Stichwahl-Sieg mit 53,3 Prozent: Chams neuer Landrat heißt Christian Schindler (FW)

„Multerer macht’s“ hatte das Bayerwald-Echo vorhergesagt, als es darum ging, wer für die CSU ins Rennen geht um das Amt des Landrats in Cham. Am Ende schafft es Michael Multerer in die Stichwahl mit dem besten Ergebnis. Und sein Gegner Christian Schindler von den Freien Wählern plakatiert als Zweitplatzierter: „Der Christian macht’s besser...“ Nun ist es raus: Der Christian Schindler hat es tatsächlich besser gemacht. Und zwar mit 53,3 Prozent der Stimmen. Multerer hat 46,7 Prozent bekommen.
Es ist gegen 19 Uhr, als Christian Schindler und Michael Multerer im Landratsamt auftauchen, wo Dutzende von Bürgern und Parteigängern im großen Sitzungssaal die einzelnen Ergebnisse verfolgen. Noch liegt das Endergebnis nicht vor. Furth im Wald und Falkenstein haben noch nicht fertig ausgezählt. Doch die Sachlage ist bereits klar: Der Sieger der Stichwahl ist Christian Schindler.
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Der neue Landrat Schindler wirkt noch ganz erschlagen
Der neue Landrat ist in seinem ersten Interview noch ganz erschlagen: „Ich bin gerade von himmelhochjauchzend bis ich weiß nicht wohin... Es ist absoluter Wahnsinn, dieses Ergebnis. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich gewählt haben.“
Schindlers Erklärung für den doch überraschend deutlichen Sieg nach der ebenso deutlichen Führung seines Mitbewerbers Multerer im ersten Wahlgang: „Die Wähler haben heute für einen Wechsel im Chamer Landratsamt votiert.“ Für ihn selbst bedeute dieses Wahlergebnis eine „totale Zeitenwende“. Und auch persönlich ergebe sich eine völlig neue Situation.

Michael Multerer (CSU) staunt über doch deutliche Siege seines Mitbewerbers in manchen Gemeinden: „Da ist extrem gegen mich gewählt worden, was ich mir persönlich nicht erklären kann.“ Auch nach diesem Wahlausgang ist der CSU-Kandidat allerdings mit sich im Reinen: „Es war ein jederzeit fairer Wahlkampf, auch in der Stichwahl. Ich wüsste auch nicht, was ich noch mehr machen hätte sollen.“ Eine echte Erklärung für seine Niederlage findet Multerer nicht: „Es hat nichts Dramatisches gegeben zwischen dem ersten Wahlgang und der Stichwahl. Auch nicht bundespolitisch. Ich habe mein Bestes gegeben. Es hat halt nicht gereicht.“ Allerdings schwant Multerer schon, dass es im Kreistag nicht leichter werden wird in der neuen Besetzung. Dort hat die CSU nicht nur nominell ihre Mehrheit verloren, sondern Multerer macht diese Erkenntnis auch fest „an einigen Leuten, die dort zum ersten Mal mit hineingewählt worden sind.“
Multerer: „Erst einmal ganz lang Urlaub!“
Er selbst werde das Kreistagsmandat selbstverständlich annehmen. „Ich wünsche Christian Schindler alles Gute für diese Hammer-Aufgabe, die da auf ihn zukommt.“ Auf die Frage, was er denn jetzt machen werde, antwortet der CSU-Kandidat wie aus der Pistole geschossen: „Erst einmal ganz lang Urlaub!“

Kurz darauf begegnen sich Schindler und Multerer im Sitzungssaal und der CSU-Kandidat beglückwünschte den Sieger mit Handschlag. „Es war ein fairer Wahlkampf über lange Monate. Ich bin schon enttäuscht, dass der Riesenaufwand nicht belohnt worden ist. Aber so ist das Leben. Es gibt Schlimmeres, als eine Wahl zu verlieren.“
Landrat Löffler (CSU) gratuliert und wünscht sich Kräftebündelung
Christian Schindler hat seine Ehefrau Laura mit dabei, die einen Strauß Blumen überreicht bekommt, dazu MdL Julian Preidl und der Bad Kötztinger Bürgermeister Markus Hofmann.
Der amtierende Landrat Franz Löffler gratuliert Schindler bereits, als noch vier Wahllokale offen sind: „Ich wünsche Dir alles Gute, um den Landkreis Cham in bewegten Zeiten zu führen.“ Auch Löffler fand den Wahlkampf intensiv, aber fair. Der Landrat ruft nun zum Zusammenhalt auf: „In der Demokratie gibt es immer Sieger und Besiegte. Wir brauchen aber jetzt dann alle Kräfte, um den Landkreis weiter gut zu entwickeln.“
Schindler: „Auf sowas war ich nicht vorbereitet“
Christian Schindler räumt in diesem Moment ein: „Tatsächlich war ich auf sowas nicht vorbereitet. Als Freier Wähler so ein Ergebnis in einer CSU-Hochburg zu holen, das stimmt mich demütig.“ Die Landratswahl sei eine Personenwahl gewesen, keine Parteienwahl. Und auch Schindler drückt die Hoffnung auf eine gute Zusammenarbeit im Kreistag vom ersten Tag an aus.
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Im ersten Wahlgang hatte Michael Multerer 44,6 Prozent der Stimmen bekommen. Christian Schindler (FW) erhielt Schindler 31,6 Prozent. Bei einer Wahlbeteiligung von 70,9 Prozent war die AfD -Kandidatin Christl Fischer klar geschlagen mit 14,4 Prozent auf Platz 3 gelandet und hatte die Stichwahl deutlich verfehlt. Multerer hatte im ersten Wahlgang 33 082 Stimmen bekommen, Schindler 23 396.
Das Rennen und viele Fragen waren bis zu Schluss offen
Vor der Stichwahl war das Rennen offen. Denn auf einige Fragen trauten sich auch die Polit-Experten keine wirkliche Antwort zu: „Wer würde seine Wähler beim Stichwahlgang besser mobilisieren können. Was wählen die Anhänger der ausgeschiedenen Kandidaten von SPD, Linke, Grüne, FDP? Hier hatte es im Vorfeld keinerlei offizielle Empfehlungen für einen der beiden Kandidaten gegeben. Und: Gehen die Wähler von Christl Fischer (AfD) überhaupt noch einmal zur Wahl?
Immerhin gibt es an diesem Abend eine Wahlbeteiligung bei der Stichwahl von 57,4 Prozent. Das ist nahezu doppelt so viel wie bei der Stichwahl zwischen Franz Löffler und Max Schmaderer (FW), die Löffler 2010 hauchdünn mit rund 300 Stimmen Vorsprung für sich entschieden hatte.