, ob er schon was tut für eine Einigung. Und Schindler sagt: nicht nichts. Er formuliert es so: „Wir haben uns unterhalten und die CSU weiß, was wir wollen, und wir wissen, was die CSU will. Ich habe da aber auch klare Linien gezogen.“ Insider behaupten, dass die klare Linie seinen Stellvertreter betrifft: Er soll Freier Wähler sein. Dazu sagt wiederum Schindler: nichts.
Die Haltung wäre aber aus Sicht des Freien Wählers Schindler naheliegend. Sollte sich die CSU am 7. April nämlich überraschend nicht für Multerer entscheiden, dann stünde da vielleicht ein jugendlicherer CSUler als Königsmörder in den Startlöchern und würde darauf warten, in Schindlers Urlaub zu amtieren. Das kann ja spannend werden – gleich in der ersten Sitzung.
Lesen Sie hier den Kommmentar von Johannes Schiedermeier zum Thema „Die Milchmädchen-Rechnung der CSU“