Gebäck-Meile in Regensburg wächst weiter: Wird die Konkurrenz zu groß?

Gegenüber der Bäckerei Sippl plant Schifferl eine neue Filiale am Neupfarrplatz in Regensburg. Denn es gibt genug Kunden für alle, sagen die Betreiber von Ketten. Der gefährdete Kipferl-Bäcker Schwarzer aber stöhnt.
Sandwiches oder Kuchen im Lazy Lads, süße Teigkringel beim Dunkin‘ Donuts, Gebäck und Snacks auf die Hand beim Sipl, Bagels und noch mehr belegte Snacks bei den Coffee Fellows: Wenn Ludwig Schifferl bald eine Filiale an der Ecke zur Oberen Bachgasse im westlichen Bereich des Neupfarrplatzes eröffnet, ist das der fünfte Betrieb mit einer Auslage voller Backwaren auf einer Strecke von 250 Metern: Werden die warmen Semmeln auch dann noch weggehen?

„Wo es Frequenz gibt, ist auch Geschäft möglich“, ist sich der frischgebackene CSU-Stadtrat Schifferl sicher. Früher habe es in dem Bereich mit Ebner und Müller schon einmal zwei Bäckereifilialen direkt nebeneinander gegeben, ruft er in Erinnerung. Das sei an dieser Stelle möglich, weil es hier touristisch zugehe.
So lange ausreichend Kundenfrequenz vorhanden sei, könnten durchaus mehrere Anbieter mit ähnlichen Konzepten erfolgreich nebeneinander bestehen, bestätigt Philipp Schulz, Director Operations bei den Coffee Fellows. „Ein lebendiges Umfeld kann sich dabei sogar gegenseitig stärken und zusätzliche Besucher anziehen“, sagt er. Grundsätzlich seien Bäckereien und Cafés schon Konkurrenten – wobei dies stark von den jeweiligen Konzepten und Angeboten der Mitbewerber abhänge. „Wettbewerb gehört für uns zum Geschäft dazu“, so Schulz.
Schifferl will bald gegenüber der Sipl-Filiale eröffnen
Aus der Perspektive von Rudolf Weber, dem Chef bei Schwarzer Kipferl, sieht das anders aus – und das nicht nur, weil sein Betrieb in der Oberen Bachgasse regelrecht hinter den Liefer- und Lastwagen verschwindet, die vor dem Gebäude geparkt haben, in dem die neue Schifferl-Filiale Einzug halten soll. Weber kämpft gerade mit der Insolvenz. Ende April und damit zu dem Zeitpunkt, an dem Schifferl plant, seine neue Niederlassung gegenüber der Sipl-Filiale am Neupfarrplatz zu eröffnen, wird Weber entscheiden müssen, ob er dicht macht oder nicht. „Schon der Sipl war ein Schlag. Die fischen uns die Laufkundschaft ab“, sagt er. Und jetzt noch ein Bäcker. „Das macht es schon schwieriger“, prognostiziert Weber.
Sind es also zu viele Geschäfte in der Altstadt, die Backwaren wohlfeil halten? Neben Schwarzer gibt es hier laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, aktuell 17 zumeist lokale oder regionale Bäckereifilialen. Darin nicht mitgezählt sind die Bereiche Stadtamhof mit drei Anbietern, das Ostentorviertel mit zwei Bäckereien und die und Westnerwacht, wo sich Heaven’s Taste befindet. Alleine am Hauptbahnhof gebe es drei weitere Stellen, an denen sich Kunden mit Backwaren eindecken können, zählt sie auf. Weiterhin nennt von Roenne-Styra den Verkaufswagen am Neupfarrplatz sowie die Märkte am Bismarckplatz, am Alten Kornmarkt und am Donaumarkt. Zudem erwähnt sie Anbieter aus dem Segment Konditorei und Patisserie, etwa die Cafés Prinzess und Orlando di Lasso, die Cupcakery, die Zuckerbäckerin oder die Strudelei. Wie viele Cafés oder Bistros darüber hinaus noch Gebäck und Belegtes anbieten, sei unbekannt.

Trotzdem sagt Josef Ebnet, Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Oberpfalz und Kelheim, dass dieser Wettbewerb ein zentraler Treiber sei. „Er sorgt für Differenzierung, Innovation und letztlich auch für die Anpassung des Angebots an die Bedürfnisse der Kundschaft“, erklärt er.
Konkurrenz oder Frequenzbringer?
Auch Bäckereien sind laut Ebnet Frequenzbringer für die Altstadt. Gleichzeitig herrsche an hochfrequentierten und touristischen Standorten eine große Nachfrage nach niedrigschwelligen Gastronomieangeboten, insbesondere für To-Go. „Auch wenn Betriebe auf den ersten Blick ähnlich wirken, unterscheiden sie sich in Sortiment, Preisniveau, Qualität und Zielgruppe“, verdeutlicht der IHK-Handelsexperte.
Stefan Kiendl, Obermeister der Bäckerinnung Regensburg-Kelheim, findet es zwar grundsätzlich gut, dass mit der Bäckerei Schifferl wieder eine Bäckerei aus der Region mit einer Filiale am Neupfarrplatz vertreten sein soll. „Allerdings wird dadurch der Kuchen, von dem jeder dort was abhaben möchte, ja nicht größer“, sagt er und kommt sofort auf Schwarzer zu sprechen: Kiendl sorgt sich, ob Weber das Defizit, das ihm dadurch entstehen könnte, auffangen wird. „Somit wird auf kurz oder lang dann der eine oder andere schließen müssen. Ich hoffe sehr, dass es nicht die Bäckerei Schwarzer wäre, denn mit ihr würde der letzte backende Betrieb in der Altstadt verschwinden und Regensburg würde ein Stück Geschichte verlieren“, macht Kiendl deutlich. Am Ende entscheide der Kunde. Bäcker könnten nur jeden Tag das Beste geben und hoffen, den Kunden mit ehrlicher Handwerkskunst zu überzeugen.
Das Können seiner Zunft führt auch Weber ins Feld. Er habe keine Maschinen. „Bei mir stehen vier Mann in der Backstube. Da sieht jede Breze anders aus“, schildert er. Sicher, manche seien weniger schön als andere. Dafür könne er auf die individuellen Wünsche seiner Kundschaft eingehen: So etwas wie die kleinen Brote, die eine Pfarrei bestellt habe, um sie in der Osterzeit in einer Kirche zu verteilen – das gebe es nur bei ihm.