Kommentar: Die Milchmädchen-Rechnung der Chamer Kreis-CSU

Wenn die Chamer Kreis- CSU nicht aufpasst, dann könnte sie gerade die größte Milchmädchen-Rechnung ihrer Geschichte aufmachen. Sie hat 29 der 60 Sitze im Kreistag. Hofft sie. Denn mit den Kreisräten Kürzinger und Wager von der Waldmünchner Liste sitzen da zwei Freie Wähler in ihren Reihen, von denen einer schon etwas abdriftet, während der andere noch ein wenig überlegt.
Und dann hat die CSU ein bisserl zu laut bei den drei SPDlern angeklopft. Das war bis zu den Freien Wählern zu hören. Da sind jetzt einige richtig sauer. Was hindert die eigentlich, dasselbe bei der CSU-Fraktion auszuprobieren? Da gibt es einige, die nun aus dem langen Schatten eines Landrats Franz Löffler treten könnten und eine – mindestens kleine – Palastrevolution anzetteln, weil etliche schon seit längerem mit der Gesamtsituation unzufrieden sind.
Da würde es auch wieder Sinn machen, dass Karl Holmeier wohl damit liebäugelt, seinen Fraktionsvorsitz abzugeben. Es wird nämlich keine leichte Aufgabe sein, all die schwarzen Schafe in der Herde zu halten.
Das kann man jetzt je nach politischer oder sonstiger Ausrichtung betrachten, wie man will: mit Schadenfreude, mit Verärgerung oder mit einer Tüte Popcorn im Zuschauerraum. Bei mir persönlich löst das eher Befürchtungen aus. Klar, um so einen Posten kann man sich schon mal politisch keilen. Dabei müsste aber jemand sicherstellen, dass CSU und Freie Wähler über all dem nicht vergessen, dass sie dem Wähler eine gemeinsame Fortsetzung der Sachpolitik schuldig sind. Denn sonst könnte es passieren dass die acht blauen Wahlverlierer auf der Hinterbank wieder eine billige Vorlage erhalten, um das zu tun, was sie am besten können: alles noch schlechter reden als es eh schon ist. Unter dem altbekannten Motto: Profitieren durch Nichtstun.
Ein Rat am Ende? Mit den Worten des verstorbenen Altlandrats Girmindl ausgedrückt: „Wahlen sind eine schlechte Zeit für Entscheidungen, denn Wahlzeit ist Brunftzeit. Und da ist das Blut nicht im Gehirn!“