Gute Laune einfach überall: Der zukünftige Oberbürgermeister von Regensburg strahlt nur noch

Ob im Stadtrat oder bei der Installation eines Defibrillators im Bürgerheim Kumpfmühl in Regensburg: Seit er die Stichwahl gewonnen hat, kommt Dr. Thomas Burger aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Der zukünftige Oberbürgermeister von Regensburg und ein Psychologe erklären, wie es zu diesen Hochgefühlen kommt.
Sollten die Großstadtengel ein weiteres Video für ihren Gute-Laune-Song planen, Regensburg hätte da einen geeigneten Protagonisten in petto: Den zukünftigen Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger (SPD), denn der hat gerade extrem gute Laune und das einfach überall. Das war zum Beispiel bei der ersten Stadtratssitzung nach der Stichwahl zu sehen, während der er als Fraktionsführer im Plenum saß.

Als Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) ihm vor dem versammelten Gremium gratulierte und die Stadträte mit den Fäusten auf ihr Pult trommelten, strahlte Burger über das ganze Gesicht. Wenig später sagte FW-Stadträtin Kerstin Radler, die auf dem Platz neben ihm saß, dass für ihre Haltung zum geplanten Wirtschaftsbeirat ausschlaggebend sei, ob der neue Oberbürgermeister das gut finde. Da konnte er sich ein hintersinniges Grinsen nicht verkneifen. An anderer Stelle lächelte Burger versunken vor sich hin.
Ein neuer Defibrillator und ein fröhlicher Thomas Burger
Es war nicht die einzige Gelegenheit, bei der im Laufe der vergangenen Woche Fotos von ihm entstanden sind, deren Anblick selbst die Grinsekatze aus „Alice im Wunderkatze“ neidisch machen dürfte: Dazu kam es etwa auch am Mittwoch, als im Bürgerheim Kumpfmühl in Burgers Beisein ein Defibrillator installiert wurde oder am Abend der Stichwahl bei der städtischen Wahlveranstaltung im Marinaforum sowie bei der SPD-Party im Café Schierstadt.
Er sei grundsätzlich ein positiver Mensch, sagt Burger zu seiner sichtbar guten Laune. Zudem spüre er zur Zeit viel positive Energie, die ihn trage. Sicher, das, was jetzt auf ihn zukomme, werde nicht einfach, aber er freue sich nun auch darauf, anzugreifen. Zudem sei die Anspannung des Wahlkampfes von ihm abgefallen. „Das war eine regelrechte Wahlkampfmaschine“, sagt er.

Was in einem Menschen vorgeht, der wie Burger monatelang auf ein ungewisses Ziel hingearbeitet hat und schließlich als Sieger vom Platz ging, weiß der Regensburger Psychologe Gerhard Hecht. Der Mann hatte für die Brücke als Stadtrat kandidiert, es aber letzten Endes nicht in das Gremium geschafft. Erlebnisse, wie Burger sie hinter sich hat, wirkten in der Regel noch nach. „Ich schätze, dass er noch ein wenig hochgefahren ist“, sagt Hecht. Wichtig sei es nun, langsam runterzukommen, denn die Erschöpfung werde sich schon noch bemerkbar machen. Auf Burgers Situation gemünzt, schlägt Hecht vor: „Vielleicht kann er in den kommenden Tagen noch etliche Leute kontakten und die wichtigsten Gespräche führen, aber dabei auch Pausen einplanen.“
Ob Lächeln, Grinsen oder Strahlen: Für den Psychologen zeigt sich eine Person mit dem Gesicht in der Regel so, wie sie gesehen werden will. Er sagt: „Das Gesicht ist die äußerste Schicht. Die Atmung, die Körperhaltung und die Bewegungen eines Menschen verraten mehr über seine emotionale Situation.“ Das Lächeln habe mehrere Funktionen. Burgers Mimik liest der Psychologe als Geste der Überraschung und Zeichen echter Freude. „Er hat erwarten müssen, dass es nicht reicht, sich aber dann gegen die Favoritin und eine harte Gegnerin durchgesetzt“, erklärt Hecht.
Lächeln als Reaktion auf einen Schrecken?
Burger betont, dass es schon von innen komme, wenn er lache. Während der Arbeit an den Wahlkampfvideos mit seinen Töchtern hätten die ihn immer wieder darauf angesprochen, dass er so ernst dreinschaue. Was er vermeide, sei, auf Fotos bewusst zu lächeln, sagt Burger. Dass auf Fotos ständig gelächelt werde, sei noch nicht lange so, erklärt Hecht. „Früher galt das als peinlich. Aber diese Kultur hat sich verändert. Heute ist es Standard, dass man auf Fotos lächelt“, verdeutlicht er.
Zu Burgers Situation gehöre die schwierige Aufgabe, ein Rathausbündnis zu schmieden. Aber die Linke sei zersplittert und die CSU habe eine Totalopposition angekündigt, erinnert Hecht an die Gemengelage. „Jeder, der so tut, als würde er das im Griff haben, zieht eine Show ab“, macht der Psychologe deutlich und ergänzt: „Vielleicht ist das Lächeln auch ein Impuls oder eine Reaktion auf einen Schrecken und er denkt sich: Oh mein Gott!“

„Ja, der lacht gerade viel, weil er sich freut, aber das ist ja auch verständlich, schließlich hat er eine Wahl gewonnen“, sagt Maltz-Schwarzfischer über Burgers phänomenale Laune. Als sie vor sechs Jahren als Siegerin aus der Stichwahl hervorgegangen ist, habe sie sich auch gefreut, erinnert sich die Oberbürgermeisterin.