Kampf ums Chamer Landratsamt: Multerer und Schindler sind angriffslustig

Nach der Wahl ist vor der Stichwahl – zumindest für Michael Multerer und Christian Schindler. Ob der CSU-Mann oder der Freie Wähler neuer Landrat von Cham wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler am 22. März. Multerer gilt mit 44,6 Prozent in Wahlgang eins als Favorit, doch Schindler (31,5 Prozent) gibt sich kämpferisch: „Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen.“
Dass das mehr ist als nur Pfeifen im Wald, zeigt ein Blick auf die Zahlen. 23,8 Prozent der Wähler vom Sonntag müssen sich am 22. März einen neuen Favoriten suchen. Dass SPD-, Grüne- und Linke-Wähler ihr Kreuz bei einem CSUler machen, ist nicht selbstverständlich. Schwieriger vorauszusagen ist das Verhalten von bisherigen AfD- und FDP-Wählern. Nicht zu vergessen: 29,1 Prozent der Wahlberechtigten haben gar nicht abgestimmt.
Beide Lager werden also nochmal kräftig auf die Pauke hauen: mit Zusatzaufklebern zur Stichwahl auf den Wahlplakaten (teils in der Nacht zum Montag schon geklebt), mit Veranstaltungen und Gesprächsangeboten, mit einer kleinen Freien-Wähler-Tour durch den Landkreis am Wochenende oder (möglicherweise prominenter)Unterstützung durch die „CSU-Familie“. Die CSU-Spitze im Kreis trifft sich am Dienstagabend, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die erste öffentliche Veranstaltung der FW findet am Mittwoch um 19 Uhr im Randsberger Hof in Cham statt.
Beide Lager werben auch um die AfD-Wähler
Beide Lager dürften bei ihren Bemühungen vor allem die bisherigen AfD-Wähler (14,4 Prozent) im Blick haben. Ihre Wahlentscheidung sei zumindest in Teilen Ausdruck von Unsicherheit und Unzufriedenheit, sagt Michael Multerer. Er wolle diesen Menschen ein gutes Angebot machen. „Ich verspreche, dass ich alles dafür tun werde, dass es im Landkreis so weitergeht wie bisher: nämlich gut.“
Auch Christian Schindler sagt, dass man um die buhlen werde, die anderswo ihr Kreuz gesetzt haben. „Auch die AfD-Wähler wollen doch letztlich wissen, wie es im Landkreis Cham weitergeht“, sagt er. Man werde deshalb – wie bisher – in offenen Gesprächen um Vertrauen werben.
Wahlkampf soll respektvoll, fair und sauber bleiben
Dass der Wahlkampf der sechs Bewerber, die sich öffentlichen Diskussionen gestellt haben, fair, respektvoll und sauber verlaufen ist, bestätigen Schindler und Multerer – und beteuern, dass das auch so bleiben soll. Trotzdem setzen beide im Gespräch mit dem Bayerwald-Echo verbale Duftmarken. So sagt der Freie Wähler, die CSU setze darauf, „dass die Bevölkerung in Lethargie verharrt“.
Will ich einen jungen Kandidaten haben, der für frischen Wind steht, oder möchte ich eine Weiter-so-Politik?Christian Schindler
Doch wenn der Bürger den Wechsel wolle, „dann führt er ihn auch herbei“. Der Wähler müsse sich doch jetzt fragen: „Will ich einen jungen Kandidaten haben, der für frischen Wind steht, oder möchte ich eine Weiter-so-Politik?“, sagt Schindler (Jahrgang 1993) . Der Altersunterschied zwischen beiden beträgt rund 25 Jahre.
Das Alter spiele bei der Wahlentscheidung keine Rolle, entgegnet der Christsoziale (Jahrgang 1968). Es komme auf gelebte Erfahrung an und darauf, wem die Menschen am meisten zutrauten, die Herausforderungen des Landkreises Cham zu meistern. „Natürlich tut man sich leichter, von Transparenz und solchen Dingen zu reden, wenn man selbst in keinem Gremium sitzt und nicht in der Verantwortung ist“, sagt Michael Multerer. Er jedenfalls stehe zu dem, was er in vielen Jahren kommunalpolitischer Arbeit mitentschieden und mitgetragen habe.
Natürlich tut man sich leichter, von Transparenz zu reden, wenn man selbst in keinem Gremium sitzt.Michael Multerer
Am Ende sei es ziemlich einfach, sagt der CSUler. Die entscheidende Frage jedes Wählers sei doch: „Wem traue ich es mehr zu?“, so Multerer. Er gehe fest davon aus, dass die Mehrheit diese Kompetenz bei ihm erkennt.
Schindler sieht das naturgemäß anders und hofft, dass die Waage am 22. März in die andere Richtung kippt: „Ich glaube, dass wir Historisches schaffen können.“
Das Wahlergebnis vom Sonntag:
Rimbach war’s: Weil dort in einem Wahlbezirk lange nachgezählt werden musste, lag das vorläufige Endergebnis der Landratswahl am Sonntag erst nach 21.30 Uhr vor.
Multerer vor Schindler: Und so haben die Menschen im Landkreis Cham gewählt. Michael Multerer (CSU) erreichte 44,6 Prozent der Stimmen, Christian Schindler kommt auf 31,5 Prozent. Für Christl Fischer (AfD) entschieden sich 14,4 Prozent der Wähler, für Steve Brachwitz (SPD) 3,3 Prozent. Alfred Stuiber (FDP) kam auf 2,9 Prozent, Sascha Kretz (Grüne) auf 1,9 Prozent und Christian Oberthür (Die Linke ) auf 1,3 Prozent.
Mehr Wähler: 105 442 Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Cham waren am Sonntag wahlberechtigt, 74 710 haben ihre Stimme abgegeben. Damit liegt die Wahlbeteiligung bei 70,9 Prozent. Vor sechs Jahren waren es 67,1 Prozent.
Tops & Flops
Tops: Am besten hat Michael Multerer in Gleißenberg abgeschnitten. Dort stimmten 68,9 Prozent für ihn, gefolgt von Eschlkam 68,1 Prozent). Die größten Christian-Schindler-Hochburgen: Pemfling (49,5) und Rettenbach (48,1).
Flops: Am meisten zulegen kann Multerer in Roding (28,1) und Pemfling (29,9). Die wenigsten Schindlerwähler gibt es in Furth (11,6) und Eschlkam (12,5).