Fischerboot in Sperrzone stoppt Isar Aerospace: Sabotage-Gerüchte um Bayern-Rakete

Von Johannes Geigenberger · 26. März 2026 um 12:29

Da bekommt das Wort „Raumschiff“ eine ganz neue Bedeutung: Ein Fischerboot soll Schuld sein an der nächsten Verschiebung des neuesten Testflugs der Bayern-Rakete von Isar Aerospace. Haben sich die Fischer bewusst in der Sperrzone an der Startrampe aufgehalten? Norwegische Medien berichten nun von Sabotage.

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Am Mittwochabend klappte es nun schon zum wiederholten Male nicht, die zweite Trägerrakete „Spectrum“ mit fünf Satelliten an Bord in den Orbit zu befördern. Was während des ersten Zeitfensters im Januar noch einem kaputten Ventil und Anfang der Woche noch dem Wetter geschuldet war, geht nun auf das Konto eines norwegischen Fischers. Weil er nicht rechtzeitig die Sperrzone rund um den Andøya Space Port verlassen hat, wird ihm nun Sabotage vorgeworfen.

Das war passiert: Während der Vorbereitungen am späten Nachmittag verlief noch alles wie geplant. Gegen 16 Uhr vermeldete Isar Aerospace das planmäßige Befüllen der Rakete mit Treibstoff. Kurz nach 20 Uhr startete das bayerische Raketenunternehmen, das seine Wurzeln in Reischach (Landkreis Altötting) hat, den Livestream.

Zunächst war nichts Ungewöhnliches zu erkennen: Während der Countdown nach unten zählte, prüfte die „Mission Control“ noch einmal alle Systeme auf Herz und Nieren. Unterdessen zischte und dampfte die Rakete – der weiße Nebel der Kühlung umwaberte die in der nordnorwegischen Nacht hell erleuchtete „Spectrum“.

Countdown sprang noch einmal zurück

Plötzlich sprang der Countdown allerdings noch einmal 16 Minuten zurück– und die Uhrzeit der geplanten Zündung verschob sich auf deutlich nach 21.06 Uhr. Was später bekannt wurde: Zu diesem Zeitpunkt hatte es eine „unerwartete Sichtung“ in der Bucht vor der Startrampe gegeben, die unmittelbar am Meer liegt.

Mehrere norwegische Medien bestätigten anschließend, dass es sich um Fischerboote gehandelt hatte, die nicht rechtzeitig die Sperrzone verlassen hatten. Das Abwarten kostete offenbar so viel Zeit, dass die geplante Uhrzeit der Zündung aus dem Zeitfenster herausrückte, das sich Isar Aerospace selbst gesetzt hatte. Statt einer Zündung bei der „Null“ im Countdown hieß es deshalb um 21:22 Uhr „Abbruch“.

Fischer: Wir wollten nur einen Baum bergen

Was machen um 21 Uhr abends norwegische Fischerboote so nahe an dem – ja mehrfach ausdrücklich zur Sperrzone erklärten – Startplatz? Schnell gab es deshalb in den norwegischen Medien den Vorwurf, es handle sich um Sabotage.

Schließlich sind die Raketenstarts in Nordnorwegen nicht unumstritten – als beispielsweise vergangenes Jahr die erste Testrakete von Isar Aerospace mit einer Explosion ins Meer gestürzt war, äußerte sich ein Parlamentsabgeordneter anschließend kritisch über die Umweltverschmutzung. Bei Isar Aerospace verstand man das nicht – schließlich sei der ganze überflüssige Treibstoff bei der Explosion verbrannt.

Fischer weist Schuld von sich und meint: „Es war wohl eher ein technischer Defekt“

So oder so: Gegenüber der Zeitung „Kyst og Fjord“ bestreitet einer der Fischer, Olafur Einarson, jedenfalls, dass es sich um einen Protest gehandelt hatte. Er und seine Kollegen seien schlicht dabei gewesen, ein Netzsystem aus dem Wasser zu ziehen. „Nach dem Wetter der Vortage war der Fang gut.“ Als dass er erledigt war, habe es schlicht länger gedauert als geplant, den Platz wieder zu verlassen.

Einarsson gibt ferner an, in Kontakt mit Isar Aerospace gestanden zu haben. Er habe vielmehr den Eindruck, dass es sich um einen technischen Fehler handelte und nicht die Schuld von ihm und seinen Kollegen war, dass die Rakete am Mittwoch nicht gestartet wurde.

Ein Update dazu lesen Sie hier: Rakete schon wieder abgebaut: Geht Isar Aerospace gegen die Fischer vor?