Landratswahl in Cham: Volkspartei CSU schafft 50-Prozent-Hürde nicht mehr

Von Martin Hennings · 23. März 2026 um 19:00

Mobilisierungsproblem? Zukunftsängste? Denkzettel? Die CSU im Landkreis Cham sucht nach schlüssigen Erklärungen für die Niederlage ihres Landrats-Kandidaten Michael Multerer.

Im ersten Wahlgang die Stärksten, in der Stichwahl dann allein – so umschreibt der CSU-Kreisvorsitzende Dr. Gerhard Hopp die Position der CSU, nicht nur im Landkreis Cham. „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass wir als Volkspartei es nicht mehr schaffen, über 50 Prozent zu kommen“, sagt der Landtagsabgeordnete.

„Der Mich hat einen super Wahlkampf gemacht“

Man sei fleißig gewesen und habe alles gegeben, lässt er auf die Kampagne der Partei und ihres Kandidaten Michael Multerer nichts kommen. „Der Mich hat einen super Wahlkampf gemacht.“ Offenbar sei es trotzdem nicht gelungen, in ausreichendem Maße die eigenen Wähler zu mobilisieren. Besonders leid tue ihm das Ergebnis für die vielen jungen Wahlhelfer. Er hoffe sehr, dass sie „trotz der Niederlage dabeibleiben“.

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Als größte Fraktion im Kreistag habe die CSU auch künftig ein Interesse daran, dass es mit dem Landkreis Cham vorangeht. „Wir gehen davon aus, dass der künftige Landrat das Gespräch mit uns suchen wird“, sagt Hopp.

Für den scheidenden CSU-Landrat Franz Löffler ist das Wahlergebnis auch Ausdruck dessen, „dass die Bevölkerung aufgewühlter ist als man denkt“. Die Sehnsucht nach der Stabilität vergangener Tage und der Wunsch nach Veränderung gleichermaßen treibe die Leute um. „Wir brauchen dringend Reformen und müssen uns neu aufstellen“, sagt Löffler. Dies könne aber nur gelingen, wenn die Menschen wieder mehr Verantwortungen übernähmen.

Löffler schließt Kritik an seiner Politik nicht aus

Dass die Niederlage des von ihm favorisierten Bewerbers auch Kritik an seiner, also Löfflers Politik war, mag er nicht ausschließen. Zum CSU-Kandidaten jedenfalls steht er: „Wir haben überlegt, wer das Geschick hat, die anstehenden Aufgaben gut zu bewältigen“, sagt er. Und man habe gefragt, wer traut sich das zu. Michael Multerer habe alle Voraussetzungen mitgebracht.

Jetzt sei es wichtig, Landkreis und Landratsamt „geordnet und anständig“ in die neue Leitung zu überführen. Ziel sei ein handlungsfähiger Kreistag. „Dazu braucht es immer zwei“, sagt Löffler. Man werde jetzt vernünftige Gespräche führen. Am Ende müsse man sich dann aufeinander verlassen können.

Wir haben gearbeitet bis zum letzten Tag.Michael Multerer

Der unterlegene Bewerber Michael Multerer konstatiert, dass die Stimmenzahl aus dem ersten Wahlgang in der Stichwahl für den Sieg gereicht hätte. Woran es gelegen hat, kann er nicht schlüssig erklären. „Wir haben gearbeitet bis zum letzten Tag“, sagt er. Enttäuschend nennt Multerer das Ergebnis von Arnschwang, wo er 18 Jahre lang Bürgermeister war. Dort haben 30 Prozent seinen Kontrahenten von den Freien Wählern gewählt.

Der Privatmann Michael Multerer versucht, das Positive aus der ersten Niederlage im sechsten Kommunalwahlkampf zu ziehen. „Ich habe jetzt echt sehr viel mehr Zeit.“

Das Wahlergebnis – ausgewählte Highlights

Absolute Stimmen: Die Niederlage von Michael Multerer war auch ein Mobilisierungsproblem der CSU in Durchgang zwei. Bei sechs Gegenkandidaten hatte der Arnschwanger im ersten Wahlgang am 8. März 33 082 Stimmen erreicht. In der Stichwahl waren es nur noch 28 110. Dort reichten Christian Schindler 32 123 Stimmen zum Sieg – 959 Stimmen weniger als der CSU-Kontrahent im ersten Anlauf geschafft hatte.

Top drei: Die Hochburgen des FW-Kandidaten Schindler waren Pemfling mit 73,3 Prozent, Chamerau (69,4) und Traitsching (68,4). In seiner Heimatstadt Cham erreichte er 59,6 Prozent. CSU-Bewerber Michael Multerer hat am besten in Furth im Wald (75,7 Prozent), Eschlkam (71,4) und seiner Heimat Arnschwang (70,0) abgeschnitten.

Die Städte: Neben Cham gewinnt Schindler auch in Roding (64,3 Prozent), Bad Kötzting (52,8) und Rötz (59,4). Multerer holt neben Furth im Wald Waldmünchen (57,0).

Schwarzer Osten: 25 der 39 Kommunen gehen an den FW-Kandidaten. Die 14 CSU-Kommunen liegen alle im Osten des Kreises: Lohberg, Lam, Neukirchen b. Hl. Blut, Eschlkam, Rimbach, Furth im Wald, Arnschwang, Runding, Weiding, Gleißenberg, Waldmünchen, Schönthal und Tiefenbach. Einzige Ausnahme: Treffelstein wählt orange, wenn auch knapp (50,4 Prozent). Der einzige schwarze Fleck im Rest des Landkreises ist Wald (52,5).

Weniger Wähler: Zurückgegangen ist die Wahlbeteiligung: 57,4 Prozent. Am 8. März waren es 70,9 Prozent.